Pfusch am Bau ist Ursache für statische Probleme

Kasseler Olof-Palme-Haus: Einsturzgefahr besteht schon seit 1960

+
1960 erbaut: Die Betonqualität des Olof-Palme-Hauses genügte schon den damaligen Ansprüchen nicht.

Das Kasseler Olof-Palme-Haus ist seit Donnerstag wegen Statikproblemen gesperrt. Nun kommt heraus: Das ehemalige Bürgerhaus ist bereits seit 1960 einsturzgefährdet.

Weil ein Einsturz nicht ausgeschlossen werden kann, hatte die Stadt am Donnerstag das Olof-Palme-Haus gesperrt. Die Probleme mit der Statik sollen auf eine unzureichende Betonqualität zurückzuführen sein. Das teilte Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) mit. Als das heutige Bürgerhaus im Jahr 1960 als Lager- und Verwaltungsgebäude einer Spirituosenfabrik errichtet wurde, mischten demnach die Bauarbeiter dem Beton zu wenig Zement bei.

Aufgeflogen ist der Pfusch am Bau nun fast 60 Jahre nach der Errichtung. Weil das Olof-Palme-Haus, das die Stadt 1981 erworben hatte, saniert werden sollte, wurde der Bauzustand im Vorfeld gründlich untersucht. Fachleute nahmen mehrere Proben aus den Betondecken, der Fassade und den tragenden Stützen. „Dabei stellte sich heraus, dass die Betonfestigkeit schon den damaligen Anforderungen nicht genügte“, sagte Nolda.

Die in den Bauunterlagen vermerkte Betonqualität entspreche nicht dem tatsächlichen Zustand. Weil unter starker Belastung durch Sturm, Schneelast oder viele Menschen eine Gefahr nicht ausgeschlossen werden könne, habe sich die Stadt sicherheitshalber zur Sperrung entschlossen.

Bei den zurückliegenden regelmäßigen Kontrollen der Gebäudestatik sei dieses Problem nicht aufgefallen. Denn bei diesen Überprüfungen würden keine Betonproben genommen, so der Stadtbaurat.

Der Fall sei vergleichbar mit der Paul-Julius-von-Reuter-Schule, wo vergangenen Sommer ebenfalls ein Gebäude wegen mangelhafter Betonqualität gesperrt wurde. Nachdem der Schulbau aus der unmittelbaren Nachkriegszeit geschlossen wurde, prüfte die Stadt weitere öffentliche Gebäude aus dieser Bauzeit – bislang aber ohne Befund.

Indes sucht die Stadt Ausweichquartiere für all jene, die das Olof-Palme-Haus derzeit nutzen. Das sind neben der Volkshochschule und dem Ortsbeirat vor allem Vereine. Entsprechende Kurse müssen nun anderswo stattfinden.  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.