MHK und Anwohner beklagen hygienische Probleme

Kleine Fulda, großer Gestank: Kloake strömt nach Starkregen in Aue

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Klopapier klebt am Brückengeländer: So war es nach dem Starkregen an allen Brücken der Kleinen Fulda zu beobachten.

Kassel. Nicht nur den Anwohnern stinkt es gewaltig: Immer wenn es in Kassel stärker regnet, schwemmt die Kleine Fulda den Inhalt der Kanalisation durch die Karlsaue.

So säumten nach den jüngsten Regenfällen wieder Klopapierfetzen, Damenbinden und Klärschlamm den Uferbereich des Drusel-Unterlaufes, der im Volksmund Kleine Fulda genannt wird. Nach Auskunft von Michael Boßdorf, Leiter der Gärten der Museumslandschaft Hessen-Kassel (MHK), kommt dies fünf bis zehn Mal jährlich vor.

Gregor Czisch, der im benachbarten Philosophenweg wohnt, beobachtet das eklige Schauspiel seit vielen Jahren. Mit seiner Kamera hat er die jüngsten Folgen des Starkregens dokumentiert. „Das stinkt nicht nur, das ist auch eine Hygienefrage“, sagt Czich. Viele Kinder spielten im Uferbereich und Familien ließen sich dort zum Picknick nieder. Insofern bestehe das Risiko einer Infektion.

Bis zu zehnmal pro Jahr

Klettern zwischen Klopapier: Die gräulichen Fetzen im Uferbereich der Kleinen Fulda sind aufgeweichtes Klopapier. Auch Damenbinden, Tampons und anderer Unrat wurde angeschwemmt.

Aber wie kommt es überhaupt dazu, dass sich der Inhalt der Kanalisation in der Aue ergießt? Eine Antwort liefert Karsten Köhler, Sprecher von Kasselwasser: Nach starken Regenfällen sei es nicht möglich, die komplette Abwassermenge der Kläranlage zuzuleiten. Deshalb sei am Weinberg das Regenüberlaufbecken gebaut worden, das „wie ein Überdruckventil“ funktioniere. 

Ist dessen Kapazitätsgrenze von 5000 Kubikmetern erreicht, fließt das Wasser – samt Kanalinhalt – in die Kleine Fulda. Es handele sich aber überwiegend um Regenwasser. Während der Kasselwassersprecher darauf verweist, dass nur etwa alle zehn Jahre Regenfälle wie vergangene Woche Donnerstag zu solchen Effekten führten, sprechen der MHK-Gartenleiter Boßdorf und auch der Anwohner Czich von fünf bis zehn Mal pro Jahr.

„Das Problem besteht seit Jahrzehnten und wurde durch den Bau des Regenüberlaufbeckens nur unwesentlich entschärft“, sagt Boßdorf. Möglicherweise sei dies zu klein geplant gewesen, zumal es zuletzt immer häufiger Starkregen gab. Für die Reinigung der Uferbereiche sei Kasselwasser zuständig.

Uferbereich wird inzwischen häufiger gereinigt

Anfang dieser Woche hatte Kasselwasser ein Großteil der Spuren durch eine Reinigungsfirma beseitigen lassen. Die unzähligen Klopapierfetzen, die den Uferbereich säumen, zeugen aber noch vom Ereignis und lassen sich wohl auch kaum entfernen. Zumindest sämtliche Brückengeländer, in denen sich das Klopapier verfangen hatte, wurden gesäubert. 

Nach Auskunft von Kasselwasser werden die Uferbereiche in den gewitterreichen Sommermonaten inzwischen häufiger gereinigt. „Alle 42 Entlastungsbauwerke im Stadtgebiet werden ab sofort nach solchen Starkregenereignissen unverzüglich abgefahren, um mögliche Verunreinigungen noch schneller beseitigen zu können“, sagt Sprecher Köhler.

Hier läuft die Kleine Fulda in die echte Fulda.

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