Bau im Auepark ökologisch nicht vertretbar

Umweltverband BUND gegen zweite Eishalle in Kassel

Neben Fußball- und Hockeyplatz soll südlich des Auestadions eine zweite Eishalle gebaut werden
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Umstritten: Neben Fußball- und Hockeyplatz soll südlich des Auestadions eine zweite Eishalle gebaut werden.

2022 - so die im vergangenen Jahr vorgestellten Pläne - könnte es eine zweite Eishalle in Kassel geben. Nun schlägt allerdings der BUND Alarm.

Kassel – Vor gut einem Jahr haben Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) Pläne für eine zweite Eishalle vorgestellt, die im Sportareal Auepark gebaut werden soll – auf eine Fläche, auf der sich derzeit noch ein Kunstrasenplatz befindet. Die neue Halle soll von der städtischen Tochtergesellschaft „GWG pro“ geplant, gebaut und betrieben werden. Wenn alles glatt laufe, könnte die Halle, die ausschließlich für den Amateursport gedacht ist, 2022 fertiggestellt sein, hieß es im Sommer 2019.

Mittlerweile hat der BUND Alarm geschlagen und sich eindeutig gegen den Bau der Eishalle an dieser Stelle an der Straße „Am Sportzentrum“ ausgesprochen. Die Eissporthallenplanung beeinträchtige das Stadtklima, schade dem Breitensport und sei ökologisch nicht vertretbar, sagt Prof. Lutz Katzschner, Kreisvorstand und Landesvorstandssprecher des BUND Hessen.

Katzschner zählt drei Punkte auf, die gegen die zweite Halle sprechen: Erstens werde der Breitensport Opfer dieser Planung. Obwohl in der Stadt dringend Sportflächen benötigt würden, sollen für die Eissporthalle zwei Sportplätze, ein intakter Kunstrasenplatz mit Umkleide- und Toilettengebäuden und einer Flutlichtanlage und ein Naturrasenplatz wegfallen. Ob und wo Ersatzplätze wieder hergestellt werden sollen, ist offen, so Katzschner. Ebenso die Finanzierung der dafür benötigten 700 000 bis 800 000 Euro.

Der zweite Punkt, der gegen den Hallenbau spreche, so der Umweltschützer, sei der Wegfall von knapp 100 Laubbaum-Hochstämmen, darunter 16 Beuys-Bäumen. Zudem müssten 979 Quadratmeter Baumhecke am Westrand der Sportplätze und 206 Quadratmeter einer weiteren Halle weichen.

Drittens: Die Baufläche der geplanten Eissporthalle liege mitten in der Luftleitbahn, die die Innenstadt mit Frischluft versorgt. Der Landschaftsplan des Zweckverbands Raum Kassel fordere deshalb, die „stadtklimatisch bedeutsamste Ventilationsbahn“ offen zu halten. Dort dürften keine großen Baukörper, wie der einer Eissporthalle, hingestellt werden. Der Umweltverband sehe darin eine Beeinträchtigung der Gesundheit der Bevölkerung.

Darüber hinaus stehe der Bau der Halle auch im Widerspruch zu den Klimaschutzzielen der Stadt Kassel, da für die Eissporthallennutzer 106 zusätzliche Parkplätze vorgesehen seien, argumentiert Katzschner.

Man habe den BUND um eine freiwillige Stellungnahme zu den Plänen für die zweite Eishalle gebeten, sagt Stadtsprecher Claas Michaelis zu der Kritik. „Alle Stellungnahmen fließen in das eigentliche B-Plan-Verfahren mit ein und werden dann abgewogen. Das ist das normale Prozedere.“

Die Stadt argumentiert, dass der rund zehn Jahre alte Kunstrasenplatz der einzige in Kassel ist, der noch mit Mikroplastik (Gummigranulat) befüllt ist. Das sei nicht mehr zeitgemäß. Eine Umrüstung dieses Platzes wäre mit erheblichen Kosten verbunden. Zudem werde an anderer Stelle ein neuer Fußballplatz entstehen, um den Wegfall zu kompensieren. Es sei nicht korrekt, dass knapp 100 Bäume gefällt werden müssen, wie der BUND kritisiert. Und wie sieht die Planung aktuell aus? Der Bebauungsplan für den Bereich des alten Kunstrasenplatzes, der wegen des veralteten Kunststoffgranulats ohnehin saniert werden müsse, sei in Arbeit, so Michaelis. Die Entscheidung zur Vergabe der Bau- und Planfeststellung soll im Herbst erfolgen. Nächstes Jahr werde es deutlich vorangehen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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