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Streit um ehemaliges Gasthaus „Schöne Aussicht“

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Von: Bastian Ludwig

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Kämpfen für mehr Wohnraum im ehemaligen Gasthaus Schöne Aussicht: Eigentümer Udo John (rechts) mit Frau Heike (links) und Tochter Michèle Otto (Mitte) mit Sohn. Hinten der Kita-Anbau.
Kämpfen für mehr Wohnraum im ehemaligen Gasthaus Schöne Aussicht: Eigentümer Udo John (rechts) mit Frau Heike (links) und Tochter Michèle Otto (Mitte) mit Sohn. Hinten der Kita-Anbau. © Bastian Ludwig

Es gibt einen Streit um das ehemalige Gasthaus „Schöne Aussicht“ an der Dönche. Der Eigentümer will nicht nur Platz für eine Kita schaffen, sondern auch Wohnraum für seine Familie. Dies lehnt die Stadt ab.

Süsterfeld – Udo John ist enttäuscht von der Stadt Kassel. Mehr als 100 Jahre hat seine Familie das Gasthaus „Schöne Aussicht“ am Rande der Dönche betrieben. Die Familie lebt seitdem in fünfter Generation in dem Haus an der Heinrich-Schütz-Allee. Daran änderte sich auch nichts, als das Lokal 2019 geschlossen wurde. Schon damals gab es den Plan, die Räume der Gastwirtschaft für eine Kita des Kasseler Betreibers Kleine Stromer zur Verfügung zu stellen.

Diese ist inzwischen kurz vor der Eröffnung. Doch noch hakt es auf der Baustelle, weil das Bauamt John verweigert, auch für seine wachsende Familie Platz in der Immobilie zu schaffen.

Der Disput mit Bauamt und Unterer Naturschutzbehörde hat einen längeren Vorlauf. 2020 gab es bereits Probleme, als John den Bauantrag für zwei Anbauten für die Kita stellen wollte. Beide sollten nur einstöckig genehmigt werden, obwohl der rückwärtige Anbau lediglich einen zuvor abgerissenen zweistöckigen Gebäudeteil ersetzen sollte. In die untere Etage sollte die Kita einziehen, oben sollte eine Wohnung für den Sohn entstehen.

Nachdem der Kita-Träger den Antrag für den Anbau gestellt hatte, gab es dafür 2021 eine Genehmigung. Auch der zweistöckige Ersatzbau wurde nach Beschwerde schließlich zugelassen.

„Wir brauchen den Platz dringend“, sagt John. Denn in seinem Haus wohnen nicht nur er und seine Frau Heike, sondern auch seine Mutter, sein erwachsener Sohn und seine Tochter samt Ehemann und Baby. Für alle gibt es wenig Raum. Der Sohn lebt in dem gerade erst errichteten Ersatzbau auf knapp 50 Quadratmetern. Tochter, Schwiegersohn und Enkel teilen sich bislang noch 54 Quadratmeter. Weil es für die junge Familie zu eng wird, wollte John den weiteren Kita-Anbau noch um eine Etage mit 92 Quadratmetern aufstocken. „Bei der Planung des Gebäudes hatten wir die Vorbereitungen dafür bereits getroffen“, sagt der Eigentümer. Doch eine Aufstockung war der Familie bereits vor einem Jahr abgelehnt worden.

„Die Naturschutzbehörde sieht in unseren Plänen eine blockartige Verriegelung des Blickes in die Dönche. Dabei war es auf Höhe des Gasthauses noch nie möglich, von der Heinrich-Schütz-Allee in die Dönche zu schauen. Da waren schon immer Bäume im Weg“, so John.

Zudem habe die Stadt darauf verwiesen, dass sich die Immobilie im Außenbereich befinde. Nach Paragraf 35 Baugesetzbuch darf auf Grundstücken, die abseits des Siedlungsgebietes liegen, nur dann etwas gebaut werden, wenn das Vorhaben „öffentlichen Belangen nicht entgegensteht“. Während das Kita-Projekt öffentlich gewollt sei, habe die Stadt mit der Ausweitung des privaten Wohnraums ein Problem, so John. Deshalb führt er mit der Stadt nun einen juristischen Streit. Sein Anwalt legte Widerspruch gegen die Entscheidung ein. Noch steht eine Entscheidung darüber aus. Auch eine Klage wird von Udo John erwogen. „Ich habe mein Grundstück für eine Kita zur Verfügung gestellt, die dringend von der Stadt benötigt wird. Da hätte ich mir mehr Entgegenkommen vonseiten der Stadt gewünscht“, so der Eigentümer.

Doch gleichzeitig läuft John die Zeit davon. Die Kita, die die Flächen nur anmietet, will im März eröffnen. Deshalb muss auf den Rohbau dringend das Dach gebaut werden. „Wenn ich es später wieder abreißen muss, weil ich doch eine Aufstockung bauen darf, wird es unnötig teuer“, sagt er. Er hofft deshalb, mit der Stadt noch eine Einigung zu erzielen.

Die Stadt will sich mit Verweis auf das noch laufende Widerspruchsverfahren zu dem Fall nicht äußern. Allgemein lasse sich aber sagen, dass Bauprojekten außerhalb von Siedlungen sehr enge Grenzen gesetzt seien, so ein Rathaussprecher. (Bastian Ludwig)

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