Mieten zu hoch

Leerstand, aber auch Neues: Kleine Geschäfte in Kasseler Südstadt haben's schwer

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Kreativ an der Frankfurter Straße: Zwischen Weinberg (im Hintergrund) und Heinrich-Heine-Straße zeigt sie sich besonders lebendig. Hier sind auch ansässsig: Sven Keßebohm (up-art piercing), Gita Wikullil (Südstadt AG) und Lea Schücking (des:d Design). 

Südstadt. Geschäfte kommen und gehen. Die Frankfurter Straße ist traditionell lebendig und in Bewegung. Zurzeit fällt im Abschnitt zwischen Weinberg und Heinrich-Heine-Straße aber wieder vermehrt Leerstand auf.

Die Fleischerei Rohde hat ihr Ladenlokal geschlossen (ein Grund war fehlendes Fachpersonal), der Blumenladen Rosenrot sucht einen Nachmieter und das Modegeschäft „Time to style“, so heißt es, wolle sich zum Monatsende verabschieden. Lokale wie in der Frankfurter Straße 82, wo immer noch das Ladenschild „Spiele“ angebracht ist, stehen seit Jahren leer.

„Es sind die Abschiede von den kleinen Läden, die uns schmerzen, weil wir so froh sind, wenn wir sie im Stadtteil haben“, sagt Harald Doenst von Vorstand der Südstadt-AG. Die AG würde gerne stärker vermitteln helfen, aber ein Problem bestehe darin, dass zu vielen Hauseigentümern kein Kontakt bestehe, sofern sie überhaupt bekannt seien.

Zu den Lichtblicken im Stadtteil gehört das Wiederaufleben des Biomarkts Butterblume mit seinem erfolgreichen Crowdfunding-Geschäftsmodell. Von der Frankfurter Straße 59 musste er an die 73 ziehen und sich verkleinern. Inhaberin Helen Neuwirth, die zusammen mit Karin Hesse ein Vollsortiment an Bio-Waren anbietet, hat sich der Vermeidung von Verpackungsmüll verschrieben.

In den ehemaligen Bioladen-Räumen ist zurzeit Martin Retelsdorf mit Renovierungsarbeiten beschäftigt. Anfang November öffnet der Unternehmer, der in der Südstadt bereits ein Geschäft für Treibhaus-Technik betreibt, sein „Fachgeschäft für Rauchwaren,“Smoking Madhouse“, wo es unter anderem E-Zigaretten zu kaufen gibt.

Öffnet im November: Martin Retelsdorf legt letzte Hand an (hier an einer Waren-Vitrine).

Seit einigen Jahren hat sich am Fuße des Weinbergs eine produktive Szene an Galerien, Kreativen und Künstlern etabliert. Aber auch hier gab es zuletzt Veränderungen. So hat eine der ersten Galerien, Ulrike Petschelt, ihre Räume verlassen, eingezogen sind zwei junge Künstler.

Galeristin Melanie Vogel hat sich vergrößert und ist mit ihrer „Warte für Kunst“ neben das Neu-Kafe an die Tischbeinstraße 2 gezogen. In der alten Warte befindet sich das Streetartprojekt Kolorcube. Das Künstlerkollektiv Tokonoma ist eine Hausnummer weiter in die 60 gezogen. 

Der Kulturverein FBI, der hier residierte, hat die Adresse verlassen. „Es würden sich noch viel mehr Kreative etablieren“, sagt Gita Wikullil vom Vorstand der Südstadt AG und Betreiberin eines Geschäfts für Design und Modellbaubedarf, Frankfurter Straße 58, „aber es gibt zu wenig bezahlbaren Raum. Viele suchten Ateliers und Lager. „Vieles ist nicht vermietet, weil die Mieten zu hoch sind. Schade, dass Leute ihre Läden lieber leer stehen lassen als günstiger zu vermieten.“ Viele Künstler könnten Mieten von bis zu 10 Euro pro Quadratmeter nicht zahlen.

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