Die Wettbewerbe geben den Kick

Tausende Taubenzüchter treffen sich in den Kasseler Messehallen

Glücklich über ihre neue Taube: Silke Kühling ersteigerte diesen Vogel für 4100 Euro. Die Frau hat eine Zucht in Balve (Sauerland). Fotos:  Schachtschneider

Kassel. Silke Kühling aus Balve strahlte am Samstagmittag übers ganze Gesicht, als sie ihre gerade ersteigerte Taube von der Bühne abholte.

„Das ist ein ganz außergewöhnliches Tier“, sagte die Züchterin aus dem Sauerland. „Die Letzte aus ihrer Linie.“ Deshalb sei sie auch bereit gewesen, 4100 Euro für die Taube auszugeben. „Wir haben eine sehr erfolgreiche Zucht.“

Das war nicht die einzige Taube, die am Wochenende für mehrere tausend Euro in den Messehallen den Eigentümer wechselte. So mancher Taubenzüchter war bereit, für sein Hobby tief in die Tasche zu greifen. „Vor zwei Jahren ist hier eine Taube gar für 8000 Euro versteigert worden“, sagt Irma Kreutzfeldt, die am Wochenende bereits zum 27. Mal den Internationalen Taubenmarkt in Kassel veranstaltete.

„Man verbindet mit Tauben immer noch das Arbeiterimage. Aber es interessieren sich auch sehr viele reiche Menschen dafür.“

Das machte sie in diesem Jahr zum ersten Mal ohne ihren Mann. Uwe Kreutzfeldt, mit dem sie zusammen die weltweit größte Verkaufsmesse für Züchter von Brieftauben in Kassel etabliert hat, ist im April im Alter von 72 Jahren gestorben.

Jetzt führt Irma Kreutzfeldt gemeinsam mit ihrem Sohn Oliver die Geschäfte. „Es muss ja weitergehen.“ Zudem mache ihr diese Veranstaltung nach wie vor sehr großen Spaß. Zwischen 15 000 und 20 000 Besucher (genaue Zahlen gibt es nicht, da Frauen keinen Eintritt zahlen) aus der ganzen Welt waren an diesem Wochenende wieder in Kassel, um neue Tauben, Futter, Käfige, Literatur und allerlei andere Dinge, die man im Taubenschlag benötigt, zu kaufen.

„Man verbindet mit Tauben immer noch das Arbeiterimage. Aber es interessieren sich auch sehr viele reiche Menschen dafür“, sagt Irma Kreutzfeldt. Selbst aus Afrika, China und Südamerika begrüßte sie wieder Besucher.

Für die Kreutzfeldts ist das internationale Publikum wichtig. „Denn in Deutschland ist die Taubenzucht total im Keller“, sagt die Veranstalterin. Der Nachwuchs fehlt. Anders sei das in Osteuropa, wo die Zucht auch bei jungen Menschen „sehr geachtet“ sei.

Der 29-jährige Ariel Thiemel lebt zwar in Mannheim, stammt aber aus Polen. Seit zwei Jahren züchtet er selbst Tauben. Ihn fasziniere es einfach, dass die Tauben immer wieder den Weg nach Hause finden, auch aus 600 Kilometern Entfernung.

Der 31-jährige Florian Grundmeier aus Brabach (Westerwald) gehört zu den wenigen jungen Brieftaubenzüchtern, die es noch gibt. „Die Jugend hat heute andere Interessen. Tauben sind mit viel Arbeit verbunden und kosten Geld“, sagt er. Und was macht den Reiz an dem Hobby aus? „Die Wettbewerbe, sich mit anderen messen zu können. Das ist der Kick.“

Manfred Fossen aus Grevenbroich macht Raubvögel für das Sterben der Taubenzüchter verantwortlich. Seitdem Wanderfalke, Sperber und Habicht unter Naturschutz stünden, vermehrten sie sich überproportional und gingen auf Taubenjagd. „Das macht vielen Züchtern keine Spaß mehr“, sagt Fossen. Deshalb würden jedes Jahr etwa zehn Prozent ihr Hobby aufgeben.

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