Bäume sind krank

200 Jahre alte Blutbuchen in der Karlsaue müssen gefällt werden

Kassel. Baumpfleger Karsten Heyn legt seine Handfläche auf die schrundige Rinde der 200 Jahre alten Blutbuche. Es ist eine respektvolle Abschiedsgeste, bevor der 30 Meter hohe Baum mit einem Stammdurchmesser von 1,50 Meter gefällt wird.

In den vergangenen Jahren haben Holz zersetzende Pilze die Vitalität und vor allem die Standfestigkeit des Baums und seines direkt daneben stehenden Partnerbaums angegriffen. Aus Verkehrssicherheitsgründen müssen jetzt die beiden Bäume, die seit Jahrhunderten auf einer Heuwiese am Wegesrand nahe des Hirschgrabens in der Karlsaue stehen, gefällt werden. Ursprünglich war es sogar eine Dreier-Gruppe. Vor Jahren hatte ein Sturm bereits einen Baum abgebrochen.

Schaden: Thomas Huck zeigt Teile des schwarzen Brandkrustenpilzes, der die Bäume im Wurzelbereich stark geschädigt hat.

Am Montag wurde die erste, am Dienstag wird die zweite Blutbuche (Fagus sylvatica Artroprunicea) abgesägt. „Das tut uns auch sehr leid“, sagt Thomas Huck, zertifizierter Baum-Kontrolleur bei der Museumslandschaft HessenKassel. „Wir haben alles nur Erdenkliche unternommen, um die Bäume zu erhalten.“ Bereits 2013 war ein Baumgutachten erstellt worden, welches ergab, dass die Verkehrssicherheit der Blutbuchen nicht mehr gegeben ist. Die beiden Bäume wurden daraufhin mit zwei Kronensicherungen verseilt. Jetzt aber war der Stamm eines Baumes angebrochen, der nun nur noch über die Verseilung gehalten wird.

Seit einiger Zeit sind am Stammfuß der Blutbuchen Holz zersetzende Pilze (Brandkrustenpilz und Lackporling) am Werk. „Seit längerem beobachten wir die stark abnehmende Vitalität der Bäume“, sagt Huck. In diesem Jahr war sie „extrem auffällig“. Jetzt wurden an beiden Bäumen Bohrwiederstandmessungen mit einem so genannten „Resistographen“ vorgenommen, erklärt Huck. Dadurch habe man Aufschluss über die Restwandstärke beziehungsweise die inzwischen dramatische Höhlung im Stamm erhalten. „Das Ergebnis ergab, dass die Standsicherheit ungenügend ist.“ Da die Bäume umzustürzen drohten, habe man sich entschieden, sie zu fällen.

Ein Baum fiel am Montag, der zweite wird am Dienstag - teilweise in Seilklettertechnik - abgetragen, „um die Wiese möglichst vor Flurschäden zu bewahren“. Im Herbst sollen hier wieder drei junge, gesunde Blutbuchen nachgepflanzt werden, so Huck.

Rubriklistenbild: © Koch

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