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Letzte Mieter wollen nicht weichen: Verzögert sich großes Bauprojekt in Kassel?

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Von: Bastian Ludwig

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Im Süden von Kassel wollen vier Mietparteien ihre Wohnungen nicht verlassen. Der Eigentümer würde die Mietshäuser aber gerne für ein großes Projekt abreißen.

Kassel – An der Frankfurter Straße herrscht rund um das ehemalige Versorgungsamt schon seit fünf Jahren Geisterstimmung. 2017 hat die Behörde das marode Hochhaus geräumt und kurz darauf wurden auch die drei Mietshäuser hinter dem Behördenbau Stück für Stück entmietet. Grund dafür sind große Pläne der landeseigenen Wohnungsgesellschaft Nassauische Heimstätte/ Wohnstadt (NHW), die auf dem Areal 350 Wohnungen bauen will. Doch vier Mietparteien wollen nicht weichen. So dürfte sich das 106 Millionen Euro schwere Bauprojekt weiter verzögern.

Frühestens 2021 sollte die „Neue Mitte Südstadt“ gebaut werden, hieß es noch 2018. Doch die Planung verzögerte sich. Nun rechnet die NHW 2024 mit einem Abriss des alten Versorgungsamtes. „Wir befinden uns noch im Bebauungsplanverfahren“, so eine Sprecherin. Insofern sei es auch kein Problem, dass in den drei Doppelhäusern der NHW – in denen einst 36 Mietparteien lebten – noch vier Wohnungen belegt sind. „Mit diesen Mietern werde man noch eine einvernehmliche Lösung suchen“, so die NHW-Sprecherin.

Kassel: Mieter führen Rechtsstreit mit NHW - Mieterhöhung als Druckmittel zum Auszug?

Wer mit Susanne Schellhase und Bettina von Klopmann spricht, die in zwei der Wohnungen leben, ist sich da nicht so sicher. Aktuell führen sie einen Rechtsstreit mit der NHW, weil diese Mieterhöhungen fordert. Im Fall von Klopmann geht es um eine 13-prozentige Erhöhung. Aktuell zahlt sie sechs Euro pro Quadratmeter.

Sie wollen nicht ausziehen: Susanne Schellhase (links) und Bettina von Klopmann sind Mieterinnen an der Rembrandtstraße 11. Ihr Haus soll mit zwei weiteren für ein Wohnbauprojekt abgerissen werden.
Sie wollen nicht ausziehen: Susanne Schellhase (links) und Bettina von Klopmann sind Mieterinnen an der Rembrandtstraße 11. Ihr Haus soll mit zwei weiteren für ein Wohnbauprojekt abgerissen werden. © Pia Malmus

Anwalt Timo Stallmann, der beide Frauen vertritt, hält die Forderungen für fragwürdig. An den Häusern sei – angesichts des geplanten Abrisses – seit Jahren nichts gemacht worden. Weil die NHW schlechte Chancen habe, die verbliebenen Mieter rauszuklagen, versuche sie es auf dem Weg der Mieterhöhungen, diese loszuwerden. Weil es in Kassel leider keinen Mietspiegel gebe, müsse der Vermieter lediglich drei Mieten für vergleichbare Wohnungen vorlegen, um Erhöhungen zu begründen. Da könne die NHW einfach auf ihre Wohnungen zurückgreifen, in denen sie schon erhöht hat.

Vermutlich wird nun ein vom Gericht bestellter Sachverständiger entscheiden, ob die Frauen die Mieterhöhungen akzeptieren müssen. In jedem Fall wollen sie nicht weichen. Angebote der NHW für Ersatzwohnungen hatten sie bislang stets abgelehnt, weil diese in puncto Größe und Miete nicht vergleichbar mit ihren bisherigen Wohnungen gewesen seien.

Kassel: Mieter wollen nicht ausziehen - Doch Planungsphase für neues Bauprojekt läuft weiter

Die NHW sieht in der Weigerung der Mieter bisher kein Problem für den weiteren Zeitplan des Bauprojektes. So lange die Planungsphase laufe, sei ein Auszug noch nicht zwingend, so eine Sprecherin. Die Stadt habe zudem eine abschnittsweise Bebauung vorgeschlagen. So könnte zum Beispiel erst das Areal des Versorgungsamtes bebaut werden.

Soll 2024 abgerissen werden: Das ehemalige Versorgungsamt an der Frankfurter Straße.
Soll 2024 abgerissen werden: Das ehemalige Versorgungsamt an der Frankfurter Straße. © Pia Malmus

Bettina von Klopmann hat kein Problem damit, dass in ihrem Haus Geisterstimmung herrscht. Sie mag es ruhig. Die höheren Heizkosten durch Leerstände im Haus machen ihr aber zu schaffen. „Ich finde es eine Schande, dass teilweise seit fünf Jahren Wohnungen leerstehen, die dringend benötigt würden“, sagt die 58-Jährige.

Die NHW will auf dem Grundstück 350 Miet- und Eigentumswohnungen bauen. 30 Prozent sollen Sozialwohnungen sein, weitere 30 Prozent Eigentumswohnungen. Der Rest ist als normale Mietwohnungen geplant. Zudem soll ein Lebensmittelgeschäft im Komplex entstehen. (Bastian Ludwig)

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