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Verzweifelte Suche nach Chico: Hund entlief in der Straßenbahn - Nun ist er wieder da

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Von: Matthias Lohr

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Schock für ein Kasseler Ehepaar: Schäferhund Chico steigt allein in die Straßenbahn ein und war verschwunden. Am Montag tauchte er wieder auf.

Aktualisiert am 14.11.2022, 16.15 Uhr: Am Montagnachmittag meldete sich Ingrid Roberts überglücklich in der HNA-Redaktion: Ihr Schäferhund Chico ist wieder da. Drei Tage lang hatten die 65-Jährige und ihr Mann Dieter Haist den Rüden gesucht. Chico war am Samstag an der Haltestelle Rhönplatz in Süsterfeld-Helleböhn in die Straßenbahn gestiegen und weggefahren.

Das Ehepaar hatte ihn nur kurz aus den Augen verloren. Am Montag meldete sich eine HNA-Leserin bei Roberts, die den Artikel über Chico in unserer Zeitung gelesen hatte. Ihr Sohn habe den Hund bei einem Mann in Niederzwehren gesehen. Roberts fuhr zu dem Haus, klingelte, und bald lief ihr Chico entgegen.

Der Mann hatte Chico in der Straßenbahn gefunden und nicht gewusst, dass dies Kassels momentan bekanntester Hund ist. Er hatte ihn gestern beim Tierheim melden wollen. Roberts bedankte sich mit einem Finderlohn und sagte uns: „Meine Freude und Dankbarkeit sind grenzenlos.“

Erstmeldung vom 13.11.2022, 18 Uhr: Kassel – Am Samstag (12. November) kurz nach 11.30 Uhr stieg ein ungewöhnlicher Fahrgast in die Straßenbahn am Rhönplatz in Süsterfeld-Helleböhn ein. Der Schäferhund Chico betrat ohne Frauchen und Herrchen die Linie 3 und fuhr Richtung Mattenberg. Seitdem ist er verschwunden. Seine Besitzer Ingrid Roberts und Dieter Haist aus Kassel waren Samstagmittag gerade in ihrem Vorgarten im Kellerwaldweg, als sie den Vierbeiner für einen Moment aus den Augen verloren und er an der nahe gelegenen Haltestelle in die Tram einstieg.

Seitdem haben sie alles versucht. Bereits am Samstag fuhren sie die Straßenbahnstrecke fünfmal ab – mit dem Rad und mit dem Auto. An jeder Haltestelle riefen und pfiffen sie nach Chico. Sie verständigten Polizei, Feuerwehr und das Tierheim Wau Mau-Insel. Die einzige Spur ergab, dass jemand Chico am Sonntagmorgen unterhalb der Hessenschanze gesehen haben will. Auch das Gebiet dort suchten die Hundehalter ab. Mittlerweile fahnden sie nach dem Tier mit einem Steckbrief, der unter anderem bei Facebook geteilt wurde.

Kassel: Wo ist Hund Chico? „Ich sterbe vor Angst“

Dort schrieb Ingrid Roberts: „Ich sterbe vor Angst.“ Der zehn Jahre alte Hund (Rasse: Deutscher Schäferhund-Mix) lebt seit zwei Jahren bei dem Paar. Zuvor war er in Portugal bei einem Animalhoarder eingesperrt. Dies sind Leute, die krankhaft Tiere sammeln. Tierschützer befreiten Chico und viele Leidensgenossen. Anschließend war der Rüde fünf Jahre im Tierheim. „Er hat acht Jahre die Hölle erlebt“, sagt Roberts, die Chico in Kassel gut erzogen hat. Das Tier sei ganz ruhig und liebe Kinder. Vermutlich habe er sich brav in die Straßenbahn gelegt und gewartet, bis ihm jemand sagt, was er machen soll: „So hat er es gelernt. Dadurch wird er unauffällig“, vermutet Roberts.

Eine Zeugin berichtete, dass sich einige Fahrgäste über den Hund gewundert hätten. Aber niemand habe reagiert. Die KVG habe alle Fahrer informiert. Keiner habe etwas gesehen.

Kassel: Hund steigt in Straßenbahn und verschwindet - Chico braucht Medikamente

Auf dem Steckbrief, den Roberts und ihr Mann verteilt haben, steht auch die Suchdienstnummer S2738704, die die Tierschutzorganisation Tasso vergibt. Der Verein aus Sulzbach im Taunus hilft, wenn Haustiere verschwunden sind. Laut Tasso entlaufen jedes Jahr 31 000 Hunde und 82 000 Katzen.

Ein Herz und eine Seele: Ingrid Roberts mit Chico, der lange in Portugal eingesperrt war und in einem Tierheim lebte. Seit zwei Jahren ist Kassel Chicos zuhause. Nun ist er verschwunden.
Ein Herz und eine Seele: Ingrid Roberts mit Chico, der lange in Portugal eingesperrt war und in einem Tierheim lebte. Seit zwei Jahren ist Kassel Chicos zuhause. Er war in der Tram verschwunden und tauchte einen Tag später wieder auf. © Privat/nh

Chico trägt einen Transponder mit der Zahl und kann daher leicht identifiziert werden. Nur muss er dafür erst einmal gefunden werden. Die Zeit eilt, denn wegen einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse braucht Chico Medikamente, Spezialfutter und Wasser. Noch hat Ingrid Roberts Hoffnung, ihr Tier wiederzusehen. Bei Facebook schrieb ihr ein Bekannter: „Du kriegst ihn wieder. Hunde gehen nicht einfach verloren. Meine Hunde waren schon über Tage nach der Jagd verschwunden und sind trotzdem wieder gekommen. Alles wird gut.“

Hinweise zu Chico an Ingrid Roberts unter 0171 / 925 912 5, die 24-Stunden-Notrufnummer 0 61 90 / 937 300 der Tierschutzorganisation Tasso oder die Polizei. (Matthias Lohr)

Derweil breiten sich in Kassel Waschbären immer weiter aus. Die Stadt bezeichnet sie bereits als „Begleiter der menschlichen Einwohner in der Stadt“.

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