Angst der Einheimischen

Mordserie in Schweden: Nordhessisches Paar berichtet

Kassel. „Das hätte von dem Krimischriftsteller Henning Mankell sein können“, sagt Klaus B. Der Mann aus Nordhessen spricht über die Mordserie, die die Bevölkerung auf der schwedischen Ostseeinsel Öland seit dem Jahr 2005 in Schrecken versetzt.

Mindestens vier Menschen wurden seitdem im Umkreis von 20 Kilometern auf bestialische Weise ermordet - zuletzt im Dezember 2012. Zwei weitere Menschen kamen unter mysteriösen Umständen in den Flammen um. Klaus B. (Name der Redaktion bekannt) und seine Frau Maria verbringen seit 16 Jahren ihren Urlaub auf Öland, im nördlichen Teil der Insel. Dort, wo im August 2006 ein einheimisches Ehepaar in seinem Haus ermordet worden war. Die Nordhessen kannten die beiden vom Sehen. Mit der Schwester des Ermordeten waren sie näher bekannt, da diese damals in Nachbarschaft ihres Feriendomizils lebte. Die Frau habe den grausamen Tod ihrer Angehörigen nicht verkraftet, erzählt das Paar.

„Alle Türen standen auf Öland immer offen. Seit dem ersten Doppelmord ist das nicht mehr der Fall.“ Klaus B.

Auch bei den anderen Einheimischen hätten die Verbrechen Spuren hinterlassen. „Eigentlich ist es tragisch. Schweden ist ein offenes und gastfreundliches Land. Alle Türen standen auf Öland immer offen. Seit dem ersten Doppelmord ist das nicht mehr der Fall“, sagt Klaus B. Diese Tat sei wie ein Sündenfall für die Insel gewesen.

Maria und Klaus B. stehen in regelmäßigem telefonischem Kontakt zu ihren schwedischen Freunden. Seit dem letzten Doppelmord am 13. Dezember berichteten die schwedischen Zeitungen über die Taten. „Aber wirklich Neues steht nicht in den Zeitungen. Alle halten sich bedeckt“, sagt Maria B. Auf Öland kenne jeder jeden. Viele Menschen seien miteinander verwandt. „Viele glauben zu wissen, wer die Morde begangen hat“, erzählen die Nordhessen. „Aber niemand äußert sich öffentlich.“

Beweise fehlten

Nach dem ersten Mord im Sommer 2006 musste sich ein Tatverdächtiger vor Gericht verantworten. Letztlich fehlten die Beweise, und der Mann wurde freigesprochen. Diesen Einheimischen kennen die Nordhessen vom Sehen ebenfalls. Man sehe ihn im Auto oder beim Einkaufen.

Nach dem jüngsten Doppelmord an dem Paar Gustaf und Annika habe die Polizei an den Wochenenden eine mobile Wache auf Öland eingerichtet, damit die Bevölkerung auch eine Anlaufstelle habe, um über ihre Ängste zu sprechen. Ein Polizeirevier gebe es auf der Insel nämlich nicht. Raubüberfälle kämen auf Öland nicht vor. Höchstens mal ein Trunkenheitsdelikt.

Maria und Klaus B. haben trotz der Morde keine Angst davor, wieder auf ihre geliebte Insel zu reisen. Sie sind sich sicher, dass der Serienmörder es nicht auf Touristen abgesehen hat. „Das ist kein Irrer, sondern einer, der gezielt und durchdacht vorgeht“, sagt Maria B. Ihr Mann vermutet, dass das Motiv in den sozialen Kontakten der Einheimischen liegt. Er stimmt zu, dass die Taten etwas Düsteres haben, das die Menschen beschäftigt. So wie die Schweden-Krimis.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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