Ausstellung in Orangerie

So wurden zwischen 1600 und 1900 Raum und Zeit gemessen

Zu bestaunen: MHK-Mitarbeiterin Kirsten Kutzinski vor einem Streifen-Chronografen, der Impulse auf einem Papierstreifen aufzeichnete, die ein astronomisches Instrument lieferte. Fotos: Koch

Kassel. Im Astronomisch-Physikalischen Kabinett in der Orangerie können die Besucher jetzt die neu eröffnete Dauerausstellung zur Raum- und Zeitmessung zwischen 1600 und 1900 besuchen.

Die Ausstellung mit 300 Exponaten gibt einen Überblick über 300 Jahre Raum- und Zeitmessung und wartet mit interessanten Relikten der Technikgeschichte auf. Wobei am Anfang der Entwicklung, im 16. Jahrhundert, nicht die Funktionsfähigkeit der Uhren im Vordergrund stand, wie Dr. Karsten Gaulke, Leiter des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts, erläuterte. Sie standen als Luxusgegenstände in den Kunstkammern der Landgrafen – auch in Kassel. „Sie sollten die Weisheit des Fürsten repräsentieren.“

Lexikonwissen:

Astronomisch-Physikalisches Kabinett im Regiowiki

Mehrere Exponate aus der Kasseler Kunstkammer, darunter eine Nachbildung eines Maikäfers, dessen Fühler und Beine durch ein Uhrwerk bewegt werden, sind ausgestellt. Weil es exakte Uhren nicht gab, habe jedes Dorf seine Uhrzeit gehabt, sagt Gaulke. Die Kirchturmuhr habe die Zeit bestimmt, selbst wenn diese falsch ging. Verabredungen zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort seien damals nicht nur an der fehlenden zeitlichen Orientierung gescheitert. Auch die räumliche Orientierung sei schwer gewesen, da genaue Karten und einheitliche Längenmaße fehlten.

Fortschritte bei der Entwicklung von Vermessungsinstrumenten brachte der Dreißigjährige Krieg. Es wurden Festungen gebaut, die geometrisch regelmäßig sein mussten, um tote Winkel zu vermeiden.

So sind in der Ausstellung Instrumente zu sehen, die 1628 für Landgraf Wilhelm V. hergestellt wurden. Ein Animationsfilm zeigt deren Funktionsweise.

Die Entwicklung hin zu exakten Apparaturen für die Raum- und Zeitmessung wurde angetrieben durch Schifffahrt und Eisenbahnbau. „Die Eisenbahn brauchte Fahrpläne und damit waren Uhren nötig“, sagt Gaulke. Die Armbanduhr sei erst nach dem Ersten Weltkrieg in Mode gekommen. „Die bis dahin gängigen Taschenuhren waren für die Soldaten ungeeignet. Die Angriffe waren zeitlich geplant und mit einem Gewehr in der Hand konnte man nicht nach der Taschenuhr kramen.“

So ist im letzten Teil der Ausstellung die Entwicklung hin zur Massenware zu verfolgen. Alte Wecker sind zu sehen, die mit der Industrialisierung der Arbeit nötig wurden. Ein Höhepunkt sind Präzisionspendeluhren, die ab 1900 im Hamburger Hafen eingesetzt wurden, um Zeitsignale für die Lotsen zu liefern. Die Instrumente sollten in den 1960er-Jahren auf den Sperrmüll und gelangten nach Kassel. Auch der Zeitball, der den Lotsen die Zeit lieferte, ist als Nachbau zu sehen.

 

Di-So 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr,

Eintritt: 3 Euro/ 2 Euro erm.

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