Teppiche seit einem halben Jahrhundert

Kibek seit 50 Jahren in Kassel: Größerer Standort wird gesucht

Mieter im Möbelhaus Schaumann: Die Kasseler Kibek-Filiale liegt gegenüber vom Dez an der Credéstraße.

Als das Teppichhandelsunternehmen Kibek vor 50 Jahren mit einer Filiale nach Kassel kam, wehte ein Hauch von Orient in nordhessischen Haushalten, die etwas auf sich hielten.

Ein echter Perser oder ein fein geknüpfter indischer Teppich in der guten Stube gehörte einfach dazu bei allen, die in der ausgehenden Wirtschaftswunderzeit ihren Wohlstand zeigen wollten. So ein exotisches Prachtstück war eine Anschaffung auf Jahrzehnte und durfte auch ein gewisses Sümmchen kosten.

Daran wollte der Elmshorner Filialist Kibek mitverdienen und siedelte sich 1969 an der Kasseler Treppenstraße an. „Damals galt das Konzept: Alle Filialen in die Innenstädte, weil dort die Laufkundschaft ist“, sagt der heutige Filialleiter Michael Vogel. Noch bis in die 1980er-Jahre hinein habe es in Kassels Zentrum mehr als ein halbes Dutzend Teppichfachgeschäfte gegeben. Bekannte Namen wie Haghani, Münstermann – alle nicht mehr da. „Aber Kibek gibt es noch“, sagt Vogel.

Aber auch sein Haus ist längst an die Peripherie umgezogen, wo es mehr Fläche und Kundenparkplätze gibt. Als der Möbelhändler Schaumann 1991 einen Neubau nahe dem Einkaufszentrum Dez in Niederzwehren errichtete, zog Kibek dort mit ein. Auf 2000 Quadratmetern Fläche werden dort pro Jahr laut Vogel etwa 14.000 Artikel vom kleinen Läufer bis zum Großteppich verkauft und rund 1,6 Millionen Euro Jahresumsatz gemacht.

Gegenüber der Anfangszeit habe sich der Kundengeschmack stark verändert, berichtet der Filialleiter. Nur noch zwei von 100 verkauften Stücken seien klassische Orientteppiche, für deren Auswahl Vogel und seine Kollegen früher selbst regelmäßig in die traditionellen Produktionsländer reisten.

Teppiche aller Art auf 2000 Quadratmetern: Kibek-Filialleiter Michael Vogel und sein Team bringen jedes Jahr an die 14 000 Stücke an die nordhessischen Kunden.

Inzwischen sorgt weitestgehend der Kibek-Zentraleinkauf für Nachschub im Sortiment. Vor allem moderne Dessins bestimmen das Bild. Neben Industrieproduzenten aus Europa haben sich auch Vertragslieferanten aus Teppichknüpf-Nationen wie Indien auf deutsche Wohngeschmackstrends eingestellt.

Eines aber verbinden die Kunden laut Vogel noch immer klassischerweise mit dem Thema Teppiche: die Auffassung, dass man um den Preis feilschen könne. Nach einem Nachlass werde ständig gefragt, erzählt der Filialleiter und stellt klar: „Wir haben im ganzen Unternehmen Endpreise, die auch sehr knapp kalkuliert sind.“

Kibek hat 16 Filialen in Deutschland

Obwohl der Gesamtmarkt schrumpft, ist Filialist Kibek auf Wachstumskurs und eröffnet immer noch neue Filialen; aktuell sind es 16 bundesweit.

Auch für Kassel gibt es laut Filialleiter Vogel „schon lange das Bestreben“, ein eigenes, deutlich größeres Kibek-Haus für ein erweitertes Sortiment zu errichten. Bisher sei dies aber in Ermangelung eines geeigneten Standorts nicht geglückt.

Woher kommt der Name Kibek?

Ein häufiges Missverständnis ist, dass Teppich-Kibek nach einem Firmeninhaber namens Kibek benannt sei. Der Gründer des Elmshorner Unternehmens hieß aber in Wirklichkeit Walter Sachau. Nach dem Krieg machte sich Sachau zunächst selbstständig mit dem Handel und Verkauf von Kinderbekleidung – die Abkürzung „Kibek“ wählte er zum Namen seiner Firma, die dann nach einiger Zeit auf den Handel mit Teppichen umsattelte.

Von Axel Schwarz

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