Nassauische Heimstätte/Wohnstadt hat alle Forderungen erfüllt

Streit um Rembrandtstraße in Kassel: Nun ziehen die ersten Mieter aus

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In ihrem neuen Zuhause: Annegret Reihe ist innerhalb der Rembrandtstraße in eine komplett renovierte Wohnung umgezogen.

Seit einem halben Jahr wird in der Kasseler Südstadt um drei Häuser in der Rembrandtstraße gestritten, die abgerissen werden sollen. Nun ziehen die ersten Mieter aus. Der Protest geht weiter.

An dem Tag, an dem Annegret Reihe aus der Wohnung zieht, die sie eigentlich nicht mehr verlassen wollte, ist sie erleichtert. Die 72-Jährige ist eine der Mieterinnen, die gegen den Abriss der drei Wohnhäuser in der Kasseler Rembrandtstraße protestiert haben. Seit April ist der Streit das große Thema in der Südstadt.

Die Nassauische Heimstätte/Wohnstadt will die Häuser abreißen, um auf dem Gelände rund um das ehemalige Versorgungsamt an der Frankfurter Straße 335 neue Mietwohnungen zu errichten. 

Rembrandtstraße in Kassel: Projekt soll Quartier beleben

Gegen das Projekt an sich ist niemand, weil es das Quartier aller Voraussicht nach beleben wird. Doch Reihe und viele andere der 36 Mietparteien fragten sich, warum dafür drei gerade erst sanierte Gebäude weichen müssen.

Reihe fragt sich das immer noch. Sie wohnt seit elf Jahren in der Rembrandtstraße und versteht nicht, warum die Wohnstadt anfangs nicht auf die Mieter zugegangen ist. Es kam nur ein Schreiben, das war’s: „Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen.“ 

Und trotzdem ist sie gestern ausgezogen. Vier weitere haben das auch schon gemacht. In der Rembrandtstraße 17 sind nun vier von sechs Wohnungen leer. Das liegt auch an der Unterstützung des Wohnungsunternehmens. Reihe sagte sich: „Wenn ich schon ausziehen muss, möchte ich auch Forderungen stellen.“ Die wurden alle erfüllt.

"Fühlte mich als Außenseiterin“

Die gebürtige Niedersächsin, die in einem Eigenbetrieb des Landkreises arbeitete, ist mit ihrem Hund Oskar nur drei Häuser weiter in eine komplett renovierte Erdgeschosswohnung gezogen. Sie bekam ein neues Bad, durfte sich den Fußboden aussuchen, bezahlt weiterhin nur 5,80 Euro pro Quadratmeter, und die Rechnung der Umzugsfirma übernimmt die Wohnstadt. Mit der Unterstützung durch den Kundenbetreuer Frank Jungermann ist sie sehr zufrieden.

Frank Jungermann (Kundenbetreuer Nassauische Heimstätte / Wohnstadt).

Als sie die anderen protestierenden Bewohner in der WhatsApp-Gruppe über ihren Entschluss informierte, fanden das nicht alle gut. „Ich wurde geschnitten und fühlte mich als Außenseiterin“, sagt Reihe. Mittlerweile haben die meisten Verständnis. Der Protest geht trotzdem weiter.

Transparente in der Rembrandtstraße in Kassel

Von den Balkonen hängen nach wie vor Transparente mit Slogans wie: „Kein Abriss – Menschlichkeit statt Profit.“ Eine Bewohnerin sagt, dass sich 13 Mietparteien gegen den drohenden Auszug wehren. Die 64-jährige Barbara Klöckner hat sich schon eine neue Wohnung angesehen. Trotzdem sagt sie: „Ich ziehe nur noch nach da oben.“ Dabei zeigt sie auf den Himmel.

Der Protest geht weiter: Transparente in der Rembrandtstraße gegen den Abriss dreier Wohnhäuser.

Hoffnung, dass die drei Häuser entgegen der ersten Planung doch stehen bleiben können, bekamen die Bewohner Anfang September, als Projektentwickler Reimund Kaleve ankündigte: „Wir schauen, ob die Architekten eine Lösung finden.“ Ein entsprechender Wettbewerb soll demnächst starten.

Baubeginn soll 2022 sein

Kundenbetreuer Jungermann indes sagt: „Wirtschaftlich wird sich das Projekt nur tragen, wenn wir das hintere Areal mitbebauen können.“ Baubeginn soll 2022 sein. Das Versorgungsamt wird vielleicht schon früher abgerissen. Bereits jetzt gäbe es dort Schäden durch Vandalismus.

Reihe ist derweil froh, dass sie in ihrer lieb gewonnenen Südstadt bleiben kann: „Ich bin zu Fuß in der Aue und der Stadt. Das ist unbezahlbar.“ Ihr sechster Umzug soll ihr letzter gewesen sein: „Jetzt reicht es auch.“

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