Stadt sichert grünes Kleinod

Kleingarten in Kassel unter Denkmalschutz: Die Hofbleiche war bislang illegal

+
Naturidyll mitten in der Stadt: Guido Höfert, Vorsitzender des Kleingartenvereins Hofbleiche, und seine Frau Susanne Stein sind seit sieben Jahren Pächter im Kleingartenverein.

Kassel. Im Vorfeld der Bundesgartenschau 1955 leisteten ein paar renitente Kleingärtner am Fuße des Weinbergs Widerstand. Denn ihr Verein „Hofbleiche“ sollte für das Großereignis in Kassel weichen. Doch die Kleingärtner waren zu fest verwurzelt.

So entschied der Leiter der Bundesgartenschau, Landschaftsarchitekt Prof. Hermann Mattern, den Kleingarten in die Großveranstaltung einzubinden. Dazu ließ er ihn umgestalten. Heute steht er nach Auskunft der Stadt als einziger in Kassel als Gründenkmal unter Denkmalschutz.

Um das Kleinod auch künftig vor Eingriffen durch Investoren zu sichern, die dort etwa Wohnraum schaffen könnten, hat die Stadt nun einen Bebauungsplan aufgestellt. Damit wird festgelegt, dass das Areal, das im Eigentum des Landes ist, den Kleingärtnern erhalten bleibt. Bislang gab es keinen Bebauungsplan, weshalb die 35 Kleingärten seit einer Gesetzesnovellierung in den 80er-Jahren als illegal galten.

Das alte Lustschloss unterhalb des Weinbergs: Vor der Bundesgartenschau 1955 wurde das im Krieg beschädigte Schloss abgerissen. Vor dem Schloss erstreckte sich ab 1924 der Kleingartenverein.

Die Geschichte des Kleingartens in der Südstadt reicht aber viel weiter zurück. Im Jahr 1917 – also genau vor 100 Jahren – begannen zunächst vier Familien auf dem Wiesengelände Kartoffeln und Gemüse anzubauen. 1924 wurde schließlich der Verein gegründet. Damals befanden sich die Lauben in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Lustschloss, das 1727 von Prinz Maximilian errichtet worden war. Später wurde das Schlossgelände als Hofwäscherei genutzt, weshalb das Areal auch seine Bezeichnung Hofbleiche erhielt.

Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und in den Nachkriegsjahren abgerissen. Erhalten geblieben ist die alte Mauer, die das Schloss umgab. Sie umgrenzt heute die Kleingartenanlage. „Wir finden beim Graben noch regelmäßig Kriegsschutt, alte Ziegeln und verrostete Metallstücke“, sagt der Vereinsvorsitzende Guido Höfert.

1934: Eine Familie im Kleingarten Hofbleiche. Im Hintergrund der Weinberg.

Aus der Zeit als Musterkleingarten der Bundesgartenschau stehen bis heute die Mauern, die der Landschaftsarchitekt Mattern zwischen den Parzellen als gliedernde Elemente aufstellen ließ. Auch die damals angelegten Wege und Bäume sind erhalten.

Zwei der Lauben sind noch weitestgehend im Zustand der 1950er-Jahre: Schlicht und praktikabel gestaltet und ohne großen Komfort.

Dies kann man von der Gartenlaube von Guido Höfert und seiner Frau Susanne Stein nicht sagen. Diese ist zwar ebenso schlicht, aber dafür für Kleingartenverhältnisse äußerst luxuriös gestaltet. Beim „Tag der Architektur“ lockte das hölzerne Bauwerk bereits die neugierigen Gäste in den Kleingarten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.