Vertrag fortgeschrieben

Schloss Schönfeld: Verein kümmert sich bis 2075 um Erhalt und Nutzung

Kassel. Der Verein Schloss Schönfeld wird bis zum Jahr 2075 die Verantwortung für den Erhalt und die Nutzung des stadteigenen Schlösschens im Park Schönfeld tragen.

Der Erbbaurechtsvertrag, den beide Parteien 1990 zwecks Sanierung des Anwesens durch den Verein geschlossen hatten, wurde am Donnerstag vorzeitig um 50 Jahre verlängert. Der bisherige 35-Jahres-Vertrag hätte noch eine Laufzeit von zehn Jahren gehabt.

Damit solle dem Schloss-Verein Planungssicherheit für weitere Investitionen gegeben werden, hieß es bei dem Beurkundungstermin. Dass das 1777 erbaute Schlösschen nach langem Dornröschenschlaf heute wieder in würdevollem Glanz erstrahlt, ist Persönlichkeiten aus der regionalen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zu verdanken. Sie gründeten einen Förderklub, der aktuell 230 Mitglieder hat, und brachten Ende der 1980er-Jahre fünf Millionen Mark (2,56 Mio. Euro) Sanierungsgeld zusammen, um das heruntergekommene Kleinod im Park Schönfeld vor weiterem Verfall zu retten.

Verwaist und heruntergekommen: So sah das Schlösschen 1987 aus, bevor sich der Verein um die Sanierung kümmerte. Foto:  Archiv

„Mit dem Ergebnis sind wir überaus zufrieden“, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen: Die Stadt sei gern bereit, dieses „Erfolgsmodell“ einer öffentlich-privaten Partnerschaft fortzuführen. Stadtkämmerer Jürgen Barthel betonte, dass viele Kasseler einen Nutzen davon hätten: Das Schlösschen, das über eine öffentliche Gastronomie verfügt, sei als Ort für Trauungen und andere Familienfeiern beliebt. Barthel: „Wir unterstützen hier nicht bloß einen privaten Klub.“ Die Stadt hätte die Sanierung damals aus eigener Finanzkraft nicht hinbekommen, unterstrich Barthel. 28 Jahre nach der Sanierung zeige sich nun mehr und mehr der Instandhaltungsbedarf, sagte Vereinspräsidentin Ilka Jastrzembowski: „Da geht es um weit mehr als nur Malerarbeiten.“ So müssten dieses und nächstes Jahr etwa umfassende neue Auflagen zur Sicherheit der Hauselektrik umgesetzt werden. Mehr als 25 000 Euro habe der Verein jährlich schon ohne solche Sonderaktionen für das Gebäude aufzubringen.

Da diese Summen nicht nur durch Beiträge der Vereinsmitglieder, sondern auch durch Bankfinanzierungen bestritten werden, schaffe der fortgeschriebene Erbbaurechtsvertrag nun Argumente bei der Verhandlung mit Geldgebern, sagte Vorstandsmitglied Holger Plaum.

Sicherheit werde zudem auch mit Blick auf die Summen geschaffen, die Vereinsmitglieder selbst in die Sanierung gesteckt haben: Die steuerlichen Abschreibungen auf den Immobilienwert liefen teils weit über die Gültigkeit des bisherigen Erbbauvertrages hinaus.

Hintergrund: Baudenkmal mit wechselvoller Geschichte

Das Schlösschen Schönfeld wurde 1777 vom Kommandeur der kurhessischen Garde du Corps, Oberst Nikolas Heinrich von Schönfeld, errichtet. Nach mehreren Eigenümerwechseln kam das Anwesen 1809 in den Besitz von König Jérôme, dem Bruder Napoleons, der es zur Sommerresidenz ausbaute. Ab 1821 versammelte Kurfürstin Auguste im Schlösschen die geistige Elite Kurhessens. 1906 erwarb die Stadt Kassel das Anwesen - diverse Gastronomiepächter versuchten sich dort seither mit wechselndem Erfolg.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schlösschen zerstört, erst 1965 begann der Wiederaufbau. Bis zu seiner Rettung stand das Kulturdenkmal viele Jahre lang leer. 1989 gründeten Privatpersonen aus Geschäftswelt, Industrie und Kultur den Verein Schloss Schönfeld, der das Schlösschen mit Millionenaufwand grundlegend sanierte. Die Clubräume im Ostflügel sind den Mitgliedern vorbehalten, weitere Gesellschaftsräume sowie das Restaurant Park Schönfeld im Haus stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung.

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