Verein sucht neuen Spielort für den Winter

Kassels Boule-Fans werden heimatlos: Bahn hat Lokhalle gekündigt

Kasseler Boule-Verein „Rumkugler“ spielt vor der Orangerie, vorn Clubpräsident Joachim Groger, hinten von links Vizepräsidentin Claudia Velke, Kurt Wacher, Ole Leickel
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Fast täglich trifft sich Kassels Boule-Szene an der Orangerie: Klubpräsident Joachim Groger vom Boule-Verein „Rumkugler“ (vorn), Vizepräsidentin Claudia Velke (hinten von links) sowie Kurt Wacher und Ole Leickel finden dort nachmittags immer weitere Fans des Kugelsports, ohne sich extra zu verabreden.

Im Sommer treffen sich Boule-Spieler vor der Orangerie in Kassel. Für die Wintermonate fehlt ihnen ein Platz zum Spielen und trainieren: Ihr Domizil in einer alten Lokhalle darf nicht mehr genutzt werden.

Kassel – Kassels Boulespieler sind eine gesellige Truppe. An diesen schönen Sommertagen treffen sich viele Freunde des französischen Kugelsports fast jeden Nachmittag an der Orangerie. Jeder kann zwanglos mitmachen, doch darüber hinaus betreiben viele der stadtweit rund 150 Boule-Fans ihren Sport mit höheren Ambitionen: Sechs Kasseler Teams sind in der Hessenliga gemeldet. Nicht nur sie, sondern alle Boule-Freunde leiden darunter, dass ihnen künftig während der kalten Jahreszeit die Spiel- und Trainingsmöglichkeiten fehlen.

Ihren bisherigen Spielort für die Zeit von November bis März haben sie von der Deutschen Bahn zum nächsten Monatswechsel gekündigt bekommen. Er befand sich in einer alten Lokomotiven-Ausbesserungshalle mitten im Kasseler Gleisdreieck. Weil der weitläufige, verwunschen gelegene Hallenkomplex baufällig ist, darf aus Sicherheitsgründen niemand mehr hinein. „Ein ganz herber Rückschlag für uns“, sagt Präsident Joachim Groger vom Boule-Verein „Rumkugler“, der 80 Mitglieder zählt.

Steht nicht mehr zur Verfügung: Ihr Winterdomizil in einer alten Lok-Ausbesserungshalle hatten sich die Boule-Freunde mit viel Eigenleistung hergerichtet.

Seit neun Jahren sind die Rumkugler dort Mieter und haben viel Eigenleistung in ihr Winterquartier gesteckt. Die mit Feinschotter hergerichteten Spielfelder in dem Industriedenkmal waren für alle Boule-Fans offen, rund um die Woche klackerten dort ab 17 Uhr die Kugeln. Auch Stadtmeisterschaften und diverse Turniere wurden regelmäßig in der alten Lokhalle ausgetragen.

Jetzt ist damit Schluss, wenn keine andere Lösung gefunden wird. „Wie in vielen Liegenschaften der Bahn ist dort über viele Jahre nichts unterhalten worden“, sagt Groger, der als Architekt aus berufenem Munde spricht. Was dem Verein mit seinen begrenzten Finanzmitteln entgegenkam: Für die Nutzung der heruntergekommenen Backsteinhalle war die Bahn mit einer Jahresmiete von 1340 Euro zufrieden.

Wegen Einsturzgefahr gesperrt: Nur Eingeweihte finden den Weg zu dem Backsteinhallen-Komplex im Niemandsland des Kasseler Gleisdreiecks.

Das umreißt das Problem, das die Boule-Freude bei der Suche nach einem neuen Winterdomizil haben: Für eine Halle mit den benötigten fünf Metern Mindesthöhe (wegen hoch geworfener Kugeln) wird in der Regel eine weit höhere Gewerbemiete verlangt, da Firmen als Nutzer dies auch erwirtschaften können. Aus ihren schmalen Mitgliedsbeiträgen können sich die Rumkugler dies aber nicht leisten, erklärt Groger. „Uns würde schon eine Scheune reichen“, sagt Vizepräsidentin Claudie Velke. Aber auch Scheunen seien meist lukrativer als Wohnmobil-Einstellplätze vermietet.

Groger und Velke hoffen, einen Hallen-Eigentümer mit Sympathie für den Boulesport als neuen Vermieter zu finden. Es müssten vier Spielfelder von je vier mal zwölf Metern Größe hineinpassen. „Alles kann sehr einfach sein; wichtig ist, dass es bezahlbar bleibt“, sagt Groger, dessen Boule-Verein derzeit im Aufnahmeverfahren in den Landessportbund Hessen steht.

In Südhessen, wohin die Kasseler regelmäßig zu Ligaspielen fahren, gibt es nach Angaben des Klubpräsidenten ein dichtes Netz von überdachten Boulodromes, wo sich die Fans des Kugelsports jahreszeitunabhängig treffen können. Wenn aber für Kassel keine Möglichkeit gefunden werde, „dann stehen wir im nächsten Winter auf der Straße“, fürchtet Groger. (Axel Schwarz)

Kontakt: vorstand@rumkugler.de

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