Paartanz mit Wurzeln in Afrika

Kassel tanzt Kizomba: 400 Teilnehmer bei Gala in Orangerie

Kassel. Ein heißer Tanztrend mit Wurzeln in Afrika erobert auch Nordhessen. Mehr als 400 Kizomba-Fans aus ganz Deutschland und Europa pilgerten am Wochenende in die Orangerie in Kassel.

Dort fand zum dritten Mal eine Kizomba-Weihnachtsgala statt.

Kizomba hat nichts mit dem Fitnesssport Zumba zu tun und ist auch etwas anderes als Samba. Es handelt sich um einen Paartanz, der ursprünglich aus Angola stammt und seit einigen Jahren die Tanzszene in Europa aufmischt. „Am ehesten ist Kizomba mit Tango vergleichbar – aber auf Modern“, sagt Sabine Kolle. Die 39-Jährige aus Hofgeismar ist Kizomba-Pionierin in der Region und hat das dreitägige Tanz-Event in Kassel organisiert. Tagsüber finden Workshops statt, am Abend steigt die große Tanzparty, die bis in die frühen Morgenstunden geht.

Sabine Kolle mit ihrem Tanzpartner Stone's

Sinnlich, gefühlvoll und ausdrucksstark sei Kizomba, sagt Sabine Kolle. Wenn sie in Leggings und bauchfreiem Top mit einem weichen Hüftschwung nur die Grundschritte vorführt, ist klar, was sie meint.

Im Kurs von Trainer Hugo Borges aus Luxemburg üben fortgeschrittene Tanzpaare die „Lifts“ – also das Heben der Dame. Unterrichtssprache ist Englisch. Die Teilnehmer sind international, die Stimmung familiär. Nach jeder Übung werden die Tanzpartner gewechselt. „Damit man sich nicht zu sehr aufeinander einspielt und sich Fehler einnisten“, sagt Sabine Kolle.

Teilnehmerin Jasone Olloqui ist Spanierin und hat früher Salsa getanzt – bis sie in Hannover Kizomba kennenlernte. „Für mich hat es viel mit Gefühl zu tun und mit Energie“, sagt die 33-Jährige. Kizomba sei für sie Tanz und zugleich Meditation. „Wenn man den richtigen Partner hat, ist es unglaublich“, schwärmt sie.

Auch Andreas Nolte aus Bielefeld ist vom Kizomba-Fieber infiziert. Ihm gefällt die Vielfalt der Musik. „Dadurch ist auch jeder Tanz einzigartig.“ Für den 32-Jährigen ist der Tanz auch ein Stück Innenschau: „Man ist dabei viel intensiver, was einen bewegt: Wenn ich traurig bin, tanze ich anders als wenn ich glücklich bin.“ Mit seiner Tanzpartnerin Chiara Aulke aus Kassel stimmt die Chemie: Eng aneinander geschmiegt tanzen sie mit geschlossenen Augen zur langsamen Musik.

Kizomba-Trainer „Stone’s“ aus Bremen ist es wichtig mit einem Vorurteil aufzuräumen: „Der Kontakt ist nicht hier“, sagt er und zeigt auf die Lendengegend, „sondern hier“ und deutete auf den Oberkörper. „Ich bin Afrikaner und möchte, dass die Leute das verstehen“. Im Internet finde man leider immer wieder fragwürdige Videos, mit denen Kizomba in eine falsche Ecke gestellt werde.

Stichwort: Kizomba

Kizomba ist der Name sowohl für eine Musikrichtung als auch einen Paartanz, der sich in den späten 1980er-Jahren in Angola entwickelte. Das Wort Kizomba bedeutet „Fest, Spielerei, Tanz, Unterhaltung“ . Von Angola, ehemalige portugiesische Kolonie, schwappte der Tanz nach Portugal und so nach Europa. Hier ist Kizomba vor allem auf der iberischen Halbinsel, in Frankreich und den Beneluxländern populär.


www.kizombakassel.com

Rubriklistenbild: © Schachtschneider

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