Kasselwasser prüft den Bau eines Hochwasser-Schutzwalls

Wenn die Drusel zur Kloake wird: Bei Hochwasser wird Klopapier auf den Spielplatz gespült

Klopapier überall verteilt: Hier die Situation nach einem Hochwasser im Sommer 2018.
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Klopapier überall verteilt: Hier die Situation nach einem Hochwasser im Sommer 2018.

Die Drusel in Kassel tritt nach Starkregen nicht nur häufig über die Ufer, oft schwemmt sie auch Fäkalien mit. Und das stinkt den Anwohnern gewaltig.

Kassel – Mit dem Herbst kommt eine regenreichere Zeit. Was die ausgetrocknete Natur freut, sorgt am Unterlauf der Drusel – auch Kleine Fulda genannt – immer wieder für Probleme. Denn das Flüsschen ist nach Starkregen in der Südstadt schon häufig über die Ufer getreten und hat dabei auch den Spielplatz an der Landaustraße überspült. Weil die Flut meist die Hinterlassenschaften aus der Kasseler Kloake im Gepäck hat, sucht Kasselwasser nach Lösungen.

Die Aufgabe sei nicht einfach, so Karsten Köhler, Sprecher von Kasselwasser. Denn am unteren Ende des Philosophenweges, wo die im Habichtswald entspringende Drusel aus einem unterirdischen Schacht wieder zu Tage tritt, befinde sich auch der sogenannte Hauptsammler-West. „Hier kommt das Abwasser aus dem kompletten Kasseler Westen zusammen. Das ist ein neuralgischer Punkt“, sagt Köhler. Nach starken Regenfällen fließe das Wasser aus der Kanalisation zunächst in das dortige Regenüberlaufbecken. Doch sobald dessen Kapazitätsgrenze von 5000 Kubikmetern erreicht sei, werde das Abwasser über einen Überlauf in die Drusel geleitet. Dies sei ein übliches Vorgehen.

Auf diese Weise gelangen aber etwa auch Fäkalien, Klopapier und Damenbinden in den Fluss. Wenn dieser dann über die Ufer trete, habe man „das Theater auf dem Spielplatz und dem benachbarten Kindergarten“. Aber auch im Bereich des Kulturzeltes an der Drahtbrücke hätten Besucher schon unter der Geruchsbelastung nach solchen Starkregenfällen zu leiden gehabt.

Mit einer ersten Baumaßnahme, die kurz vor dem Abschluss ist, wurde ein Teil des Problems bereits angegangen. So hat Kasselwasser unterhalb des Weinbergs einen Geschiebeschacht installiert. Dieser soll Geröll, Sand und Schlamm, das die Kasseler Abwasserkanäle mit sich führen, zurückhalten. Dieses Material hatte sich über die Monate im Kanal der Kleinen Fulda abgesetzt und diesen verstopft, weshalb er regelmäßig und aufwendig gereinigt werden musste. Dazu mussten schwere Spülfahrzeuge in die Aue fahren, die im Park entsprechende Spuren hinterließen.

Die meiste Zeit fließt sie friedlich: Die Drusel tritt in Höhe des Spielplatzes Landaustraße nach starken Regenfällen immer wieder über die Ufer und spült die Überreste aus der Kloake an.

Der Einbau des neuen Geschiebeschachtes werde aber voraussichtlich nur zu einer geringen Verbesserung der Situation führen, so Köhler. Weitere Schritte seien aber geplant. „Im Gesamten erwarten wir dann auch eine spürbare Entlastung mit den Hygieneartikeln, die wir dort nicht sehen wollen. Es wird aber noch Zeit brauchen, verschiedene konkurrierende Konzepte zu prüfen und aufwendige Genehmigungen zu erlangen“, so der Kasselwasser-Sprecher.

Eine Idee sei der Einbau eines Siebes oder Rechens, um Hygieneartikel und andere Feststoffe bei einer Überflutung zurückzuhalten. Allerdings dürfe dies nicht dazu führen, dass das Wasser zusätzlich gestaut werde.

Eine weitere Idee ist der Bau eines Hochwasser-Schutzwalls an der Kleinen Fulda parallel zum Kindergarten und Spielplatz. Noch handele es sich aber um vorläufige Ideenkonzepte, teilt die Stadt auf HNA-Anfrage mit. (Bastian Ludwig)

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