Einsatz für Fuldamuscheln

Kasseler Feuerwehr rettet geschützte Muscheln aus der Fulda

Michael Götzner schüttet die Muscheln ab
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Ausbeute von einem der zahlreichen Tauchgänge: Michael Götzner schüttet die Muscheln ab.

Zwischen Regattastrecke und Fulda soll eine Sandbank entfernt werden, damit Ruderer und Kanuten weiter Wettkämpfe austragen können. Vorher müssen allerdings zahlreiche Muscheln gerettet werden.

Kassel – So viele Fuldamuscheln auf einem Haufen dürfte kaum jemand zuvor gesehen haben. Es sind Tausende, die Feuerwehrtaucher Daniel Degenhardt und seine Kollegen gestern vor der Taucherbrille hatten. Und nicht nur das. Sie haben so viele wie nur irgend möglich eingesammelt. Die haben so schöne Namen wie große Flussmuschel, Mahlermuschel sowie große und kleine Teichmuschel. Doch warum der ganze Aufwand?

Im Übergangsbereich von der Fulda zur Regattastrecke Richtung Bugagelände hat sich eine Sandbank gebildet. „Hier lagern sich Sedimente ab, das Wasser ist teilweise nur noch einen halben Meter hoch“, sagt Jörg Gerhold vom städtischen Umwelt- und Gartenamt. Dieser lockere Sandboden ist ein idealer Untergrund für die Muscheln. Für den Rudersport ist die Sandbank allerdings zum Problem geworden. „Hier finden landes- und bundesweite Wettbewerbe statt, da müssen wir für mehr Wassertiefe sorgen“, sagt Gerhold.

Deshalb soll im Februar eine Spezialfirma anrücken, die den Sand absaugt. Mit einem engmaschigen Sieb vor dem Saugrohr, um die noch vorhandenen Muscheln so gut wie möglich zu schützen. Und doch will man aus Gründen des Umweltschutzes auf Nummer sicher gehen.

Im Vorfeld habe es ein Gutachten eines Experten gegeben, sagt Susanne Gilfert von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium. Sie wird die Arbeiten im Februar überwachen und war auch gestern vor Ort. „Unser Dank gilt der Kasseler Berufsfeuerwehr“, sagt sie. Denn die Rettungstaucherstaffel hat kurzerhand eine Übung so terminiert, dass sie auch zum Erhalt der Fuldamuscheln beiträgt. Hunderte von ihnen wurden gestern von der Sandbank abgelesen. Sie werden ein Stück weiter oberhalb an der Regattastrecke wieder ins Wasser gesetzt und haben auch dort gute Lebensbedingungen. „Die Muscheln stehen unter Schutz, gehören aber nicht zu den bedrohten Arten“, sagt Susanne Gilfert. Eine so starke Population wie in diesem Bereich der Fulda gebe es nur sehr selten.

Unter der Wasseroberfläche liegt die Sandbank: Am Übergang von der Regattastrecke zur Fulda waren Feuerwehrtaucher im Einsatz. Bei einer Übung sicherten sie Muscheln, bevor die Sandbank entfernt wird.

Für die Feuerwehr ergibt sich beim Muscheltauchen die Möglichkeit, neues Material zu testen. „Das mussten wir ohnehin machen, bevor wir Nachschub bestellen“, sagt Karsten Fischer, der das Team leitet. Unter anderem kam gestern ein Tauchertelefon zum Einsatz. Über ein gelbes Kabel und Kopfhörer ist der Taucher mit einem Kollegen an Land verbunden, der ihn quasi fernsteuern kann. Das hat prima geklappt. Auch die Unterwasserlampen haben sich bewährt. Im Notfall, wenn zum Beispiel nach einem Vermissten im Bugasee gesucht wird, muss man sich darauf verlassen können.

Nach dem gestrigen Einsatz ist das Überleben der Fuldamuscheln auf jeden Fall gesichert. Spätestens im März wird ihre Lieblingssandbank aber verschwunden sein. (Thomas Siemon)

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