Umzug ins Gewerbegebiet Langes Feld um

Platz für Wohnraum in Kassel: Großhändler Jordan zieht um

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Machen gemeinsame Sache zum Wohle der Stadt (von links): Oberbürgermeister Christian Geselle, Unternehmer Jörg Ludwig Jordan und GWH-Projektchef Christian Wedler. 

Kassel. Jetzt ist es amtlich: Der Kasseler Fußbodenbelags- und Holzgroßhändler Jordan zieht mit seinen großen Lagerflächen im Glockenbruchweg und in der Eugen-Richter-Straße ins neue Gewerbegebiet „Langes Feld“ und macht im Stadtteil Süsterfeld-Helleböhn Platz für dringend notwendige Wohnbebauung.

Geschäftsführer Jörg Ludwig Jordan und Oberbürgermeister Christian Geselle unterzeichneten gestern entsprechende Kaufverträge. Demnach erwirbt das Kasseler Traditionsunternehmen, das im kommenden Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, eine Fläche von mehr als 50 000 Quadratmetern im „Langen Feld“, wovon er zunächst 35 000 mit vier zusammenhängenden Hallen bebauen will. 

Dort sollen nach Angaben Jordans das europaweite Zentrallager, das Regionaldepot, ein Bearbeitungszentrum, Produktentwicklung, Marketing und Betriebsrestaurant untergebracht werden. Zur Höhe der Investition macht Jordan keine Angaben. Die Keimzelle der Jordan-Gruppe zwischen dem ehemaligen Bahnhof Niederzwehren und der Straße „An der Kurhessenhalle“ ist vom geplanten Umzug nicht betroffen. Firmensitz und Holzhandel bleiben somit, wo sie sind. 

Die Bauarbeiten im „Langen Feld“ sollen bereits im Herbst beginnen und innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden. Danach erst beginnt der Umzug. Dann übernimmt die GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen, ein Tochterunternehmen der Landesbank Hessen-Thüringen, drei Viertel der frei werdenden Flächen im Mischgebiet Süsterfeld, um dort Reihenhäuser und sowohl staatlich geförderte als auch frei finanzierte Mietwohnungen zu bauen. 

Ziel ist es, bezahlbaren Wohnraum, inbesondere für junge Familien, zu schaffen. Wie viele Einheiten in dem Riegel zwischen Bahnstrecke und Eugen-Richter-Straße entstehen, ist unklar. GWH-Bauprojekte-Chef Christian Wedler spricht von einer dreistelligen Zahl.

Das Firmengelände und der Firmensitz von Jodan in Kassel. 

Jubiläumsfeier in neuen Hallen 

Im kommenden Jahr feiert der Kasseler Fußbodenbelag- und Holzgroßhändler Jordan sein 100-jähriges Bestehen und will es richtig krachen lassen. Eingeladen sind neben zahlreichen Kunden und Geschäftspartnern vor allem die 1350 Mitarbeiter, die verstreut in den 66 Niederlassungen im Bundesgebiet sowie in Österreich, der Schweiz und Polen für das Familienunternehmen tätig sind.

Es wird Rückblicke, Reden, Gratulationen und Präsente geben. Das größte Geburtstagsgeschenk macht sich das Unternehmen aber selbst: ein neues Zentrallager und Regionaldepot für Fußbodenbeläge und Heimtextilien im neuen Gewerbegebiet „Langes Feld“ in Niederzwehren. Und genau in den neuen Hallen soll der runde Geburtstag gebührend begangen werden.

„Der Zeitpunkt, auf die grüne Wiese zu bauen, ist gekommen“, sagte Jörg Ludwig Jordan gestern bei Vorstellung der Investitionspläne. Er führt das Unternehmen in dritter Generation. Wie viel Geld er in die Hand nimmt, sagt er nicht, aber man muss kein Baufachmann sein, um auszurechnen, dass er einen Betrag im unteren zweistelligen Millionenbereich investieren wird.

In der Halle im Glockenbruchweg, die Jordan seit gut 50 Jahren nutzt, sowie in der ehemaligen Coca-Cola-Abfüllung in der Eugen-Richter-Straße (seit 2012) ist es angesichts der anhaltenden Expansion des Traditionsunternehmens eng geworden. Überdies sind die Arbeitsabläufe umständlich. Im „Langen Feld“ sollen sie nun optimiert, Abteilungen gebündelt, Prozesse vereinfacht werden. Davon verspricht sich Jordan Erleichterungen und deutliche Verbesserungen. „Und dort haben wir Entwicklungsmöglichkeiten“, sagt Jordan, der zugleich Präsident der Industrie- und Handelskammer ist.

Für Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle ist die Entscheidung des Handelsunternehmens zur Umsiedelung in zweierlei Hinsicht ein Gewinn für die Stadt. Zum eine werde die Jordan-Investition der Leuchtturm im vorgezogenen zweiten Bauabschnitt des insgesamt 76 Hektar großen Gewerbegebiets Zum anderen ermöglicht die frei werdende Fläche im Süsterfeld eine wichtige städtebauliche Entwicklung. Denn nichts braucht die wachsende Stadt derzeit dringlicher als bezahlbaren Wohnraum. „Wir müssen weitere Wanderungsverluste ins Umland vermeiden“, so das Stadtoberhaupt.

Den Wohnraum will die GWH schaffen, wenn das Unternehmen den Riegel zwischen Bahnstrecke, Eugen-Richter Straße, Am Rennsteig und Brückenweg freigegeben hat. Eine „win-win-win-Situation“ also, wie Jordan feststellt. Er veräußert etwa drei Viertel der fraglichen Fläche an die GWH, die in Helleböhn bereits 1500 Wohnungen und in Kassel 6000 Wohneinheiten ihr Eigen nennt. Den Rest der Fläche behält Jordan, weil sie vermietet ist oder als Reserve gebraucht wird. Von der geplanten Einwicklung profitieren auch Anwohner und der gesamte Stadtteil. Die Entwicklung eines neuen Quartiers wertet Helleböhn-Süsterfeld erheblich auf. Die Infrastruktur rund um die betreffenden Flächen ist hervorragend: Schule und Kitas, gute Nahverkehrsanbindung, die Nähe zum ICE-Bahnhof und nicht zuletzt eine hervorragende Nahversorgung. Erst unlängst hat in unmittelbarer Nähe der neue Aldi eröffnet, und der neue Rewe ist bereits seit acht Monaten in Betrieb.

Unangefochtener Marktführer

Jordan hat sich nach der Grenzöffnung von einem regionalen zu einem nationalen Anbieter von Fußbodenbelägen aller Art entwickelt, ist bundesweit die unangefochtene Nummer eins und gehört mit 66 Niederlassungen zu den ganz Großen in Europa. Außerdem handelt der Betrieb mit Bauholz und Wohntextilien. 

2017 setzte die Gruppe mit 1350 Mitarbeitern – davon 230 in Kassel – 393 Millionen Euro um. Hauptkundschaft sind Handwerksbetriebe. Jordan investiert jährlich Millionen in seine Standorte, allein im vergangenen und in diesem Jahr 20 Mio. Euro in die Erneuerung und Erweiterung von Niederlassungen. Am Unternehmenssitz entstand unlängst eine neue Halle, in einer bestehenden wird ein neues Plattenverarbeitungszentrum eingerichtet.

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