Ab Montag, 17. Februar, steigen Gebühren

Bestattungen ohne Sarg günstiger als mit

Kassel. Ab Montag, 17. Februar, werden die Friedhofsgebühren in Kassel im Schnitt um fünf Prozent steigen, sagt Jürgen Rehs, Chef der Friedhofsverwaltung. Die Bestattung in einem Reihengrab werde dann 1646 Euro statt bislang 1578 Euro kosten. Für sarglose Bestattungen berechne die Friedhofsverwaltung weniger.

Das liege aber nicht am fehlenden Sarg, sondern weil die Kosten für die Sargträger wegfielen, sagt Rehs. Während bei Bestattungen (Ausheben und Schließen des Grabs) mit Sarg auf Kasseler Friedhöfen immer sechs Sargträger eingesetzt und bezahlt werden müssen, würden bei sarglosen Bestattungen diese Aufgabe Mitglieder der muslimischen Gemeinde übernehmen.

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Eine sarglose Bestattung kostet ab Montag 1215 Euro (alte Gebühr: 1157 Euro). Auf dem Westfriedhof in Süsterfeld-Helleböhn gibt es bereits seit 1986 ein Gräberfeld für muslimische Verstorbene. Hier sollen auch die sarglosen Bestattungen erfolgen.

Die Friedhofssatzung sieht allerdings vor, dass die Verstorbenen in einem Sarg zunächst zum Grab getragen werden müssen. Erst dort wird der in ein Tuch gewickelte Leichnam aus dem Sarg genommen. Die Träger müssten den Leichnam dann in die Gruft herablassen, sagt Rehs.

Anschließend sei es bei muslimischen Beisetzungen üblich, dass jemand in die Gruft steige und das Gesicht des Verstorbenen Richtung Mekka drehe. Die meisten Leichname würden deshalb auf die Schulter gelegt. Über den Verstorbenen würden anschließend Bretter gelegt. Der Leichnam soll dadurch vor der Erde geschützt werden.

„Ich bin gespannt, wie das ablaufen soll. Für uns ist das alles Neuland“, sagt der Kasseler Unternehmer Dominik Kracheletz, der auch Vorsitzender des Bestattungsverbandes Hessen ist. Für ihn stehe fest, dass die Angehörigen auf alle Fälle einen Sarg zum Transport des Leichnams kaufen müssten. „Wir können solche Särge ja nicht wieder verwenden.“

Die Bestattungsunternehmen sowie die Glaubensvertreter sollen im Einzelfall über die Abläufe bei der sarglosen Bestattung beraten, sagt Ingo Happel-Emrich, Sprecher der Stadt. Bei den Bestattern lägen die Formulare aus, mit denen die sarglose Bestattung beantragt und gleichzeitig die Glaubenszugehörigkeit des Verstorbenen bestätigt werden könne. Das Ordnungsamt prüfe anschließend die Anträge. Eine sarglose Bestattung sei nur aus religiösen Gründen möglich. Dafür war in Hessen das Friedhofs- und Bestattungsgesetz geändert worden.

Die Notwendigkeit dieser Gesetzesänderung hatte sich daraus ergeben, dass die Zahl der Muslime, die sich auch in Deutschland bestatten lassen wollen, steige, sagt Happel-Emrich. Die Zahl der Muslime, die nicht auf ihre letzte Ruhestätte im Heimatland bestehen, steige auch deshalb, weil sich die Angehörigen in Deutschland besser um die Grabpflege kümmern könnten, sagt Kamil Saygin, Vorsitzender des Ausländerbeirats.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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