Kein Schuhkarton-Baustil

Für Rentner und Alleinerziehende: GWH baut 250 neue Sozialwohnungen

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Auch so kann sozialer Wohnungsbau aussehen: Dieses Mietshaus in der Samuel-Beckett-Anlage (Vorderer Westen) hat die GWH 2009 mithilfe von Fördergeld errichtet. Es ist für Mieter mit Wohnberechtigungsschein vorgesehen.

Kassel. Die Wohnungsbaugesellschaft GWH will für bis zu 28 Mio. Euro 250 Sozialwohnungen in Kassel bauen.

Dies bestätigte Christian Wedler, Kasseler Geschäftsstellenleiter der GWH, auf HNA-Anfrage. Es ist das erste große Sozialwohnungsbauvorhaben seit vielen Jahren. Es wird von der Stadt und vom Mieterbund Nordhessen befürwortet. Wenn die Stadt zügig Baurecht schaffe, könnten im Frühjahr 2016 die Arbeiten starten, sagt Wedler.

Die Gebäude sollen auf Flächen entstehen, die bereits im Eigentum der zum Land gehörenden GWH sind. Die meisten Baufelder liegen im Stadtteil Helleböhn, der Rest verteilt sich auf Wehlheiden, Fasanenhof und Vorderer Westen. Genaue Standorte will die GWH noch nicht benennen. Es handele sich um acht Anbauten an bestehende Mietshäuser und sechs freistehende Neubauten.

Christian Wedler

Um Sozialwohnungen beziehen zu können, brauchen die Mieter einen Wohnberechtigungsschein von der Stadt. Diese Bescheinigung ist vom Einkommen abhängig. Bei einem Zwei-Personen-Haushalt gilt beispielsweise eine Einkommensgrenze von 34 200 Euro brutto im Jahr. „Ziel ist es, die Mieten so günstig wie möglich zu halten. Sie werden etwa zwischen 6,50 und 7,25 Euro pro Quadratmeter liegen“, sagt Wedler. Wer ungeförderten Wohnraum in Kassel baue, müsse derzeit mindestens zehn Euro verlangen.

Als Mieter hat die GWH etwa Rentner und Alleinerziehende im Blick. Für beide Personenkreise sei es in Kassel immer schwieriger geworden, geeignete Wohnungen zu finden, so Wedler. Für Studenten seien die Wohnungen, die sich vor allem in Helleböhn konzentrieren, wegen ihrer Lage wohl eher uninteressant. Die Größen öffentlich geförderter Wohnungen sind festgelegt: So dürfen sie für einen Ein-Personen-Haushalt nicht größer als 50 Quadratmeter sein, für einen Zwei-Personenhaushalt nicht größer als 60 Quadratmeter und bei drei Personen liegt die Grenze bei 75 Quadratmetern.

Neu gebaute Sozialwohnungen hätten aber nichts mehr mit den Vorstellungen von einer „Schuhkarton-Architektur“ gemein, sagt Wedler. So lasse sich auch mit öffentlicher Förderung „attraktiver Wohnraum“ schaffen. Zuletzt habe die GWH 2009 ein Mietshaus in der Samuel-Beckett-Anlage im Vorderen Westen mittels Zuschüssen realisiert. Auch die geplanten 250 Wohnungen würden barrierefrei gestaltet und entsprächen neuesten energetischen Standards, so Wedler. Bei einem Gespräch mit Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) und dem künftigen Stadtkämmerer Christian Geselle (SPD) hat der Chef der Kasseler GWH-Geschäftsstelle seine Pläne bereits erörtert.

Neben der Landesförderung muss auch die Stadt das Bau-Projekt mit mindestens 10.000 Euro pro Wohnung bezuschussen. Stadtbaurat Christof Nolda hat seine Unterstützung bekundet. Es gebe Bedarf, da in den nächsten fünf Jahren 1800 Sozialwohnungen aus ihrer Bindung herausfielen. Das heißt: Die Vermieter dürfen ihre Mieten dann frei festsetzen und an Personen ohne Wohnberechtigung vermieten.

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