Butterblume in der Südstadt

Per Crowdfunding: Nordhessens erster Unverpackt-Laden eröffnet

Kassel. Viel Arbeit liegt hinter Helen Neuwirth. Die 22-Jährige hat Wände gestrichen, Regale aufgebaut und Waren bestellt. Am Donnerstag eröffnet Nordhessens erster Unverpackt-Laden.

Am 19. August gibt es in der Butterblume in der Kasseler Südstadt die offizielle Eröffnungsparty, einkaufen kann man aber schon ab Donnerstag. Finanziert hat Neuwirth ihr Vorhaben per Crowdfunding.

Das Startkapital von 25 000 Euro hatte die junge Unternehmerin auf der Internet-Plattform Startnext, auf der Interessierte verschiedenste Projekte mit Geld fördern können, zusammenbekommen. Am Ende des Zeitraums ist es sogar sehr viel mehr, nämlich 33 196 Euro, geworden. 355 Personen haben Neuwirths Projekt unterstützt. Das zeige ihr, dass die Menschen, gerade die Bewohner der Südstadt, den Laden wollen, so Neuwirth. Zu kaufen geben wird es Bioprodukte, darunter Lebensmittel, Kosmetik oder auch Putzmittel.

Ob sie auch anderen zu dieser Form der Finanzierung raten würde? „Man muss sich schon sehr sicher sein, dass man sein Vorhaben auch umsetzen kann und möchte“, sagt Neuwirth, die bislang in Kassel Architektur studiert hat. „Für mich war es auf jeden Fall die perfekte Chance.“

Neuwirth sagt das, obwohl sie in den vergangenen Wochen wenig Schlaf bekommen und nicht selten auch mehr als zwölf Stunden im Ladenlokal an der Frankfurter Straße 73 verbracht hat. Manchmal habe sie auch mal gedacht, dass das alles ganz schön viel werde, sagt Neuwirth. Aber jetzt, wo im Laden das Ergebnis zu sehen ist, sei sie doppelt motiviert. Zusammen mit Neuwirth wird Karin Hesse, die viele Jahre im früheren Bioladen Butterblume gearbeitet hat, im Laden stehen. Außerdem bekommen sie Unterstützung von einer Studentin.

Aus Leinen: Beispielsweise Kaffeebohnen kann man sich in die Stoffbeutel abfüllen.

Das Besondere am Unverpacktladen: Neuwirth versucht fast ohne Verpackungen auszukommen oder zumindest recycelbare Materialien zu verwenden. Auf den Regalen liegen Baumwollbeutel in verschiedensten Größen. Die größeren sind beispielsweise für Brötchen oder Obst und Gemüse, in die kleineren können Nüsse oder Tomaten abgefüllt werden.

Wer Linsen, Müsli, Reis oder Nudeln aus den Unverpacktspendern abfüllen will, kann Schraubgefäße oder Papiertüten kaufen oder sich Behältnisse selbst mitbringen. Die werden dann vor dem Befüllen gewogen. Im vorderen Bereich der Butterblume hat Neuwirth eine Sitzecke eingerichtet, in die man sich gemütlich mit einem Kaffee oder Tee setzen kann. „Längerfristig könnten wir uns auch vorstellen einen Mittagstisch anzubieten“, sagt Neuwirth.

Immer wieder haben Menschen, die am Laden vorbeigegangen sind, den Kopf durch die Tür gesteckt und gefragt, was sich im Ladenlokal tun würde und wann denn Eröffnung sei. Am Donnerstag, 17. August, soll es langsam losgehen. Die offizielle Eröffnung ist dann am Samstag, 19. August mit einer kleinen Party geplant. Geöffnet ist in der Woche von 9 bis 19 Uhr, samstags von 9 bis 14 Uhr. www.facebook.com/ ButterblumeKassel

Hintergrund

Hygiene: Ein wichtiges Thema bei Unverpackt-Läden ist Hygiene. So sind die Spender luftdicht verschlossen und werden vor jedem erneuten Befüllen gereinigt. Wer sich zu viel genommen hat, muss die überschüssige Ware an der Kasse abgeben, damit sie nicht erneut verkauft wird. An der Brot- und Käsetheke dürfen die mitgebrachten Behältnisse nicht von den Mitarbeitern mit hinter die Theke genommen werden. 

Verpackung: Eigene Gefäße können mitgebracht werden. Sie werden vor und nach dem Einkauf gewogen. Dazu eignen sich Gläser und Flaschen mit Schraubverschluss. Außerdem können Stoffbeutel in verschiedenen Größen und Pappverpackungen und Papiertüten gekauft werden. 

Sortiment: Gänzlich ohne Verpackung kommt auch ein Unverpackt-Laden nicht aus. Aber der produzierte Müll wird deutlich reduziert. Neben Obst, Gemüse, Getreideprodukten will Neuwirth auch Biokosmetikprodukte anbieten. Auch unverpacktes Klopapier wird es zu kaufen geben.

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