Aus dem Nest gefallen

Kleine Vögel in Not - "So ist die Natur"

+

Kassel. Kohlmeisen-Küken waren in der Südstadt aus ihrem Nest auf die Straße gefallen. Statt einfach weiterzugehen, hielt unser Kollege Tibor Pézsa an und half den kleinen Vögeln.

Er beschreibt seine Erlebnisse von Donnerstagabend:

Plötzlich, mitten auf dem Weg unter dem großen Ahorn an Eppos Gasthaus in der Damaschkestraße in der Kasseler Südstadt, da schaut einen ein gefiedertes kleines Wesen an, anscheinend kaum größer als eine große Hummel.

Es flattert, es krabbelt, es reißt einen kleinen gelben Schnabel weit auf: ein winzig kleines Kohlmeisen-Küken. Und da sind ja noch zwei, eines offenbar schon tot.

Radfahrer brettern hier entlang. Leute lassen ihre Hunde laufen. Katzen und Waschbären sind nicht weit. Der Stärkste von den Kleinen reißt seinen kleinen gelben Schnabel weit auf. Krabbeln können sie auch schon. Aber ein Schuh ist keine Mutter. Was tut man in so einem Fall?

Die Polizei fragen. Natürlich nicht über den Notruf.

Der Beamte am Telefon sagt: Wir finden eine Lösung, ich schaue mal, ob ich einen Wagen vorbeischicken kann. Da kommen Angela Dogan und Ingo Rohrer des Weges, große Tierfreunde. Sie wissen, wen man auch anrufen kann, Dr. Westen Berger. Der kennt sich aus.

Berger sagt: Wenn die Kleinen schon Federn haben, sind es Nestlinge. Dann ist es ganz normal, dass es ihnen irgendwann zu eng wird und sie herumklettern. So ist die Natur: Manche schaffen es, manche nicht. Die Eltern versorgen sie auch außerhalb des Nestes. Wenn sie es schaffen. Man kann sie auch vorsichtig anfassen, falls nötig. Das hält die Eltern nicht davon ab, sie später wieder anzunehmen.

Angela Dogan und Ingo Rohrer

Wir schauen uns an. Sollen wir die Küken hier etwa wieder hinsetzen? Sind wir jetzt die Natur? Und was ist mit den Katzen? Und den Waschbären?

Da kommt die Polizei. Die hat inzwischen den Mann informiert, der Vögel rettet und pflegt, seit sein Opa ihn vor vielen Jahren dazu verdonnerte, einen Spatzen gesund zu pflegen, den der Enkel mit einer Zwille angeschossen hatte: Herbert Groß.

Groß wurde, tja, Vogelzüchter, und zwar in Fuldatal-Ihringshausen. Die Polizei hat den Experten bei der Gartenarbeit erreicht. Falken sind bei ihm zuhause, seit kurzem wieder eine Eule und viele andere Vögel mehr.

Groß ist gleich ins Auto gestiegen. Was wird er tun? Die kleinen Kohlmeisen brauchen als erstes Wasser, sagt er. Dann Mehlwürmer, überhaupt: Würmer. Alle zwei Stunden. Mit der Pinzette.

Werden sie es schaffen? Das wissen wir am Montag, sagt Herbert Groß. Rufen Sie mich dann an. Ich geb mir Mühe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.