Jagdvereine informieren auf Frühjahrsausstellung

Einwanderer im Tierreich: Jagdvereine erklären, was geschossen werden darf 

Kassel. Auf der Kasseler Frühjahrsausstellung haben wir am Stand der Arbeitsgemeinschaft Jagdvereine Nordhessen mit zwei Jägern über invasive Tierarten gesprochen.

Viele heimische Wildtiere in Nordhessen sind bedroht. Neben der Zerstörung ihres Lebensraums durch den Menschen haben sie auch mit Konkurrenten aus dem ausländischen Tierreich zu kämpfen, die sie verdrängen. Invasive Tierarten nennt man diese eingeschleppten Arten, die sich auch in unserer Region breitgemacht haben.

Informieren an dem Stand der Arbeitsgemeinschaft Jagdvereine Nordhessen bei der Kasseler Frühjahrsausstellung über invasive Tierarten: (von links) Heinrich Klapp vom Kreisjagdverein Wolfhagen und Andreas Dinges vom Kreisjagdverein Hofgeismar.

An Stand 803 in Halle acht der Messehallen informiert die Arbeitsgemeinschaft Jagdvereine Nordhessen bei der Frühjahrsausstellung Kassel über diese invasiven Tierarten und gibt Einblicke in die Arbeit der Vereine. Wir haben mit den Jägern Andreas Dinges vom Jagdverein Hofgeismar und Heinrich Klapp vom Jagdverein Wolfhagen über die Einwanderer aus dem Tierreich gesprochen.

Fast schon ein Kasseläner: Der Waschbär. 

Der Waschbär

Der wohl bekannteste tierische Einwanderer in Nordhessen ist der Waschbär. Aus Nordamerika kam der Säuger in den 1930er-Jahren nach Deutschland. Zunächst in Waldgebieten gesichtet, sind die Tiere schon lange auch im Kasseler Stadtgebiet zu Hause, wo sie sich größtenteils von Abfällen ernähren. Die sehr anpassungsfähigen Tiere plünderten Nester von Vögeln und rissen auch junge Hasen, sagt Dinges. Sie verdrängten dadurch Konkurrenten wie Füchse, Marder und Dachse. In der Schonzeit, die noch bis zum Herbst geht, dürften sie nicht geschossen werden.

Hat es sich bei uns gemütlich gemacht: Ein Nutria – genannt Sumpfbiber – bei Wolfsburg. 

Das Nutria

Der kleine Pflanzenfresser verbreitet sich seit 1930 in Deutschland und der Region und stammt ursprünglich aus Südamerika. Das Nutria – auch bekannt als Sumpfbiber – wurde damals für die Pelztierzucht nach Deutschland eingeführt. Das Problem: Das Nutria höhlt Uferränder und Bahndämme aus, die dadurch instabil werden und einbrechen können, sagt Klapp. Deshalb dürften die Tiere in Deutschland gejagt werden. Fressfeinde des Nutria sind der Fuchs und die Wildkatze.

Kam aus Afrika zu uns: Die Nilgans. 

Die Nilgans

Wie bereits der Name verrät, kommt dieses Tier vom Nil. Die Nilgans wird seit 2010 in der Region gesichtet und hat keine natürlichen Fressfeinde, da sie diesen sehr aggressiv gegenübertritt. Genau das macht sie auch zu einem Problem: Sie vertreibt durch ihr radikales Revierverhalten die heimischen Wasservögel. „Durch ihre große Anpassungsfähigkeit kann sie fast überall nisten“, sagt Dinges. In Deutschland dürfe sie inzwischen gejagt werden und sei als verwertbares Wild eingestuft.

Seit 1960 bei uns: Der Marderhund (Enok).

Der Marderhund

Er wird auch Enok genannt und breitet sich seit 1960 bei uns aus. Ursprünglich kommt der Marderhund aus Asien und kam über Pelztierfarmen nach Deutschland. Er sei ein Allesfresser und bedrohe dadurch Bodenbrüter und sogenanntes Niederwild, sagt Dinges. Der Marderhund sei sehr furchtlos, weshalb er bereits in Städten zu sehen sei. Geschossen werden darf er nicht.

Die Arbeitsgemeinschaft, die rund 2700 Mitglieder in neun Jagdvereinen zählt, lädt am Sonntag an ihrem Stand von 10 bis 18 Uhr zu einer Greifvogelschau mit einem Falkner aus Haunetal. Ebenfalls am Sonntag spielt eine Jagdhornbläsergruppe ab 15 Uhr ein Konzert am Messehaupteingang.

Mit Anne-Michèle Woelbert

Rubriklistenbild: © dpa

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