Superhirn aus Kassel: Daniel Jaworski hat 2000 Stellen der Zahl Pi im Kopf

Gedächtniskünstler: Daniel Jaworski aus Kassel ist fasziniert von Merktechniken und hat unter anderem 2000 Nachkommastellen der Zahl Pi sowie alle Länder Europas mit Hauptstädten und Einwohnerzahlen im Kopf. Foto: Rudolph

Kassel. Die meisten Menschen sind schon froh, wenn sie sich die Geburtstage der engsten Familienangehörigen und ein paar Telefonnummern merken können. Daniel Jaworski aus Kassel hat 2000 Nachkommastellen der Zahl Pi im Kopf. Und hat damit nicht genug.

Der 32-Jährige, der sich gerade zum Wirtschaftsfachwirt qualifiziert, will sich nach seinem Studium 13 000 weitere Stellen einprägen, um den Deutschlandrekord auf einer Weltrangliste der Pi-Gedächtniskünstler zu brechen (www.pi-world-ranking-list.com).

Mit seiner derzeitigen Merkleistung, die sich der Kasseler allerdings nicht offiziell bestätigen lassen hat, läge er in Deutschland auf Platz 6 und auf Platz 46 der Weltrangliste. Einen kleinen Test unserer Zeitung meisterte der gebürtige Pole, der seit seiner Kindheit in Kassel lebt, offensichtlich mühelos. Außerdem kann der junge Mann, der gelernter Einzelhandelskaufmann ist und in einem Möbelgeschäft arbeitet, alle Länder der Welt mit deren Hauptstadt aus dem Gedächtnis abrufen und ganz Europa samt Hauptstädten und genauen Einwohnerzahlen aufsagen.

Daniel Jaworski ist kein Wunderkind – sondern seit eineinhalb Jahren begeistert von Merktechniken, mit denen man das Gedächtnis zu Höchstleistungen trainieren kann. Im Fall der Zahl Pi benutzt der Kasseler dazu das sogenannte Major-System (siehe rechts).

„Das Gehirn merkt sich ungern abstrakte Informationen wie Zahlen“, erklärt der 32-Jährige. Deshalb ordnet er die Ziffern bestimmten Buchstaben zu. Aus den Buchstaben bildet er dann Wörter, die er in eine Geschichte einbettet. „Je verrückter, desto besser“, lautet dabei die Devise. Die Geschichte ruft Jaworski dann aus dem Gedächtnis ab - und landet über diesen Trick wieder bei den Zahlen.

Mit etwas Training könne das eigentlich jeder schaffen, sagt Jaworski. „Ein bisschen Kreativität und Beharrlichkeit sollten schon vorhanden sein.“ Natürlich könne man heute fast alles zu jeder Zeit im Internet nachsehen, sagt der Kasseler. Es sei aber faszinierend, was das Gehirn leisten könne. „Wenn man die eigenen Fortschritte sieht, dann macht das irgendwie süchtig“, sagt der junge Mann mit dem grau melierten Haar, der nebenbei auch als Model jobbt.

Die Zahl Pi habe er sich vor allem eingeprägt, um ein anschauliches Beispiel zum Vorführen seines Könnens zu haben. Mit den sogenannten Mnemotechniken könne man sich aber beispielsweise auch Formeln, Bilanzen und Betriebsergebnisse einprägen und jederzeit ohne Aufwand abrufen, sagt der 32-Jährige, der nach seinem Abschluss gern im Controlling arbeiten würde. Doch die Gedächtniskunst nutzt auch im Alltag: Einkaufszettel muss sich Daniel Jaworski nie schreiben.

So funktioniert’s

Beim Major-System (auch Master-System genannt) werden die einzelnen Ziffern Buchstaben bzw. Lauten zugeordnet:

1 = D, T              2 = N

3 = M                 4 = R

5 = L                  6 = SCH, CH, J

7 = C, CK, K, G   8 = F, V, W, PH

9 = P, B              0 = S, Z, ß

Um sich die vielen Nachkommastellen der Zahl Pi zu merken und den Überblick zu behalten, teilt Daniel Jaworski die Ziffern jeweils in Zehnerblöcke auf, die Blöcke bezeichnet er mit Buchstaben von A bis Z. Die ersten zehn Stellen 3,141592653 merkt er sich mit folgender Geschichte: „Auf den Alpen (Block 1) hält ein Ethnologe eine Made (31) in der Hand. Das schaut sich eine Ratte (41) mit einer Lupe (59) an, sie bekommt Hunger und findet in einer Berghütte in einer Nische (26) ein Toastbrot mit Leim (53).“

Land Nr. 14 der Länderliste (Italien) und die Einwohnerzahl (60 245 842) merkt sich Daniel Jaworski so: Im Fußballtor (14) steht ein Pizzabäcker (Assoziationen für Italien) und backt Pizza. Dann wird ein Schuss (60) von einem Narren (24) auf den Pizzabäcker abgegeben und der Coach der Löwen (58) steht daneben, raucht (46) eine Zigarette und bejubelt den Treffer.

Die Einkaufsliste kann man sich mit der Loci-Methode merken, indem man für die einzelnen Einkaufsartikel Orte am Körper reserviert: „Ich trage Bananen auf dem Kopf, balanciere eine Kiwi auf der Nase, im Mund habe ich Kaugummi, an den Ohren hängen Wasserflaschen und unter den Arm klemme ich mir eine Packung Nudeln.“ (rud)

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