An der Kasseler Universität wurde ultrahochfester Bauwerkstoff entwickelt, der weltweit gefragt ist

Superbeton so fest wie Stahl

Michael Schmidt

Kassel. Er ist fest wie Stahl und unempfindlich gegen fast alles, was herkömmlichem Beton schaden kann: der an der Kasseler Universität seit dem Jahr 1998 entwickelte ultrahochfeste Beton.

Bauingenieure, Nanotechnologen, Chemiker und Baufachleute haben über Jahre zusammengearbeitet, bis der Superbeton erstmals angemischt werden konnte. Der Vorteil des zukunftsträchtigen Bauwerkstoffs, der inzwischen weltweit eingesetzt wird: „Das Material ist kaum porös, da kann nichts eindringen“, sagt Professor Dr. Bernhard Middendorf, Leiter des Fachgebiets Werkstoffe des Bauwesens und Bauchemie im Uni-Institut für konstruktiven Ingenieurbau.

Weil kein Wasser eindringen kann, gibt es bei diesem Beton keine Frostschäden. Middendorf hat den inzwischen emeritierten Professor Dr. Michael Schmidt abgelöst, unter dessen Regie der Spezialbaustoff im Fachbereich Bauingenieurwesen der Kasseler Uni auf den Weg gebracht wurde.

Der Superbeton bekommt seine einzigartige Druck- und Zugfestigkeit durch die dichte Packung winziger Teilchen in den Zuschlagstoffen. Diese Teilchen haben nur die Dicke von einem Tausendstel eines menschlichen Haares. Je dichter die Packung ist und je besser sich die Nanoteilchen kristallartig ineinander verzahnen, desto stabiler und robuster wird der Beton.

„Wir können das Material heute deutlich besser verarbeiten als vor zehn Jahren“, sagt Middendorf. Filigrane Strukturen von Fassaden wie etwa am neuen Museum Mucem in Marseille sind möglich, das Material wird für Brücken, Flughäfen, Dächer und auch für Fahrbahndecken eingesetzt. Der Superbeton übernimmt wegen der feinkörnigen Struktur präzise die Form der Schalung, „damit können Sie eine Pralinenschachtel ausgießen“.

Das Material ist weltweit gefragt. Middendorf und sein Kollege Professor Dr.-Ing. Ekkehard Fehling, Leiter des Fachgebiets Massivbau im Uni-Institut für konstruktiven Ingenieurbau, sind von Korea bis Südafrika zu Fachtagungen unterwegs, um über den Superbeton zu dozieren. „Das Material ist in jede Form zu bringen“, sagt Fehling. Archivfoto: Dilling (nh)

In der nächsten Folge geht es um Stapelkarren, Gepäckwagen und Hebehilfen der Kasseler Firma Expresso.

Von Jörg Steinbach

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