Bleibt das Wasser im Becken?

Das geschieht, wenn keiner schwimmt: So überwintert das Auebad in Kassel

Am Sprungbecken: Das Brett vom Einer fehlt zwar, aber Wasser im Becken befindet sich trotzdem. Heiko Meckbach, der Leiter des Auebades, zeigt die Anlage. Foto: Malmus

Kassel. Wie überwintert eigentlich ein Freibad? Bleibt das Wasser im Becken oder wird es abgepumpt? Heiko Meckbach Leiter des Auebades gibt Antworten auf diese Fragen.

Bis vor Kurzem stand auf dem Zehnmeterturm des Auebades noch ein Weihnachtsbaum. Er war nur von der Ferne aus zu sehen, weil der Außenbereich der Anlage in der kalten Jahreszeit gesperrt ist. Von Weitem aber ließ sich eine Frage nicht beantworten, die aufkommt, wenn die Gedanken auf Abwege geraten: Was würde eigentlich passieren, wenn der Baum einfach umkippt: Fällt er dann ins Wasser oder in ein trockenes Becken?

Die Antwort ist verbunden mit einem dann doch größeren Thema: Wie überwintert ein Freibad? Hier kommt Heiko Meckbach ins Spiel, der Leiter des Auebades. Er führt einen sogleich zur Lösung des Rätsels: zum Sprungbecken. Es ist mit Wasser gefüllt – und das den ganzen Winter über.

„Das Beckenwasser bleibt im Schwimmbecken, weil es einen Gegendruck gewährleistet: gegen Auftrieb und gegen seitliche Einflüsse“, sagt Meckbach. „Außerdem gibt es so keine Frostgefahr, weil frostfreies Wasser aus den tieferen Bereichen nach oben steigt.“ Das ist der Vorteil des Edelstahls am Beckenrand: Die Wärme wird dort nach oben geleitet. An den Rändern ist kein Einfrieren möglich – und kein Seitendruck durch gefrierendes Wasser auf den Körper des Beckens.

Das Ganze ist auch deshalb möglich, weil bei extremer Kälte mögliches Eis auf der Oberfläche wie eine Isolierschicht wirkt und die Wassertemperatur unter dem Eis mit zunehmender Tiefe steigt. So ist gewährleistet, dass am Grund des Beckens immer mindestens vier Grad Celsius herrschen. So wird auch der Boden des Beckens gut geschützt.

Also bleibt das Wasser bei Freibädern im Winter im Becken – oder doch nicht? Ein paar Meter weiter tut sich das Planschbecken auf – und, siehe da: Es ist leer. Es gibt nämlich auch die andere Variante – das Überwintern ohne Wasser. Sie kommt in niedrigeren Becken zur Anwendung, die nicht im Grundwasser liegen. Ihre Reinigung wird somit erleichtert, Algenbildung vermieden.

Dass mit all dem keine Arbeit verbunden ist, das ist allerdings ein Trugschluss. Meckbach und seine Mitarbeiter drehen täglich ihre Runden im Außenbereich, kontrollieren und säubern – auch wenn natürlich alles, was beweglich ist, eingelagert ist: Liegen, Stühle, selbst das Einmeterbrett.

Blick in die Filteranlage: Heiko Meckbach im Inneren des Auebades. Foto: Hagemann

Die Einlagerung geschah kurz nach Ende der Freibadsaison im September, damals wurden die Grundlagen für die Wintersicherung gelegt. Das betraf die Reinigung der Rinnen und der kleinen Becken und die Kontrolle der Leitungsanlagen, Pumpen und Motoren. Auch an die vier Filter machten sich Meckbach und seine Mitarbeiter: spülen, Wasser ablassen, lüften, Material überprüfen.

Beim Gang zurück in den Innenbereich des Auebades zeigt Meckbach die Filteranlagen und wirft noch einmal einen prüfenden Blick in das Dunkel der Anlage. Es wird noch dauern, bis alle wieder voll in Betrieb sind. Ende März beginnen die Vorbereitungen für die Freiluftsaison. Bis dahin liegt der Außenbereich des Auebades noch im Winterschlaf.

Der Weihnachtsbaum ist mittlerweile vom Zehnmeterturm verschwunden. Aber, keine Angst: Er ist nicht ins Wasser gefallen.

Was in dem Schwimmbad passiert, bevor die Gäste komme, lesen Sie auf Kassel Live

Wussten Sie schon, dass...

das moderne Auebad 2013 eröffnet wurde?

Hallenbad und Sauna des Auebads auch im Winter geöffnet sind – und zwar täglich von 10 bis 22 Uhr?

Frühschwimmen im Auebad ab 7 Uhr dienstags und donnerstags möglich ist?

der Tagestarif für Kinder bei sechs Euro liegt, für Erwachsene bei sieben?

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