Studie der Uni Kassel

Talentsuche aus der Vogelperspektive: Gute Tennisspieler holen weit aus

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Ausnahmetalent: Mit 17 Jahren gewann Boris Becker 1985 das Wimbledon-Turnier.

Kassel. Wie lassen sich junge Tennistalente erkennen? Ein Blickwechsel hilft: Sportwissenschaftler der Uni Kassel blicken bei einer Studie aus der Vogelperspektive auf die Spieler. 

Als Boris Becker den Wimbledon-Pokal 1985 in die Höhe streckte, stellte er einen bis heute unerreichten Rekord auf: Mit gerade einmal 17 Jahren gewann das deutsche Jahrhunderttalent als jüngster Spieler aller Zeiten das bedeutendste Tennisturnier. Sein erster Trainer war Günther Bosch. Bereits mit neun Jahren überzeugte Becker ihn mit seinem Talent.

Doch wie kann man vielversprechende Tennisspieler in jungen Jahren überhaupt erkennen? Der Kasseler Sportwissenschaftler Prof. Dr. Armin Kibele ist mit seinen Mitarbeitern dieser Frage nachgegangen. Der Leiter des Fachgebiets Training und Bewegung hat sich in einer Studie dabei auf die Schlaggeschwindigkeit junger Tennisspieler konzentriert.

Blick von Oben: So haben die Kasseler Forscher die Oberkörperdrehung gemessen.

In einer Vorgängeruntersuchung hat der Forscher bereits festgestellt, dass die Geschwindigkeit vor allem davon abhängt, wie weit ein Tennisspieler mit der Oberkörperdrehung ausholt. Je weiter sich die Schulterachse zur Grundlinie des Spielfelds dreht, desto weiter holt man aus. „Das Ergebnis trifft in erster Linie auf die beidhändige Rückhand zu“, erklärt Kibele. „Auch bei der Vorhand bestimmt die Ausholbewegung die Schlaggeschwindigkeit. Aber hier spielen auch das Schulter,- Ellenbogen- und Handgelenk eine wichtige Rolle.“

Nun wollte der Sportwissenschaftler wissen, wie talentierte Spieler bei schnellen Ballwechseln ausholen. Dafür verglichen Kibele und sein Team junge Bezirks- und Kreiskaderspieler. Sie filmten in der Halle des TC 31 in Kassel beide Untersuchungsgruppen von oben, während diese Bälle durch eine Ballmaschine in unterschiedlich starken Frequenzen zugespielt bekamen. So konnten die Forscher analysieren, wie weit die Spieler mit der Schulterachse ausholen.

Das Ergebnis

Sowohl bei Vorhand- als auch bei Rückhandschlägen holten die höherklassigen Bezirkskaderspieler weiter aus. Bei sehr hohen Ballfrequenzen waren die Unterschiede besonders groß: „Gute Spieler können also auch bei schnellen Ballwechseln den Ball immer noch mit hoher Geschwindigkeit zurückspielen“, sagt Kibele.

Das Ergebnis zeigt, dass eine Technikanalyse aus der Vogelperspektive für die Talentsichtung genutzt werden kann. Zur verfrühten Selektion von Talenten solle sie aber nicht führen, gibt der Sportprofessor zu bedenken: „Die Schlaggeschwindigkeit ist nur ein Indikator, um Talente zu erkennen. Tennisspieler benötigen auch andere Fähigkeiten.“ So könnten zu kleine Ausholbewegungen neben einem Mangel an technischen Fähigkeiten auch mit mangelnder Fitness zu tun haben.

Die Studie wurde vom Land über das Transfer- und Anwendungszentrum Sport in Kassel (TASK) gefördert. TASK ist ein Gemeinschaftsprojekt von Universität und Stadt, um sportbezogene Fragen durch eine wissenschaftliche Erforschung in die praktische Anwendung zu bringen.

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