Forschung zu Sturzprävention

Trainieren gegen Stürze: Senioren für Studie gesucht

Welches Training wirkt am besten: Bereits vor zwei Jahren haben die Kasseler Wissenschaftler eine Studie zur Sturzprävention mit Senioren aus der Region gemacht. Unser Bild von 2014 zeigt Doktorand Nils Eckardt mit der Teilnehmerin Freya Ritter. Archivfoto: Zgoll

Kassel. Ein Ausrutscher auf nassem Laub, ein unbedachter Schritt, ein kurzer Schwindel – und man stürzt. Diese Vorstellung macht vielen älteren Menschen Angst. Sportwissenschaftler der Universität Kassel erforschen, wie Stürzen durch gezieltes Training vorgebeugt werden kann.

Dazu planen sie im neuen Jahr eine Studie, für die noch Teilnehmer gesucht werden.

Armin Kibele

Bereits vor zwei Jahren haben die Wissenschaftler mit Hilfe von Senioren aus der Region untersucht, welche Übungsmethoden am wirksamsten für die Sturzprävention sind. Dabei hat sich herausgestellt, dass der Einbau von instabilen Elementen wie Schaumkissen oder Wackelbrettern hilfreich ist. Nun will das Team um Prof. Dr. Armin Kibele vom Fachgebiet Training und Bewegung weitere Erkenntnisse gewinnen.

Ein besonderes Augenmerk richte man auf der Kräftigung des stabilisierenden Muskulatur, erklärt Kibele. Das sind Muskeln, die die Bewegungen wie Treppensteigen, Laufen oder Heben stabilisieren. „Anders als bei Kinder, die auf Bäume klettern, umherspringen und raufen, wird bei älteren Menschen diese Muskulatur kaum noch gefordert“, sagt Kibele. Er vermutet, dass im Alter, wenn die Kraft generell nachlässt, die stabilisierende Muskulatur schneller abbaut als die Hauptantriebsmuskulatur, mit der die Bewegung gesteuert wird. „Wenn ein zu starkes Ungleichgewicht zwischen diesen Muskelgruppen entsteht, könnte das Stürze begünstigen.“ Diese Hypothese soll in der Studie überprüft werden.

Trainieren wie Fußballprofis

Dazu werden die Teilnehmer in drei Gruppen eingeteilt, die jeweils unterschiedliche Trainings absolvieren. Neben einem normalen Krafttraining an Geräten unter stabilen Bedingungen gibt es ein Lastentraining unter Instabilität. Dabei müssen die Senioren auf wackeligem Untergrund Gewichte heben. Die dritte Gruppe trainiert speziell die stabilisierende Muskulatur, allerdings ohne dass Wackel-Elemente eingebaut sind. Dabei kommen unter anderem Gummibänder an den Beinen zum Einsatz, mit denen die Oberschenkelmuskulatur gekräftigt werden soll. „Fußballfans kennen das vielleicht aus dem Fernsehen vom Training der Nationalelf“, sagt Kibele.

Neben den körperlichen Auswirkungen der Übungen haben die Forscher in der neuen Studie auch die Psyche im Blick. „Viele ältere Menschen schätzen ihre Leistungsfähigkeit geringer ein, als sie tatsächlich ist“, sagt der 58-jährige Wissenschaftler. Die Folge: Sie muten sich weniger zu, sodass mangels Herausforderungen der körperliche Abbau beschleunigt wird. Möglicherweise könne sportliches Training auch das Selbstvertrauen der Senioren stärken, sagt Kibele.

Um das zu überprüfen, sollen den Teilnehmern Videos von potenziellen Gefahrensituationen wie einem vereisten Weg oder einer Schlaglochpiste vorgeführt werden. Die Senioren sollen dann angeben, ob sie sich dem Szenario gewachsen fühlen. Vielleicht sehen sie nach dem Training die Welt mit anderen Augen.

Teilnehmer ab 65 Jahren gesucht

Für die Sturzpräventionsstudie werden 100 Teilnehmer im Alter zwischen 65 und 80 Jahren gesucht, die noch nicht einem regelmäßigen Krafttraining nachgehen. Am Donnerstag, 15. Dezember, 16 Uhr findet im Bürgersaal des Rathauses in Kassel eine Info-Veranstaltung für Interessierte statt. Die Teilnehmer sollten zwischen Anfang Januar und Anfang April Zeit haben, zweimal pro Woche zum Training im Fitnessstudio der Uni an der Damaschkstraße 25 zu kommen. Ausschlusskriterien für eine Teilnahme sind künstliche Gelenke, Herzschrittmacher, chronische Schmerzen, eine OP in den letzten sechs Monaten und Erkrankungen wie Diabetes, Osteoporose oder Herzleiden. Infos und Kontakt: akibele@uni-kassel.de, Tel. 0561/804-5397 Die Studie wird vom Land Hessen über das Transfer- und Anwendungszentrum Sport in Kassel (TASK) gefördert.

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