Museum mit neuer Attraktion

Dampfpumpe im Astronomisch-Physikalischen Kabinett geht wieder

Brachten ein Typenschild an dem neuen Nachbau an: Heiko Schäl (MHK, von links), Peter Hallenberger (Viessmann), Professor Dr. Bernd Küster und Dr. Karsten Gaulke. Foto: Zgoll

Kassel. Viele Jahre war der detailgetreue Nachbau der Hochdruck-Dampfpumpe des französischen Erfinders Denis Papin (1647 bis 1712) eine der Attraktionen des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts in der Orangerie.

Doch im vergangenen Sommer musste das Museum die 1987 von der Prototypenbau-Abteilung des Heiztechnikherstellers Viessmann in Allendorf (Kreis Waldeck-Frankenberg) gefertigte Maschine wegen eines irreparablen Defekts stilllegen. Kurzerhand bauten die Viessmänner die Pumpe erneut nach.

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Seit Mittwoch ist sie in Betrieb. Sehr zur Freude des Direktors der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), Prof. Dr. Bernd Küster, und des Leiters des Kabinetts, Dr. Karsten Gaulke, die den Vertretern des Spenderunternehmens, Walter Hahn und Ottmar Tasch, für die Hilfe dankten.

Und der neue Nachbau funktioniert natürlich auch. Er erzeugt eine fünf Meter hohe Fontäne. Höher geht nicht, weil aus Sicherheitsgründen Drücke oberhalb von einem Bar nicht erlaubt sind.

Auch das Original, das als frühester Vorläufer der späteren Dampfmaschine gilt, soll funktioniert haben. Allerdings schlug der im März 1707 im Ottoneum vorgenommene Versuch, eine mehr als 20 Meter hohe Fontäne zu erzeugen, fehl. Schuld war aber nach den Überlieferungen nicht die Dampfpumpe selbst, sondern vielmehr unzulängliche Metallverbindungen und Dichtungen. Der damalige Stand der Technik war Drücken, wie sie Papins Maschine erzeugte, nicht gewachsen. Das Wasser spritzte aus den undichten Verbindungsstellen des Steigrohrs.

Aus dem Plan des damaligen Landgrafen Carl (1677 bis 1730), die Fontänen im Kasseler Bergpark mit innovativer Maschinenkraft zu erzeugen, wurde also nichts. Der war nicht nur wegen der Wasserspiele an der neuen Technik interessiert. Seinerzeit wurde fieberhaft nach Lösungen zur Entwässerung von Bergwerken gesucht.

Denis Papin

Und dennoch: Trotz des gescheiterten Versuchs vor nunmehr 308 Jahren sollte Papins Pumpe den späteren Bau von Dampfmaschinen nachhaltig beeinflussen. Der Franzose schuf somit die Grundlage für die industrielle Revolution, die erst sehr viel später einsetzen sollte.

Hintergrund

Denis Papin wurde am 22. August 1647 als Sohn wohlhabender calvinistischer Eltern in der Kleinstadt Blois an der Loire geboren. Er studierte zunächst an der Akademie in Saumur, wo er den späteren Landgrafen Carl kennenlernte. 1669 promovierte Papin als Mediziner, wandte sich aber kurze Zeit später den Naturwissenschaften zu. In Paris und London studierte er Mathematik und Medizin. 1688 berief ihn Landgraf Carl als Mathematik-Professor nach Marburg.1690 entwickelte Papin die erste Versuchsdampfmaschine. Den Dampfkochtopf hatte er bereits vorher erfunden. 1695 kam er an den Hof nach Kassel. Nach dem gescheiterten Versuch mit der Hochdruck-Dampfpumpe verließ er Kassel 1707 frustriert in Richtung London, wo er aber nicht mehr Fuß fassen konnte. Papin starb dort vermutlich 1712 - in tiefer Armut.

Öffnungszeiten

Das Astronomisch-Physikalische Kabinett ist dienstags bis sonntags sowie an vielen Feiertagen von 10 bis 17 und donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Über das ganze Jahr gibt es Vorführungen und Sonderveranstaltungen. Das Planetarium bietet ein regelmäßig wechselndes Programm. Der Museumsbesuch kostet drei, ermäßigt zwei Euro, der des Planetariums vier bzw. drei Euro.

Weitere Informationen gibt es hier und unter Telefon  0561/316 880.

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