Scanner fährt im Einkaufswagen mit 

Digitales Einkaufen: Technik verändert Kassels Supermärkte - Neues Scan-System im Test

Kassel. Der Lebensmittelhandel wandelt sich – auch in Kassel. Jüngstes Beispiel: Bei Edeka Aschoff können die Kunden Produkte selbst scannen – und zwar beim Gang durch den Supermarkt.

Bevor sie eine Ware in den Einkaufswagen legen, liest ein Gerät, das am Einkaufswagen angebracht ist, die Daten des Produkts ein. An der Kasse müssen die Kunden ihre Einkäufe nicht mehr aus dem Wagen räumen, sondern sie brauchen nur noch zu bezahlen.

Das Ganze nennt sich Scanbox und ist bisher einmalig in der Region. Die ersten Erfahrungen damit sind überaus positiv, heißt es. Der Scanner am Einkaufswagen ergänzt die aufkommenden Möglichkeiten, wie die Kunden ihren Einkauf gestalten können.

Mittlerweile gibt es nicht nur bei Edeka Aschoff, sondern etwa auch bei vielen Rewe-Märkten die Selbstscanner-Kassen. Darüber hinaus stehen vielerorts schon seit Langem neben dem herkömmlichen Bezahlmodell Kassen bereit, an denen der Kunde das Geld nicht mehr dem Kassierer in die Hand drückt, sondern in einen Automaten steckt.

Insgesamt ist auch in Kassel der Trend zu sehen: Digitalisierung sorgt für Veränderungen; Supermärkte werden mehr und mehr zu Erlebniswelten: mit ausgeweitetem Sortiment, größeren Frischetheken, besseren Obst- und Gemüse-Auslagen. 

Die Anbieter stellen nach und nach um. Zuletzt ließ der Neubau des Rewe-Marktes an der Leuschnerstraße im Stadtteil Süsterfeld-Helleböhn aufhorchen; in unmittebarer Nachbarschaft errichtet Aldi einen modernen Discounter – größer, energieeffizienter als der alte. Auch Lidl an der Kohlenstraße will neu bauen.

Sie gehen dabei mit der Zeit. Eine Studie der IHK Kassel-Marburg zeigt, dass der Einzelhandel sein klassisches Geschäftsmodell überdenken muss. Und: dass kleine Investitionen Vorteile verschaffen können – wie die Scanbox.

Die Scanbox

Die Studenten Jan Kraus und Niels Becker aus Kaufungen haben das System entwickelt und sind auf den Lebensmittelhändler Robert Aschoff zugekommen. Kraus und Becker hätten sich gefragt, wie man das Einkaufen schneller und einfacher machen könne, erzählt Aschoff. Die Idee: die Einkäufe selber scannen, bevor man sie in den Einkaufswagen legt. Die Produkte müssen dann nicht mehr ein- und ausgepackt werden. Auch das scannen an der Kasse ist passé. Seit Dezember 2017 läuft die Testphase. Derzeit sind fünf Protypen in Betrieb.

So wird die Ware eingescannt: HNA-Volontär Thomas Schlenz beim Verbuchen der Tomaten mit dem neuen Scanner-Wagen im Edeka Markt Aschoff.

Einkaufsmöglichkeiten im Test

Einkaufswagen mit Scanbox, Selbstbedienungskassen und das klassische Bezahlen bei einem Kassierer am Kassenband: Wir haben alle drei Varianten getestet. Das Video dazu finden Sie oben im Artikel.

