Fest in neuem Flüchtlingsheim: „Heimat für zehn wunderbare Jungs“

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Eine Walnuss wächst mit: Beim Frühlingsfest griffen (v.l.) HNA-Verleger Dr. Dirk Ippen, Dr. Tobias Raffel (Roland-Berger-Stiftung), Kassels Jugenddezernentin Anne Janz und die Jugendlichen Arafat (17) und Halane (17) aus Somalia sowie Said (16) aus Afghanistan gemeinsam zur Schaufel, um einen Baum neben dem neuen Wohnheim zu pflanzen.

Kassel. Die Zimmer sind bezogen, die ersten Freundschaften geknüpft, die anfängliche Scheu ist gewichen: Grund genug für die Roland-Berger-Stiftung, die Eröffnung ihres Wohnheims für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu feiern.

Seit Anfang Februar haben dort zehn Jugendliche, die ohne ihre Familie nach Deutschland geflohen sind, ein neues Zuhause gefunden. „Zehn ganz wunderbare Jungs“, wie Stiftungsvorstand Dr. Tobias Raffel die internationalen Bewohner des Neubaus an der Frankfurter Straße vorstellte. Sie stammen aus Afghanistan, Eritrea und Somalia.

In den sieben Wochen seit der Eröffnung sei die Gruppe schon zu einer Art Familie zusammengewachsen, berichtete auch Heimleiter Regj Hisenaj. In den Zimmern hätten die Jugendlichen schon die ersten Möbel verschoben und Poster aufgehängt – und hin und wieder gebe es sogar schon eine freche Antwort, sagte der Sozialpädagoge mit einem Grinsen: „Ein Zeichen, dass die Jugendlichen sich wohlfühlen.“

Selbstgemachtes aus der Heimat: Der türkischstämmige Koch Sevget Coban (links) hat zusammen mit dem 16-jährigen Hikmaawi traditionelle gefüllte Fladen aus Somalia zubereitet.

Förderer, Freunde und andere Gäste hatten beim Frühlingsfest Gelegenheit, die Jungen, das Mitarbeiter-Team und die Räumlichkeiten näher kennenzulernen. Dabei gab es auch kulinarische Entdeckungen: Die Jugendlichen hatten den halben Tag in der Küche verbracht, um traditionelle Spezialitäten aus ihrer Heimat für die Besucher zuzubereiten.

HNA-Verleger Dr. Dirk Ippen war begeistert zu sehen, was aus der Idee geworden ist, die er vor 14 Monaten noch auf dem Scheitelpunkt der Flüchtlingswelle mit angestoßen hatte. Über die Ippen-Stiftung unterstützt er die Einrichtung und insbesondere das umfangreiche Bildungsangebot der Partnerstiftung für die jugendlichen Flüchtlinge. Er sei nach dem Zweiten Weltkrieg selbst ein Flüchtlingskind gewesen, sagte Ippen. „Wir haben in Deutschland ein eigenartiges Talent, aus einer Chance ein Problem zu machen, auch damals schon“, so der 76-Jährige. „Junge Menschen, die in friedlicher Absicht zu uns kommen, sind eine Bereicherung für unser Land, wenn wir sie richtig integrieren.“

Dabei setzt die Roland-Berger-Stiftung vor allem auf Bildung. Neben dem normalen Schulalltag werden die Jugendlichen zusätzlich gefördert und mit der Kultur und dem Wertekanon in Deutschland vertraut gemacht. Das kommt offenbar gut an. Auf die Frage, was ihm an seinem neuen Zuhause am besten gefällt, sagte der 17-jährige Said aus Afghanistan: „Das Lernen nach der Schule hier.“

Nach den Osterferien öffnet die Berger-Stiftung die Bildungsangebote am Nachmittag auch für Jugendliche aus anderen Einrichtungen. www.rolandbergerstiftung.org

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