Neue Wohnungen werden gesucht 

Hausabriss an Kasseler Rembrandtstraße: Bauherr kommt Mietern entgegen

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Abriss: Die Häuser an der Rembrandtstraße (links) müssen für den Neubau weichen. Rechts auf dem Foto ist das Hochhaus am ehemaligen Versorgungsamt zu sehen. 

Im Konflikt um den Neubau im ehemaligen Versorgungsamt in Kassel zeichnen sich Lösungen ab. Das Wohnstadt-Regionalcenter will den von Kündigungen bedrohten Mietern Wohnungen suchen. 

„Wir treffen uns heute, um eine gemeinsame Haltung zu finden“, richtete sich die Ortsvorsteherin der Südstadt, Kerstin Saric (Grüne), am Dienstag an die anderen Ortsbeiratsmitglieder während einer außerordentlichen Sitzung.

Nach Wochen großer Unruhe, Aufgeregtheit und auch Verzweiflung im Stadtteil scheint jetzt ein wenig Ruhe in die Angelegenheit Bebauung ehemaliges Versorgungsamt zu kommen. Zur Vorgeschichte: Nachdem der Bauherr, die Nassauische Heimstätte/Wohnstadt, – für viele überraschend – angekündigt hatte, für den Neubau an der Frankfurter Straße 84 außerdem ihre angrenzenden Miethäuser an der Rembrandtstraße 7 bis 17 abzureißen, schlugen die Wogen hoch. Zur Ortsbeiratssitzung Anfang Mai kamen 150 aufgebrachte Menschen, zum großen Teil Mieter, und brachten ihren Protest zum Ausdruck.

Nachdem die Nassauische Heimstätte/Wohnstadt zunächst recht rabiat vorgegangen war und laut Mieterin Bettina von Klopmann, den Bewohnern mit Kündigungen gedroht hatte, besserte sie Anfang Mai in Sachen Kommunikation und Sozialverträglichkeit nach.

Demnach werde den verbliebenen 35 Mietparteien – in den zurückliegenden Monaten waren leer gewordene Wohnungen nicht mehr vermietet worden – stark entgegengekommen, sagte Jürgen Bluhm, Leiter des Wohnstadt-Regionalcenters Kassel: „Wir kümmern uns um die betroffenen Mieter“, versprach er. Er stellte sich während der jüngsten Ortsbeiratssitzung erneut Fragen und Kritik.

Mieter beim Umzug begleitet

Niemandem werde gekündigt, versicherte er, man arbeite an „einvernehmlichen Aufkündigungen der Mietverträge“. Für die Mieter würden Wohnungen im Umfeld, auf Wunsch auch anderswo in Häusern der Wohnstadt, gesucht. Sie würden begleitet, ihr Umzug werde organisiert und auch den Bestand des Mietpreises von rund 6,50 Euro pro Quadratmeter garantiere er. „Es läuft also alles auf einen Abriss der Häuser hinaus“, resümierte Saric. Deshalb gehe es darum, eine „vernünftige Lösung für die Mieter“ zu finden. 

Wir berichteten bereits über den Fall in der Südstadt.

Werde sich die Wohnungsbaugesellschaft gegenüber den Mietern so korrekt verhalten wie von Bluhm vorgetragen, „kann was Gutes daraus werden“, so Saric. Entsprechend äußerten die Stadtteilvertreter auch den Beschluss, dass der Ortsbeirat Südstadt das Vorhaben der Wohnstadt, auf dem Gelände Frankfurter Straße 84 für neuen und bezahlbaren Wohnraum zu sorgen, grundsätzlich begrüße.

Dennoch seien Magistrat und Wohnstadt aufgefordert, „alle Möglichkeiten zum Erhalt der Häuser zu prüfen und sich für den Erhalt dieser Häuser einzusetzen“. In Zeiten von Wohnungsknappheit und steigender Mietpreise sollte mit dem Abriss bezahlbaren Wohnraums sensibel umgegangen werden, so die Ortsbeiratsmitglieder in ihrem einstimmig gefassten Beschluss.

Sollten sich aber alle Gremien für einen Neubau aussprechen, fordere der Ortsbeirat „im Interesse der zum Teil langjährigen Bewohner, dass allen, denen die nachbarschaftliche Anbindung an dieses Quartier wichtig ist, angemessene Wohnungen in unmittelbarer Nähe im gleichen Preissegment angeboten werden“.

Zur Bebauung des Hauses Frankfurter Straße 84 erinnert der Ortsbeirat an seinen Wunsch, dort Bürgerräume einzurichten. Die von der Wohnstadt vorgetragenen Angebote für Mieter wurden vom Ortsbeirat noch einmal festgeschrieben: Bei Wohnungswechsel sollte der Mietpreis unverändert bleiben und anfallende Umzugskosten von der Wohnstadt übernommen werden.

Investition von 106 Millionen Euro 

Die Nassauische Heimstätte / Wohnstadt hat die Immobilie Versorgungsamt an der Frankfurter Straße gekauft, um dort 2022 mit dem Bau von 335 Wohnungen zu beginnen. Sie investiert 106 Millionen Euro und bereitet einen Architektenwettbewerb vor. Ein Beteiligungsprojekt für Bürger soll bald starten.

Die Häuser an der Rembrandtstraße 7-17 sollen für den Neubau an der Frankfurter Straße 84 abgerissen werden.

Um diesen Bereich in der Rembrandtstraße geht es: 

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