Lagerhalle brannte

Feuer verwüstete Kasseler Feinkosthandel: Da Cocca will im November wieder öffnen

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Feinarbeit: Kunstmaler László Horváth setzt die von Ruß beschädigten Wandmalereien instand.

Ende Mai hat ein Feuer den italienischen Feinkosthandel "Da Cocca" in Kassel zerstört. Jetzt wird der Laden saniert und soll neu eröffnet werden.

Die italienische Markthalle in der Südstadt wird gerade gründlich saniert und soll neu eingerichtet werden - mit einem größeren Feinkostangebot für Privatkunden und mehr Sitzmöglichkeiten für den Verzehr vor Ort.

Kleine Ursache, große Verwüstung beim italienischen Feinkosthandel „Da Cocca“ in der Südstadt nahe dem Hotel La Strada: Ende Mai hatte ein Schwelbrand die Markthalle und sämtliche Warenbestände unbrauchbar gemacht. Der Familienbetrieb stand vor einem kompletten Neuanfang, hat sich aber nicht unterkriegen lassen. Für Mitte November ist die Wiedereröffnung angepeilt – mit einem vergrößerten Feinkostbereich für Privatkunden und Vor-Ort-Genießer.

Kassel: Noch ist das "Da Cocca" eine Baustelle

Noch ist die 600 Quadratmeter große Halle eine Baustelle. Handwerker verlegen Bodenfliesen, die wie aus einer alten südländischen Kirche wirken, während Kunstmaler László Horváth die Cocca-typischen Wandgemälde mit italienischen Dorf- und Landschaftsszenen restauriert.

Zwangspause seit Ende Mai: Ein Schwelbrand hatte das Innere der italienischen Markthalle verwüstet.

Die schwarze Rußschmiere, die sich auf alle Wände gelegt hatte, ist zuvor mit einem Spezialverfahren abgetragen worden, berichtet Silvana Kemal, die Tochter von Firmengründer Angelo Cocca: „Das sah hier aus, als wäre der Vesuv ausgebrochen“.

Den 25. Mai dieses Jahres wird sie wohl nie vergessen. Mitten in der Nacht bekam Silvana Kemal einen Anruf von einer Anwohnerin, die Rauch wahrgenommen hatte. Sie eilte zur Halle, von außen war erst mal nichts zu sehen. Beim Spähen durch die Scheiben aber auch innen nicht: „Da war alles schwarz von dichtem Rauch.“

Schaden am Feinkostladen liegen höher als gedacht

Während die Feuerwehr ihre Arbeit machte, stand Silvana Kemal erst mal alleine da mit der Katastrophe: Vater Angelo war auf einer Weinmesse in Apulien, Ehemann Ferhad ebenfalls auf Reisen. Wie sich später herausstellte, hatte ein Elektro-Defekt an einem Kühlgerät einen Schwelbrand verursacht, der sich durch Kartonpappen und Plastikfolien fortfraß und jede Menge Rauch und Ruß produzierte – alles Gift für die Lebensmittel, die bei Cocca gehandelt werden.

Die Renovierung läuft auf Hochtouren: Von links die Inhaber Silvana Kemal, ihr Vater Angelo Cocca und Schwiegersohn Ferhad Kemal.

Der Schaden liegt laut Silvana Kemal weit höher als jene 400.000 Euro, die allein für Waren- und Inventarverluste zu veranschlagen seien. Die Arbeiten am Gebäude selbst, der Verdienstausfall und viele weitere durch den Brand verursachten Kosten kämen hinzu. Der Gesamtaufwand lasse sich noch nicht beziffern, der Betrieb sei aber versichert.

Für ihre nordhessenweit etwa 150 Gastronomie-Kunden hat die Firma provisorisch eine direkte Belieferung durch die Warenerzeuger organisiert – neben den Bauarbeiten und der Schadensabwicklung. „Seit Mai dauern meine Arbeitstage zwölf bis 14 Stunden“, sagt die Mitinhaberin.

Mehr Marktfläche im "Da Cocca" in Kassel

Es seien vier Sattelzüge voller Lebensmittel und Wein gewesen, die ein Brandschaden-Aufkäufer aus Hamburg der Firma abgenommen habe. Die Ware werde dort gereinigt, auf Schadstoffe und Verderblichkeit geprüft und ermittelt, was noch verwendet werden kann. Die Coccas selbst wollen mit diesen Produkten kein Risiko eingehen: Allein rund 15.000 Weinflaschen gaben sie weg, weil unklar ist, inwieweit sie unter der Hitze gelitten haben.

In den erneuerten Räumlichkeiten werde künftig nicht mehr so viel Lagerware für den Großhandel vorgehalten, sagt Angelo Cocca. Dafür werde es mehr Marktfläche für private Feinkost-Kunden und auch deutlich mehr Sitzgelegenheiten geben.

Wechselnde kleine Mittagsgerichte ohne Speisekarte und allerlei weitere Köstlichkeiten zum direkten Verzehr beim Einkauf – dies will Cocca seiner Kundschaft auch weiterhin bieten. „Aber die Gerüchte, dass wir jetzt ein Restaurant aufmachen, sind nicht richtig“, betont der 70-jährige Genuss-Pionier.

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