Lautstarke Mahnwache

Staus auf Frankfurter Straße in Kassel sorgen für Schleichverkehr: Anwohner protestieren

Demo gegen zu viele Autos: Innerhalb von zwei Stunden – so lange dauerte die Sperrung durch Anwohner – sammelten die Protestler über hundert Unterschriften gegen den Schleichverkehr durch die Menzelstraße und die Landaustraße. Fotos: Fischer

Kassel. Mit einer lautstarken Mahnwache haben Anwohner der Menzelstraße und andere Südstädter gegen den Schleichverkehr durch die Fahrradstraße protestiert.

Sie blockierten die Straße und zwangen die Autofahrer, sich einen anderen Weg zu suchen. Viele Autofahrer nutzen den Schleichweg, um den Stau auf der Frankfurter Straße zu vermeiden. Hintergrund sind die Sperrungen aufgrund der Bauarbeiten auf der Ludwig-Mond-Straße/Schönfelder Straße.

Die Anwohner der Menzelstraße und andere Südstadtbewohner geben nicht auf. Seit Monaten leiden sie unter dem Schleichverkehr, der sich durch ihre Straßen wälzt. Und sie protestieren dagegen.

Nach zahlreichen gescheiterten Versuchen, die Straßenverkehrsbehörde dazu zu bringen, Abhilfe zu verschaffen, blockierten jetzt in einer genehmigten Demonstration zwei Stunden lang an die hundert Personen die Menzelstraße in Höhe Landaustraße. Die Anwohner um Oliver Claves bezeichneten die Aktion als Mahnwache und bewiesen mit ihrer „Störung“ des Verkehrsflusses, dass es auch andere Wege in die Innenstadt gibt.

Hintergrund sind die Straßensperrungen aufgrund der Bauarbeiten im Bereich Ludwig-Mond-Straße/ Schönfelder Straße. Viele Autofahrer wollen den zu den Stoßzeiten oft zähen Verkehr auf der Frankfurter Straße vermeiden und fahren durch die parallel gelegene Menzelstraße, eine ausgewiesene Fahrradstraße.

Den Anwohnern liegen die Ergebnisse von Radarmessungen der Stadt vor, die belegen: In nur einem Monat fuhren stadteinwärts 60 000 und stadtauswärts 15 000 Autos. Enttäuscht sind viele wie Volker Pflock über die Reaktion von Behörden und Kommunalpolitik.

Die Mehrheit im Ortsbeirat war im Sommer zu dem Schluss gekommen, dass sich an der Situation nichts ändern müsse. Der Antrag von Ortsvorsteherin Kerstin Sariç (Grüne) – entsprechend einem Vorschlag von Volker Pflock – die Menzelstraße ab Höhe Akademiestraße für ein kurzes Stück zur Einbahnstraße zu machen und stadteinwärts für Autos zu sperren, wurde mit den Gegenstimmen von SPD und CDU abgelehnt.

Dabei sehe man doch täglich, dass das hohe Verkehrsaufkommen Fußgänger, Radfahrer und vor allem Kinder gefährde. Sevgil Nurettin, der mit Sohn Kaya (6) zur Mahnwache gekommen war, schildert die „katastrophalen Zustände“ auf der Menzelstraße, vor allem in der Zeit zwischen 7.30 und 8.30 Uhr, wenn die Kinder auf dem Weg zur Schule oder zur Kita sind. An der Menzelstraße liegen zwei Kitas, ein Spielhaus, ein Spielplatz, Sportstätten und die Kunsthochschule.

Zuletzt hatte der Leiter der Straßenverkehrsamts, Dr. Georg Förster, den Vorschlägen der Anwohner, die Straße teilweise zur Einbahnstraße zu machen, eine Absage erteilt. Verärgert sind die Anwohner über die seine Antwort auf einen Brief von Ortsbeiratsmitglied Ulrike Brunnengräber (Grüne). Darin schreibt Förster: „Zweifellos hat das Verkehrsaufkommen baustellenbedingt zugenommen, die von Ihnen vorgetragene Gefährdungen konnten aber weder durch die Polizei, das Ordnungsamt noch durch die Straßenverkehrsbehörde bestätigt werden.“ Das würdige die Beobachtungen der Anwohner herab, sagt Claves.

Dienstag, 22. November, 19 Uhr, tagt der Ortsbeirat der Südstadt im Diakonischen Werk, Frankfurter Straße 78 A.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.