Wie es zum Vorfall kam 

Nach Hundeangriff auf Schüler in Kassel: Auch das Ordnungsamt ermittelt

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Der Tatort in Süsterfeld-Helleböhn: Hier wurde die Schülergruppe am Freitag von dem Dobermann-Mischling angegriffen. 

Kassel. Ein Schüler der Fridtjof-Nansen-Schule ist am Freitag von einem Mischling aus Dobermann und Belgischem Schäferhund gebissen und schwer verletzt worden. Er musste noch Montag behandelt werden. 

Auch drei Mädchen erlitten Verletzungen. Die insgesamt 60 Schüler der Jahrgangsstufe 3 gerieten in Panik. Fragen und Antworten zu dem Fall.

Wo genau ist es zu dem Zwischenfall gekommen? 

Der Zwischenfall ereignete sich am vergangenen Freitag gegen 12 Uhr im Glockenbruchweg, Stadtteil Süsterfeld-Helleböhn. Die Kinder waren von der Fridtjof-Nansen-Schule unterwegs zu einem neu gestalteten Spielplatz, der sich zwischen dem Glockenbruchweg und der Straße „Am Rennsteig“ befindet, die wiederum direkt an der Bahnstrecke liegt. Annähernd 200 Meter vor dem Ziel ist es auf dem Glockenbruchweg zu dem Zwischenfall gekommen – im Teilstück zwischen Eifelweg und Spessartweg.

Die Kinder sollen in Panik geraten sein, als der Hund auf sie zulief und angriff. Für sie war es eine Ausnahmesituation. Nur: Wie sollten sie sich in solch einer brenzligen Lage am besten verhalten?

Patricia Both, die Leiterin der Hundeschule „Martin Rütter DOGS Kassel“ in Fuldatal, sagt: „Eigentlich sollte man in einem solchen Fall stehen bleiben, den Blick vom Hund abwenden und nicht kreischend wegrennen. Man sollte sich also so unauffällig wie möglich verhalten.“

Allerdings weiß Both, dass dies leichter gesagt als getan ist, gerade wenn – mitunter auch noch viele – Kinder im Spiel sind, die in einem solchen Fall schnell anfangen zu schreien. Gerade auf solche Schreie könnte der Hund wiederum anspringen – erst recht, wenn er auch noch jung ist. Laut Angaben der Stadt Kassel war der angreifende Hund ein Jahr alt. Insofern kam hier alles zusammen.

Solch ein Mischling aus Dobermann und Schäferhund hat am Freitag den achtjährigen Schüler gebissen. Auf diesem Archivfoto handelt es sich um einen anderen Hund.

Was muss der Hundehalter beachten?

Hält sich – wie hier – ein Hund im Garten auf, muss der Hundehalter dafür Sorge tragen, dass sein Tier nicht auf die Straße läuft. Im vorliegenden Fall hätte also überprüft werden müssen, ob der Zaun hoch genug ist, damit der Hund nicht unbeaufsichtigt das Grundstück verlässt.

Generell angeleint sein muss der Hund auf der Straße allerdings nicht. Die Anleinpflicht gilt in Kassel nur in Gaststätten, in öffentlichen Verkehrsmitteln, bei öffentlichen Versammlungen, Aufzügen, Volksfesten, Märkten und Messen, bei Veranstaltungen mit größeren Menschenansammlungen, in ausgewiesenen Park- und Grünanlagen und in der Fußgängerzone.

Wie haben die Drittklässler darauf reagiert, dass einer ihrer Mitschüler von dem Hund gebissen worden ist?

Nach der Attacke seien zwei Lehrer mit den unverletzten Kindern, die alle durcheinander waren, zu dem Spielplatz gegangen, damit diese sich wieder etwas beruhigen, sagt Schulleiterin Claudia Laaber.

Die anderen beiden Lehrer seien bei den vier verletzten Kindern geblieben und hätten Notarzt und Polizei gerufen, die bald darauf am Tatort eintrafen.

Der Vorfall sei am Montag auch noch mal in den Stuhlkreisen der Klassen besprochen worden. Sollte diese Aufarbeitung den Kindern nicht ausreichen, könne man bei Bedarf einen Schulpsychologen zur Hilfe holen.

Wieso sind die Kinder zu dem Spielplatz gegangen?

Der Spielplatz ist in den vergangenen neun Monaten neu gestaltet worden und stellt seit Donnerstag vergangener Woche eine gewisse Attraktion dar. Alle Drittklässler sollten ihn am Freitagmittag mit ihren Lehrern kennenlernen, erklärt die Schulleiterin den Grund für den kleinen Ausflug.

Was passiert nun mit dem Hund?

Neben der Polizei hat auch das Ordnungsamt der Stadt Kassel umgehend Ermittlungen in diesem Fall aufgenommen. Erste Erkenntnis: Weder die aus Kassel kommende Hundehalterin noch ihr Hund sind bisher in irgendeiner Weise auffällig geworden.

Der Hund wird nun von einem Sachverständigen begutachtet. Danach entscheidet sich, was mit ihm geschieht. Bis dahin hat das Ordnungsamt der Halterin zur Auflage gemacht, den Hund an der Leine zu führen. Er muss darüber hinaus einen Maulkorb tragen.

Die Tiere der Rassen Dobermann und Belgischer Schäferhund gehören im Übrigen nicht zu den Hunden, die in Deutschland als gefährlich eingestuft werden – und für die besondere Regeln gelten. 

Hier griff der Hund an

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