Kunsthochschule

Nachhaltiges Konfetti mit Blumensamen: Entwicklung von Kasseler Studenten

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Bunte Mischung tut der Umwelt Gutes: Philip Weyer hat zusammen mit seiner Kommilitonin Hannah Hartmann aus einer Stärkemasse ein nachhaltiges Konfetti entwickelt.

Kassel. In einigen Städten ist das Werfen von Konfetti verboten, da die Papierschnipsel viel Müll verursachen. Kasseler Studenten haben biologisch abbaubares Konfetti entwickelt.

Philip Weyer ist ein echter Jeck. Versteht sich für einen gebürtigen Kölner eigentlich von selbst. Ebenso klar ist, dass Konfetti beim Karneval nicht fehlen darf. Was Philip Weyer allerdings schon immer gestört hat: Konfetti-Bomben sind eine Umweltsünde. Was nach Karneval, Festivals und Hochzeiten auf den Straßen über bleibt, ist nicht biologisch abbaubar.

Das wollte der Kunsthochschulstudent ändern: Zusammen mit seiner Kommilitonin Hannah Hartmann kam die Idee auf, ein nachhaltiges Konfetti zu entwickeln. Herauskam eine bunte Mischung, die zudem Blumensamen enthält.

„Wir wollten einfach das Schöne mit dem Nützlichen verbinden“, sagt Weyer. Der 29-Jährige hat sich auf ökologisches Design spezialisiert. Bei seinen Entwürfen ist ihm der nachhaltige Gedanke besonders wichtig. Jetzt bekamen Hartmann und Weyer für ihr Projekt den Preis der Studierenden an der Universität Kassel.

„Die Idee kam Anfang des Jahres im gemeinsamen Arbeitsraum auf“, erinnert sich Hannah Hartmann. Die 28-Jährige, die gebürtig aus Kassel kommt, hatte Kontakt zu Kollektiven, die Partys im Wald organisieren. Da sei es besonders wichtig, dass kein Müll zurückbleibt. Weyer hat dann den Aspekt der regionalen Blumensamenmischung entwickelt.

Das Konfetti wird aus einer Stärkemischung im Druckverfahren hergestellt. Die unterschiedlichen Farben werden durch natürliche Zusätze wie Kurkuma, Karmin oder Asche erzeugt. In die gedruckten Schnipsel werden Blumensamen eingearbeitet. Anschließend müssen die Teilchen trocknen. „Die Herstellung ist im Moment noch relativ aufwendig“, sagt Weyer. Ein halber Tag sei für 50 Gramm Konfetti mit Trocknen notwendig. Es gäbe allerdings bereits Überlegungen, wie die Herstellung auch maschinell erfolgen könne. „Wir mussten kleine Samen verwenden, da das Konfetti sonst zu schwer geworden wäre“, erklärt Weyer. So können die Samen durch den Wind fortgetragen werden.

Finden sich jetzt rund um die Kunsthochschule schon einige blühende Flächen? „Es gibt ein paar Stellen, wo ich das Konfetti getestet oder nach einer Feier mal ein bisschen was verstreut habe“, sagt Weyer. „Aber das fällt wahrscheinlich niemandem außer mir auf.“

Schließlich handelt es sich um eine regionale Samenmischung, die Blumen hervorbringt, wie sie auf Wiesen in der Region schon wachsen und von den heimischen Insekten benötigt werden. Unter anderem Gänseblümchen, Löwenzahn, Schlüsselblumen, Stiefmütterchen oder Fingerkraut sind im Saatgut-Konfetti enthalten.

Viele Farben möglich: Speziell für Hochzeiten kann beispielsweise rosafarbenes Konfetti hergestellt werden.

Bei den Samen handelt es sich ausschließlich um Lichtkeimer, die das ganze Jahr über ausgesät werden können. Das bedeutet, dass sie keimen, wenn sie auf den Boden fallen. Sie müssen nicht eingegraben werden. „Gerade für Festivals, bei denen der Boden eh oft schon aufgeweicht ist, ist das Saatgutkonfetti perfekt“, sagt Weyer. Es habe auch schon einige Anfragen von Veranstaltern und Privatpersonen gegeben. Auch auf dem Waschbär-Openair-Festival an der Uni und beim Rundgang ist das Konfetti verkauft worden.

Kaufen kann man das Konfetti derzeit im Soki-Store an der Friedrich-Ebert-Straße 101 (Tütchen 4 Euro) oder auf Anfrage per Mail an saatgutkonfetti@mail.de. Bei Instagram ist das Projekt unter @saatgutkonfetti zu finden.

Woher kommt der Begriff Konfetti?

• Konfetti sind kleine bunte Papierschnipsel, die vor allem beim Karneval oder anderen Feierlichkeiten wie Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern zum Einsatz kommen. Die Schnipsel werden in die Luft oder auf die Personen geworfen. Nach dem WM-Finale ging nach der Siegerehrung auf die Spieler ein goldener Konfettiregen nieder.

• Das Wort Konfetti hat seine Wurzeln im Italienischen (confetti). Es bedeutet so viel wie Zuckerzeug oder Bonbons im Sinne von Konfekt.

• Die heute allgemeingültige Bedeutung des Wortes kommt von einem alten karnevalistischen Brauch, kleine Zuckerkügelnchen zu werfen. Später wurden die Zuckerkügelchen durch Gipsklümpchen und Papierschnipsel ersetzt.

• Das Werfen von Konfetti oder Reis ist gerade bei Hochzeiten besonders beliebt. In einigen Städten gibt es allerdings ein Konfettiverbot. In Stuttgart darf beispielsweise beim Karnevalsumzug kein Konfetti mehr geworfen werden.

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