Eishockeyspiel im Februar 2016

Klage gegen Kassel Huskies: Ein Puck nahm ihm die Sehkraft auf einem Auge

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Sein rechtes Auge wurde bei einem Eishockeyspiel von einem Puck getroffen: Zuschauer Gerald Hoffmann hat die Kassel Huskies auf Schmerzensgeld verklagt.   

Kassel. Nachdem bei einem Eishockeyspiel im Februar 2016 ein Puck in sein Gesicht flog, hat Gerald Hoffmann auf dem rechten Auge nur noch fünf Prozent Sehkraft. 

Deshalb hat er die Kassel Huskies auf Schmerzensgeld verklagt. Am Freitag fand der zweite Verhandlungstag vor dem Landgericht statt.

„Ich habe noch etwas Schwarzes gesehen, dann war alles dunkel.“ Gerald Hoffmann erinnert sich an den 26. Februar 2016. Zusammen mit seiner Familie besuchte er ein Heimspiel der Kassel Huskies gegen Crimmitschau in der Eissporthalle. Hoffmann saß auf der Tribüne, in der vorletzten Reihe, oben rechts.

Es war in der Verlängerung, als ein abgefälschter Puck so hoch katapultiert wurde, dass er Hoffmanns rechtes Auge traf. „Ich habe noch Glück gehabt. Kurz zuvor hatte ich noch nach links auf die Anzeigentafel geguckt. Wenn ich meinen Kopf nicht wieder nach rechts gedreht hätte, hätte mich der Puck an der Schläfe getroffen, und ich wäre wohl weg gewesen“, sagt der 62-Jährige. Zudem habe seine Brille noch Schlimmeres verhindert.

Die Folgen sind für den Leitenden Kriminaldirektor im Ruhestand dennoch gravierend. Sein rechtes Auge sei durch den Puck dermaßen gequetscht worden, dass die Netzhaut senkrecht riss. Er habe dadurch irreparable Schäden, die Sehkraft auf dem Auge betrage nur noch fünf Prozent. Das bereite ihm beim Autofahren Probleme, und beim Lesen würden oft die Buchstaben verschwimmen. Zudem habe er häufig Kopfschmerzen.

Nach dem Unfall und dem Krankenhausaufenthalt besuchten Joe Gibbs, Geschäftsführer der Kassel Huskies, und Trainer Rico Rossi Hoffmann zu Hause. Es tue ihnen unheimlich leid, was mit ihm passiert wäre, hätten Gibbs und Rossi zu ihm gesagt. Sie würden sich um alles kümmern, schließlich sei der Verein versichert. Bei diesen Versprechungen sei es allerdings geblieben, so Hoffmann. Daraufhin verklagte Hoffmann die KSE Kassel Sport & Entertainment GmbH, die Betreibergesellschaft der Huskies, auf Schmerzensgeld. Am Freitag fand der zweite Termin vor der vierten Zivilkammer des Landgerichts satt.

Hoffmann hatte beim ersten Termin Schmerzensgeld in Höhe von 35 000 Euro verlangt und dass die Huskies für die Spätfolgen seiner Verletzung aufkommen. Die Versicherung der Huskies wollte ihm hingegen gar nichts zahlen.

Die Versicherung vertrete den Standpunkt, dass in der Kasseler Eishalle alle sicherheitsrelevanten DIN-Normen der internationalen und deutschen Eishockeyliga sowie der DEL 2 eingehalten worden sind, sagt Martin Josephs, der Anwalt von Joe Gibbs. Von daher müsse die Versicherung nicht haften. Auch wenn die Plexiglasscheiben vor der Tribüne höher gewesen seien, wäre Hoffmann von dem abgefälschten Puck getroffen worden. „Es hat sich um ein tragisches Unglück gehalten, für das niemand etwas kann“, so Josephs. Seit dem Unfall vor über zwei Jahren sei auch kein Zuschauer mehr von einem Puck verletzt worden.

Richterin Pree sagte in der Verhandlung, dass sie die Versicherung sehr wohl in der Haftung sehe. Allerdings wisse sie noch nicht, wie hoch das Schmerzensgeld ausfallen könne. Auch sei nicht klar, ob das Oberlandesgericht Frankfurt in einer höheren Instanz das anders bewerte, also im Sinn der Versicherung entscheiden werde. Sie legte am Freitag deshalb beiden Parteien nahe, einen Vergleich anzustreben.

Möglicher Vergleich

Das soll jetzt versucht werden: Hoffmann würde sich mit 35 000 Euro Schmerzensgeld einverstanden erklären und auf alle anderen weiteren Ansprüche verzichten, wenn die Versicherung zahlt. Huskies-Anwalt Josephs erklärte sich nach kurzer Absprache mit Gibbs, der für den Gerichtstermin extra seinen Urlaub in Kanada unterbrochen hatte, bereit, dieses Angebot der Versicherung zu unterbreiten.

Beide Parteien haben Zeit, diesen Vergleich innerhalb von vier Wochen zu widerrufen. Sollte dies geschehen, wird die Richterin am Freitag, 5. Oktober, ein Urteil verkünden.

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