Hohe Spendenbereitschaft

Kleider und Räder für Flüchtlinge: Hilfe in Unterkunft Park Schönfeld

Schrauben schon los: Qasim Sharif, Asylbewerber aus Somalia, und Hans-Joachim Prauß vom ADFC helfen in der neuen Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge.

Kassel. Auf dem Tisch türmen sich Hosen, Hemden, T-Shirts und Jacken. „Haben wir schon einen Stapel für Pullover?“, fragt Hanno Schade. Der Rentner verbringt mit anderen Helfern den Sommernachmittag im Keller des Flüchtlingswohnheims Park Schönfeld beim Kleidersortieren.

Dort soll auf Initiative der Caritas nächste Woche eine Kleiderkammer für Asylbewerber eröffnen. Auch eine Werkstatt, in der sich Flüchtlinge Fahrräder herrichten können, wird in dem Wohnheim an der Frankfurter Straße eingerichtet.

„Die Spendenbereitschaft in Kassel ist einfach unglaublich“, sagt Maria Sanna, die bei der Caritas das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe koordiniert. So sind die Regale der Kleiderkammer schon gut gefüllt und in zwei Kellerräumen warten 120 gebrauchte Fahrräder. Weitere 200 Räder warten noch auf Abholung.

Die Spenden werden gebraucht: Fast 1200 Asylbewerber leben derzeit in der Stadt Kassel. Viele waren vorher monate- oder gar jahrelang auf der Flucht. Oft kommen sie mit kaum mehr als den Kleidern, die sie am Leib tragen, hier an. Deshalb habe man sich entschieden, zusätzlich zu den bestehenden Kleiderkammern für Bedürftige in Kassel ein eigenes Angebot für Flüchtlinge zu machen, sagt die Caritas-Sozialarbeiterin.

Kontakte knüpfen

Kleiderkammer und Fahrradwerkstatt werden von Ehrenamtlichen betreut. 30 Helfer haben sich bereits gemeldet. Und auch Flüchtlinge packen mit an. Nacima Adam und Abdikadir Mohamed aus Somalia sind seit drei Wochen in Kassel. Sie leben in der Gemeinschaftsunterkunft an der Kurhausstraße. „Wir haben nichts zu tun, also haben wir uns als Freiwillige gemeldet“, sagt der 26-Jährige auf Englisch. Er und seine Frau, die vor den islamistischen Terroristen in ihrem Land geflohen sind, haben genug Kleidung. Sie wollen nur helfen, das Angebot mit aufzubauen.

Beim Falten und Einsortieren der Kleider werden auch Kontakte zwischen Kasselern und den ausländischen Helfern geknüpft. Das war auch eine Motivation von Hanno Schade, um sich zu engagieren. „Es gibt ja kaum Berührungspunkte zwischen einheimischen Kasselern und Flüchtlingen“, sagt der 76-Jährige. Er begleitet als Ehrenamtlicher Asylbewerber auch bei Behördengängen.

Der Student Maximilian Gimbel hat sich vor einem Monat bei der Caritas gemeldet, weil er etwas für Flüchtlinge tun wollte. Der 26-Jährige findet es gut, dass in der Kleiderkammer die Spenden direkt bei den Menschen ankommen, die sie benötigen.

In der Fahrradwerkstatt schraubt Qasim Sharif bereits an einem zerbeulten Fahrradkorb herum. Der Somalier, der gelernter Mechaniker ist, wartet seit über zwei Jahren auf den Ausgang seines Asylverfahrens. Er fährt selbst gern Fahrrad, um Bewegung zu kriegen. „Und es ist gut für die Umwelt“, sagt der 29-Jährige. Zusammen mit den Kasselern Hans-Joachim Prauß und Lennart König vom Fahrradclub ADFC und weiteren Ehrenamtlichen will er künftig anderen Flüchtlingen helfen, mobil zu werden.

Hintergrund: Weitere Helfer willkommen

Die Caritas freut sich über weitere ehrenamtliche Helfer für die Kleiderkammer oder die Fahrradwerkstatt. Jeder kann sich mit so viel Zeit einbringen, wie er möchte. Auch weitere Kleiderspenden, vor allem Schuhe, sind willkommen. Die Kleidung sollte noch gut erhalten sein. Für die Abgabe sollte mit der Caritas ein Termin vereinbart werden. Sobald die Öffnungszeiten der Kleiderkammer feststehen, ist die Abgabe auch dann möglich. Die Öffnungszeiten werden voraussichtlich nächste Woche in der HNA veröffentlicht.

Kontakt: Maria Sanna, Caritas, E-Mail: maria.sanna@caritas-kassel.de Tel. 0561/7004-226

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