Folgen der Süsterfeld-Insolvenz: Kein Vereinsheim für Jugendfußballer

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Wollen wieder richtige Heimspiele: Die F-Jugend ist beim Training, und die Kinder wollen dabei auch in das Vereinshaus (im Hintergrund). Vordere Reihe (von links): Julius (7 Jahre), Berkant (8), Dan Eddie (8), Max (8) und Kaja (6), hintere Reihe v.l.: Lukas (9), Carl (8), Khaibar (7), Altuk (8), Ulrich (7), Baris (9), Andreas (8) und Vitali (9).

Süsterfeld-Helleböhn. Keine Toiletten, keine Umkleiden, kein fließend Wasser, kein Strom, keine Heimspiele vor Ort. Die Nachwuchsfußballer in Süsterfeld-Helleböhn müssen auf vieles verzichten.

Zwar können die Jugendmannschaften des TSV auf dem gut gepflegten Platz am Schwarzwaldweg trainieren. Das Christoph-Tombrink-Haus, in dem sich drei Umkleiden und zwei Toiletten befinden, dürfen sie aber nicht nutzen. Das liegt daran, dass das Clubhaus dem VfB Süsterfeld gehörte, der vor einem Jahr pleite ging.

Die Insolvenz ist Ende 2010 mangels Masse abgelehnt worden, die Abwicklung des damit als aufgelöst geltenden Vereins ist aber noch nicht erfolgt (siehe Hintergrund). Mehr als drei Dutzend Gläubiger haben offenbar noch Ansprüche gegenüber dem VfB.

2008 hatte Mehmet Göker, der damalige Chef des Versicherungsvermittlers MEG AG, den Verein übernommen. Mit der MEG-Pleite Ende 2009 war wenig später auch das Ende des Süsterfelder Sportvereins besiegelt. Nach der VfB-Insolvenz hatte der TSV Süsterfeld-Helleböhn eine Sparte für Kinder- und Jugendfußball gegründet, um das Sportangebot im Stadtteil nicht eingehen zu lassen. Der Zulauf von Kindern zwischen sechs und neun Jahren (E- und F-Jugend) sei eigentlich groß, berichtet Trainer Ferdi Sander vom TSV. Wegen der mangelhaften Rahmenbedingungen kehrten aber vermehrt junge Mitglieder dem Verein den Rücken. Die C-Jugend sei wegen der Probleme bereits eingegangen. Und die Kicker der F-Jugend müssen ihre Heimspiele jetzt auf den Waldauer Wiesen absolvieren.

Auch die Eltern sind unzufrieden mit der Situation. Für Heimspiele müssen Fahrdienste organisiert werden, und im fremden Stadtteil gibt es nur wenig Publikum. „Bei Auswärtsspielen sehen die Kinder, wie das funktionieren kann, mit Beifall und Grillen und allem Drum und Dran. Das macht sie richtig traurig“, sagt Anja von Rautenberg.

Ebenso stört die Mutter, dass es keine ordentlichen Toiletten gibt. Bis vor Kurzem mussten die Kinder in die Büsche gehen, jetzt hat die Stadt zwei mobile Toilettenhäuschen für vorerst zwei Monate aufgestellt.

„Das ist zwar eine gute Geste“, sagt Anja von Rautenberg im Namen der Eltern, „aber wir alle wissen, wie unangenehm Dixi-Klos sind, vor allem bei Hitze. Das kann nur eine Übergangslösung sein.“ Nicht gelöst sei nach wie vor die Wasserversorgung. „Bei anderthalb Stunden Training muss man sich immer Sommer auch mal das Gesicht waschen können.“

Auch die F-Jugend-Spieler monieren, sich in die Büsche schlagen zu müssen. „Wenn mal ein Mädchen kommt, ist das peinlich“, sagt Andi. Seinen Mannschaftskollegen Carl stört viel mehr, dass zwar das Training, aber keine wichtigen Spiele auf dem eigenen Platz stattfinden. „Ich will endlich mal wieder ein richtiges Heimspiel haben“, sagt der Achtjährige. Doch das wird erst gehen, wenn das Clubhaus wieder zur Verfügung steht.

Von Katja Rudolph

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