Die Scanbox 

  • Das Modell: Die Einkaufswagen haben einen am Griff befestigten Bildschirm, der die Summe der Einkäufe zeigt. Das Einscannen der Strichcodes der Waren übernimmt der Käufer selbst mit einem angeschlossenen Barcode-Scanner.
  • Die Eindrücke: Das Prinzip ist einfach, das wird gleich beim ersten Artikel klar: den Tomaten. Der Scanner wird mit ruhiger Hand an den Code geführt, und schon registriert die Box den ersten Artikel sowie die Menge und den Preis. Der Weg führt zu den Brötchen. Hier ist der Barcode am Regal. Für jedes Brötchen in der Tüte wird der Code einmal gescannt. Fertig. Drei Brötchen liegen im Wagen. Es folgen Fleischsalat und Nudeln sowie ein Paket Äpfel. Die Box zeigt die bisherige Summe an: Es sind etwa sechs Euro. Es geht zu den Getränken. Ein Sechserpack Cola liegt jetzt im Wagen und ist gescannt. Auf dem Bildschirm erscheint eine Frage nach der Flaschengröße. Nach einem schnellen Klick steht dort sechsmal 0,5 Liter. Das ist falsch. Nach einem weiteren Klick auf Löschen und nochmaligem Scannen ist der Fehler korrigiert. Weiter zur Kasse. Eine Kassiererin kontrolliert die Artikel und die Summe auf dem Bildschirm. Kassieren kann der Wagen nämlich nicht. Die Kassiererin zeigt das Terminal, wo man mit EC-Karte zahlen kann. Die Einkäufe müssen nicht aus dem Wagen genommen werden. Das ist sehr angenehm.
  • Das Fazit: Das Modell ist vor allem etwas für Kunden, die gerne die Kosten im Blick behalten sowie viele oder schwere Artikel einkaufen. Das Scannen erfordert Übung, vor allem wenn man den Artikel wieder löschen möchte. Wer einen kleinen Einkauf hat, ist an der Selbstbedienungskasse wahrscheinlich schneller.
Es nennt sich Scan Box und ist der neueste Trend: Im Edeka Aschoff an der Frankfurter Straße in Kassel und diversen Rewe-Märkten wird diese Technik schon eingesetzt. Ganz vereinfacht erklärt: Der Kunde legt die Waren in den Wagen und muss dann an der Kasse nichts mehr auspacken - er bezahlt das, was gescannt wurde.

Die Selbstbedienungskasse 

  • Das Modell: Hier geht der Kunde mit seinen Einkäufen an Scannerkassen, scannt Produkt für Produkt ein – über Waagen kontrolliert das Sytem, ob der Kunde alles korrekt macht. Am Ende bezahlt der Kunde entweder mit Karte oder bar. Das Geld wird direkt in den Automaten an der Kasse gesteckt.
  • Die Eindrücke: Hier zählt vor allem eines: Schnelligkeit. Die Beschreibungen auf dem Bildschirm helfen, sich leicht zurechtzufinden. Alles funktioniert der Reihe nach. Das ist praktisch, wenn man nur wenige Artikel hat und nicht warten möchte. Denn: Eine Schlange bildet sich hier fast nie. Kurz vor Ladenschluss und in Eile ist das also genau das Richtige. Leider ist es ein wenig unpersönlicher.
  • Das Fazit: Die SB-Kasse ist schon beim ersten Einkauf schnell verstanden, und somit ist die gewünschte Zeitersparnis deutlich zu spüren.

Die Kasse mit Kassierer 

  • Das Modell: Das klassische Einkaufen mit Kassierer. Man nimmt aus dem Regal, was man braucht und reiht sich an der Kasse ein.
  • Die Eindrücke: Die Begrüßung, das Bezahlen und Einpacken nimmt mehr Zeit in Anspruch, es fühlt sich aber persönlicher an. Die Kassiererin scheint routiniert. Nach dem Bezahlen müssen die Produkte vom Band wieder in den Wagen.
  • Das Fazit: Positiv ist der persönlichere Kontakt mit dem Kassierer und womöglich der eine oder andere Plausch mit dem Vor- oder Hintermann. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass man in der Schlange steht – und es einfach länger dauert. Außerdem hat der Kunde hier doppelte Arbeit: Er legt die Waren erst in den Einkaufswagen, dann aufs Band, dann wieder in den Einkaufswagen – und womöglich dann ins Auto.

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