Aus für Gastronomie in der Orangerie Kassel: Neustart nach Pleite scheitert an Corona

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Unklare Perspektiven: Normalerweise wäre auf der Terrasse vor der Orangerie bei diesem Wetter reger Cafébetrieb. Wegen der Corona-Lage traut sich derzeit kein neuer Betreiber an den großen Gastro-Standort heran.

Wegen der Coronakrise haben zurzeit alle Gastronomen zu kämpfen. Für den Café-, Restaurant- und Veranstaltungsbetrieb in der Orangerie hat die schwierige Lage bereits zum vorzeitigen Aus geführt.

Das liegt nicht so sehr daran, dass momentan keine Gäste kommen dürfen. Vielmehr wurde die bereits fertig verhandelte Rettung des insolventen Gastro-Betriebs durch Corona tragischerweise zunichtegemacht.

Schon Anfang voriger Woche, also bevor die ersten Betriebseinschränkungen angeordnet wurden, haben rund 30 Mitarbeiter, darunter acht Festangestellte, ihre Kündigungen „aus betriebsbedingten Gründen“ erhalten. Seither ist der Betrieb dauerhaft eingestellt – zumindest, was das bisherige Team betrifft. Betroffen sind nun weiterhin etliche Hochzeitsgesellschaften, die während des gesamten Jahres und darüber hinaus ihr großes Fest im Ambiente der Orangerie ausrichten wollten.

Seit Bekanntwerden der Zahlungsunfähigkeit Ende 2019 hatten die Mitarbeiter für eine Perspektive gekämpft und unter Aufsicht der Insolvenzverwaltung weitergearbeitet. Sowohl Insolvenzverwalter Carsten Koch (Kanzlei Westhelle & Partner) wie auch die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) als Verpächterin der Liegenschaft hatten sich guten Mutes geäußert, schnell wieder einen solventen und fähigen Betreiber für die Gastronomie an der Karlsaue zu finden.

„Wir haben mit acht oder neun Bewerbern gesprochen, drei waren in der engeren Wahl“, berichtete Koch auf Anfrage der HNA. Als Favorit ergeben habe sich eine Betreiber-GmbH, hinter der mehrere erfahrene Gastronomen stünden, die teils in der Region bereits eigene Lokale führen. Man habe zeitlich nichts anbrennen lassen, machte Koch deutlich: Ein mit der Museumslandschaft Hessen Kassel abgestimmter Pachtvertrag sei fix und fertig verhandelt gewesen. Der angepeilte Übergabetermin sei der 16. März gewesen.

Doch in der Woche zuvor, so Koch, hätten die Bewerber unter dem Eindruck der Corona-Dramatik dann einen Rückzieher gemacht: Sie könnten sich ein solches Projekt jetzt nicht aufhalsen, ohne ihre bestehenden Betriebe zu gefährden. „Ich kann das menschlich nachvollziehen“, sagte der Insolvenzverwalter. Von der Sache her aber sei das ausgesprochen tragisch und „ärgert mich maßlos“.

Auf eine Kündigung waren die Mitarbeiter nicht gefasst, als sie für den 16. März zur Betriebsversammlung eingeladen wurden. „Wir hatten gedacht, da würde uns der neue Betreiber präsentiert“, sagte jemand aus dem Team.

Vor allem für die Mitarbeiter tue es ihm leid, die „sehr viel gegeben“ hätten, sagte Rechtsanwalt Koch. Als Insolvenzverwalter müsse er sich aber an Vorschriften halten. Da derzeit keine Einkünfte in Sicht seien, die Kosten weiterliefen und sich einstweilen auch kein anderer Pachtinteressent an die große Gastro-Immobilie herantraue, sehe er keine Alternative zur Betriebsauflösung.

Auf Dauer leer stehen werde so ein prominenter Standort wie die Orangerie sicher nicht, sagte Koch. „Aber realistisch wird sich erst nach Corona wieder etwas bewegen.“

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