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E-Gitarre mit gewissem Etwas: Kasseler baut Instrumente aus Stahlblech

Robin Stummvoll mit seinem Modell „Cosmo“ in seiner Werkstatt an der Landaustraße.
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Seine E-Gitarren sind „unerhört“: Robin Stummvoll fertigt in seiner Werkstatt in der Kasseler Südstadt den Korpus seiner Instrumente aus Stahlblech, den Hals aus heimischen Hölzern. Zwei

Der Kasseler Produktdesigner Robin Stummvoll baut E-Gitarren aus Stahlblech und in ungewöhnlichem Design. Wir haben ihn in seiner Werkstatt in der Südstadt besucht.

Kassel – Was ist aus Metall, hat leuchtende Farben, macht Töne – und manchmal richtig Krach? Wenn Sie jetzt nicht an eine E-Gitarre denken, ist das kein Wunder. Doch all das trifft auf die Instrumente zu, die Robin Stummvoll in seiner Werkstatt in der Kasseler Südstadt baut. Der 32-Jährige stellt elektrische Gitarren aus bislang „unerhörten“ Materialien und in außergewöhnlichem Design her:

Er setzt dabei für den Korpus auf Stahlblech. Hals, Brücke und Tonabnehmer fertigt er aus heimischen Hölzern.

Die erste Frage, die man ihm immer stelle, sei die nach dem Klang, sagt Stummvoll, der selbst seit seiner Jugend in einer Band spielt. „Die meisten Leute denken, eine Blechgitarre klingt blechern.“ Doch seine „Cosmo“, wie er das Modell getauft hat, klingt wie eine herkömmliche E-Gitarre. Ansonsten ist aber nichts an ihr gewöhnlich.

Auf der Suche nach der „minimalsten Gitarre“ war Stummvoll, als er vor gut drei Jahren für seine Abschlussarbeit an der Kasseler Kunsthochschule mit der Entwicklung begann. Zunächst hatte der gebürtige Ulmer mit Textilien für den Korpus experimentiert und verschiedene Stoffe über den verlängerten Gitarrenhals gelegt. Schließlich landete er beim Stahlblech, das er für seine Gitarren so biegt, dass es noch an ein aufgehängtes Tuch erinnert.

Die entstehende Form zitiert die Wölbung einer klassischen Gitarre und dient zugleich ergonomischen Ansprüchen – etwa, wenn man das Instrument auf dem Oberschenkel absetzen will. Eine Pulverbeschichtung in Farbtönen von Knallgelb über Blutorange bis Moosgrün sorgt für Glanz und Widerständigkeit der Oberfläche.

Der Einsatz von Metall führte den Produktdesigner auch zum Clou seiner Gitarre: dem beweglichen Tonabnehmer. Tonabnehmer – auch Pickups genannt – nehmen die Schwingungen der Saiten auf und wandeln sie in elektrische Signale um, die dann verstärkt werden. Bei handelsüblichen E-Gitarren ist der Tonabnehmer fest verbaut. Auf Stummvolls Instrumenten haftet das magnetische Teil von selbst auf dem Metallkorpus und lässt sich problemlos verschieben – mit interessanten Folgen für die Klangfarbe, Lautstärke und die Höhen und Tiefen der Töne. Auch ein Austausch der Tonabnehmer – oder die Nutzung mehrerer gleichzeitig – ist im Handumdrehen möglich.

Nach gut drei Jahren Entwicklungsarbeit verfolgt der Kasseler den Bau und Verkauf seiner Gitarren seit Anfang des Jahres hauptberuflich – unter dem Firmennamen „Verso Musical Instruments“. 16 Stück hat er bereits produziert. Mit Preisen von 1700 bis 2600 Euro seien seine E-Gitarren „nichts für Anfänger“, sagt Stummvoll. Dafür, dass es sich nicht um Massenware, sondern ein großteils in Handarbeit hergestelltes Produkt handele, sei der Preis aber vergleichsweise günstig.

Seiner Erfahrung nach interessieren sich für seine „Cosmo“ vor allem Musiker, die offen für Neues sind, gern mit dem Klang experimentieren und häufig selbst komponieren. Bei der Vermarktung setzt der Jungunternehmer bislang allein auf seine Webseite und das soziale Netzwerk Instagram. Damit erreicht er offensichtlich Gitarristen weltweit: Die meisten seiner Kunden kamen bisher aus den USA. Auch aus Kanada, Taiwan und Tasmanien hatte er schon Bestellungen.

Sogar Musiker, die Stummvoll selbst gern hört, wie der Brite „Puma blue“, interessieren sich schon für seine E-Gitarren. Gern würde der Kasseler auch mit Musikern aus der Region zusammenarbeiten. Und natürlich hätte er auch nichts dagegen, wenn prominente Bands seine Instrumente auf die Bühnen und in die Ohren der Welt bringen. Aber der 32-Jährige winkt gelassen ab: „Das ist alles Zukunftsmusik.“ Sein nächstes Etappenziel: Das Bassmodel fertigstellen, an dem er gerade tüftelt. (Katja Rudolph)

versoinstruments.com

Der Clou: Der magnetische Tonabnehmer haftet von selbst auf dem Metall und ist dadurch verschiebbar.

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