Gemeinschaftliches Wohnprojekt entsteht in der Heckerstraße

Sieben Parteien und ein Baby: Neues Generationenhaus in der Südstadt

+
Sie wollen es gemeinsam wagen: Elisabeth Fehr, Cornelia Kreth und Mechthild von Lutzau mit Joos (von links) auf dem Arm.

In der Südstadt von Kassel entsteht ein neues Mehrgenerationenhaus. Hier sollen junge und ältere Menschen zusammenleben.

  • Neues Mehrgenerationenhaus in Kassel
  • Ab 2021 in der Südstadt
  • Sieben Parteien unter zwei Dächern

Kassel – Den jüngsten Bewohner und die älteste Bewohnerin trennen 80 Jahre: An der Heckerstraße/ Ecke Franz-Hals-Straße in Kassel entsteht unter dem Namen „Gemeinsam leben in der Südstadt“ ein Mehrgenerationenhaus. Es wird im Gartengrundstück des ehemaligen Pförtnerhauses des Lazaretts gebaut, das kürzlich aufgestockt wurde. In Alt- und Neubau sollen ab 2021 insgesamt sieben Wohnparteien zusammen unter zwei Dächern leben.

Mehrgenerationenhaus in Kassel: Menschen sollen sich Eigentum teilen

Mechthild von Lutzau begleitet der Gedanke, sich mit anderen Menschen Eigentum zu teilen, schon lange. Vor 40 Jahren kaufte sie als alleinerziehende Mutter das Pförtnerhaus aus dem Baujahr 1896 und teilte es sich eine ganze Weile mit einer weiteren Frau und deren Kind. Der Altbau ist das letzte Überbleibsel des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Lazaretts. „Ich wollte nie alleine leben. Ich will gemeinsam was erleben“, sagt die 80-Jährige.

Die Jahre vergingen, die Kinder zogen aus. Schließlich kam von Lutzau mit Wolfgang und Barbara Bahr in Kontakt, die beide schon Erfahrungen mit gemeinschaftlichen Wohnprojekten hatten.

Mehrgenerationenhaus in Kassel: Die Entstehung einer Idee

So entstand die Idee, in dem Altbau und auf dem angrenzenden Gartengrundstück ein solches Wohnprojekt zu realiseren. Es wurden Mitstreiter gefunden, die ebenfalls Teil dieser Idee werden wollen und sich auch finanziell an der Investition beteiligen: Darunter sind Rentner und Berufstätige, Paare und Alleinstehende. Eine junge Familie mit Baby ist bereits als Mieter im Altbau eingezogen.

Inzwischen wurden für den geplanten Neubau vom Architekten Christoph Harney auch Baupläne erarbeitet und die Aufträge vergeben. Durch Corona wurde der Baustart nun aber auf Anfang Juli verschoben.

Mehrgenerationenhaus in Kassel: Gemeinschaftsfläche

In dem dreigeschossigen Neubau wird es eine Gemeinschaftsfläche geben. Zudem sind alle Wohnungen barrierefrei und haben alle bereits ein Extra-Zimmer mit Bad, in dem künftig beispielsweise eine Pflegekraft leben könnte. „Wir Alten wollen uns auf keinen Fall von den jungen Bewohnern pflegen lassen“, stellt von Lutzau klar. Weil sie aus ihrer eigenen Jugend noch negative WG-Erfahrungen hat, hält sie eine regelmäßige Supervision der Bewohner für unverzichtbar. „Sicherlich verstehen wir uns bis jetzt alle gut, aber es wird Konflikte geben“, sagt sie.

Mitbewohnerin Cornelia Kreth stellt klar: „Hier hat jeder seine Freiräume. Nichts muss, alles kann. Niemand wird zu etwas gezwungen.“

Eine freie Wohnung gibt es noch in dem Wohnprojekt. Für die 86 Quadratmeter große Wohnung werden noch Interessenten gesucht, die auch bereit sind, sich an der Finanzierung zu beteiligen.

„Das läuft hier wie bei einem klassischen WG-Casting“, erzählt Marvin Madeheim, der mit seiner dreiköpfigen Familie erst kürzlich zu dem Projekt dazugestoßen ist. „Wir haben uns wegen der familiären Sozialstruktur für diese Wohnform entschieden“, sagt Madeheim. Die eigenen Familien lebten weit weg und auf diesem Weg bekomme sein Sohn Kontakt mit anderen Generationen. Dies sei nur gut.

Kontakt:Mail aninfo.gemeinsamleben@gmail.com

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.