Verkauf über Online-Shop und regionale Geschäfte geht weiter

Nach über 40 Jahren: Feinkost-Fleischerei Rohde schließt Ladengeschäft in Kassel

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Nur noch bis 27. Oktober geöffnet: Irmgard und Dieter Rohde schließen nach über 40 Jahren ihre Feinkost-Fleischerei an der Frankfurter Straße. Die Ahlen Würschte des Betriebs genießen bei vielen Fans einen besonderen Ruf weit über die Region hinaus.  

Kassel. Eine Kultstätte für Fans nordhessischer Wurstspezialitäten wird Ende Oktober schließen: Irmtraud und Dieter Rohde geben ihre Feinkost-Fleischerei nach über 40 Jahren auf. Die Produktion geht aber weiter.

Rohdes vielgepriesene Ahle Wurscht und seine anderen Produkte werden weiterhin erhältlich sein in vielen Verkaufsstellen der Region sowie im Versandhandel. Unter Verantwortung von Sohn Benjamin Rohde soll die Herstellung der Waren weitergeführt werden. Auch Tochter Stephanie Rohde-Müller arbeitet weiter im Betrieb mit.

Die Eltern, beide 66, gehen offiziell in Ruhestand und schließen den Laden an der Frankfurter Straße 67 . Der Ruhestand ist nach ihren Angaben nicht der eigentliche Grund für die Ladenschließung. „Das Problem ist, dass wir in unserer Branche keine qualifizierten Fachkräfte und keine Auszubildenden mehr bekommen“, sagt Dieter Rohde. Der Fleischermeister ist ein Perfektionist, der ganz auf traditionelle Herstellungsweisen und Rezepturen setzt. Als unermüdlicher Ahle-Wurscht-Lobbyist in der bundesweiten Genusshandwerkerszene hatte Rohde keinen geringen Anteil daran, dass die nordhessische Regionalspezialität seit gut einem Jahrzehnt flächendeckend bekannt in Deutschland ist.

Weil aber Personal für das Ladengeschäft fehlt, hatte die Fleischerei schon vor vier Jahren ihre Öffnungszeit von 18 auf 14 Uhr reduziert. Ab dem 18. September soll nun nur noch mittwochs bis freitags geöffnet werden, am 27. Oktober ist dann endgültig Schluss. Schon ab den Nachtstunden werden in dem Betrieb bis zu sieben Schlachtschweine täglich verarbeitet, dann schließt sich der Arbeitstag im Laden an. Bis zu 15 Stunden kamen so manchmal für das Betreiberpaar zusammen. „Für uns war die Frage, ob wir das so weitermachen wollen, bis wir über 70 sind“, sagt Rohde zur Entscheidung, den Laden aufzugeben.

„Eigentlich ist es jammerschade, und viele unserer Kunden sind sehr traurig“, sagt Irmgard Rohde. Der Laden ist Anlaufstelle für Wurst-Kenner aus ganz Nordhessen und darüber hinaus. Zahlreiche Spezialitätenjäger, die Rohdes Ahle Würste zum Beispiel aus dem „Manufactum“-Katalog kennen oder durch mehrfache Erwähnung unter Hessens besten Metzgereien im Magazin „Feinschmecker“ aufmerksam geworden sind, machten bisher von den Autobahnen einen Umweg in die Frankfurter Straße.

Auf anderen Wegen ist die Versorgung auch künftig gesichert. Als Produktionsbetrieb beliefert die Fleischerei Rohde 70 bis 80 regionale Lebensmittelmärkte. Bundesweit sind es über 230 Verkaufsstellen, die per Kühlspedition beliefert werden. Hinzu kommt das Versandhandelsgeschäft: 9400 Kunden stehen in der Datei des Online-Shops, pro Woche werden 150 bis 200 Sendungen verschickt – zum Teil europaweit und gelegentlich auch bis nach Übersee.

In der Haupsaison hängen bis zu 40.000 Ahle Würste in den Reifekammern, die über mehrere Altbauten an der Frankfurter Straße verteilt sind. Für Dieter Rohde wird das auch im formellen Ruhestand weiterhin eine Wirkungsstätte sein. Nur eben mit mehr Muße für Hobbys und neue Ideen. Und die haben bei Rohde sehr häufig mit Schweinehaltung und Wurstmacherei zu tun.

www.feinkost-rohde.de

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