Kunstwerk erinnerte auch an Walter Lübcke und Halit Yozgat

Anti-Rassismus-Kunstwerk in Kassel zerstört - Waren es Nazis?

Beschmiertes Antirassismus-Kunstwerk beim Alternativen Rundgang der Kunsthochschule Kassel
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Nach der Attacke: Unbekannte schwärzten das Wort „Rassisten“ und Infos zum Fall der mutmaßlich rassistischen Attacke auf einen Minicar-Fahrer. Die Studenten übermalten die Schwärzung danach zum Teil in leuchtendem Pink.

Ein Werk gegen Rassismus der Kunsthochschule Kassel wurde beschmiert und beschädigt. Der Verdacht fällt auf die Nazi-Szene.

  • Studenten der Kunsthochschule Kassel fertigen antirassistisches Kunstwerk an
  • Plakat wurde nach nur drei Tagen beschmiert
  • Täter werden im Nazi-Spektrum vermutet

Kassel - Mit einem Plakat an der Kunsthochschule Kassel protestierten Studenten gegen Rassismus und Nazi-Gewalt. Doch dann wurde das Kunstwerk zerstört. Haben Neonazis das Plakat über Nacht beschmiert?

Für Tristan Marie Biallas, Susanne Tesche und David von der Stein ist es besorgniserregend, was vorige Woche an der Kunsthochschule passierte. Die drei Kunststudenten hatten den Alternativen Rundgang mitorganisiert, zu dem auch ein antirassistisches Kunstwerk gehörte. Doch das wurde in der Nacht auf Freitag zerstört. „Wir sind entsetzt, dass dieses Zeichnen gegen Rassismus keine drei Tage unbeschadet blieb“, schreibt das Trio in einer Mail, die mit „Angesichts der momentanen Situation“ überschrieben ist.

Nazi-Schmierereien in Kassel: Studentisches Kollektiv will sich nicht äußern

Ein fünfköpfiges Künstlerkollektiv hatte das Anti-Nazi-Plakat am Dienstag am Eingang der Hochschule in Kassel in der Menzelstraße angebracht. Fotos dokumentierten die Demonstration für den Minicar-Fahrer Bekir Efe, der in der Nacht zum 21. Juni von einem Fahrgast als „scheiß Ausländer“ beschimpft und mit einem Messer schwer verletzt worden war. Zudem erinnerte das Plakat an den ermordeten Regierungspräsidenten Walter Lübcke und den vom NSU erschossenen Halit Yozgat. Dazu der Satz: „Eine Stadt ist dann schön, wenn es keine Rassisten gibt!“

Das Wort „Rassisten“ wurde in der Nacht zu Freitag mit schwarzer Farbe übermalt – ebenso der Text, in dem auf eine Spendenkampagne für den Minicar-Fahrer hingewiesen wurde, sowie weitere Inhalte. Für Biallas ist das „eine gezielte Beschmierung. Wir gehen von einem rassistischen Hintergrund aus. Es zeigt einmal mehr, wie unglaublich gut vernetzte Strukturen die Rechten in der Stadt haben.“

Nazi-Schmierereien in Kassel: Kunsthochschule hat Anzeige erstattet

Das studentische Kollektiv aus Kassel, das für das 4,5 mal 2,5 Meter große Anti-Rassismus-Kunstwerk verantwortlich ist, will sich in der Öffentlichkeit nicht äußern. Dafür interpretieren die Organisatoren des jährlichen Ausstellungsrundgangs die Tat. In ihrer Mail heißt es: „Wer das Plakat beschmiert hat, wollte offenbar verhindern, dass Efe Unterstützung erfährt und der Anschlag auf ihn zusammen mit rechter Vernetzung in der Region besprochen wird.“

Die Kunsthochschule hat unterdessen Anzeige gestellt, die Polizei ermittelt wegen des „Verdachts der politisch motivierten Sachbeschädigung“, wie es ein Sprecher formuliert. Allerdings haben die Beamten bislang noch keine Hinweise auf den oder die Täter. Es ist nicht klar ob die Tat einen Nazi-Hintergrund hat.

Nazi-Schmierereien in Kassel: Poster wieder repariert

Das Anti-Rassismus-Plakat ist mittlerweile bunter als zuvor. Die Kunststudenten haben das geschwärzte Wort „Rassisten“ in leuchtendem Pink übermalt. Nur der Hinweis auf den Fall des Minicar-Fahrers Bekir Efe in Kassel fehlt nach wie vor. Die Druckerei habe jedoch angeboten, das Anti-Nazi-Plakat noch einmal neu zu drucken, sagt Biallas. So oder so: Das Kunstwerk soll auch in den kommenden Wochen am Eingang der Kunsthochschule hängen – nun als doppeltes Zeichen gegen Rassismus und rechte Gewalt.

Hinweise: Die Polizei sucht Zeugen, denen zwischen Donnerstag, 18 Uhr, und Freitag, 9.30 Uhr, etwas Verdächtiges aufgefallen ist. Hinweise unter 0561/9100. (Matthias Lohr)

Nazi-Szene in Kassel

Christopher Vogel ist Teil des Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Im Interview spricht der Experte über den Fall Lübcke und die Nazi-Szene in Kassel und Hessen.

Bei den Corona-Protesten in Kassel gibt es einige Nazi-Vergleiche: Politologe sieht darin eine Grenzüberschreitung

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