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Glosse: Männer gehen bald in Strapsen auf die Sex-documenta

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Von: Matthias Lohr

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Sieht ungewohnt aus, soll aber praktisch sein: Mit den Bändern der slowenischen Firma NV Holder sitzen Hemden angeblich perfekt. © nh

Eine Modefirma hat überraschend Erfolg mit Strapsen für Männer. So soll bald Schluss sein mit dem Maurerdekolleté, das jeder schon einmal gesehen hat. All das hat auch einiges mit der documenta zu tun.

Es gibt documenta-Besucher, die sagen, die meisten Künstler der d14 seien weder Männer noch Frauen, sondern beides. Tatsächlich hat man bisweilen das Gefühl, dass von der heterosexuellen Norm abweichende Menschen auf der Weltkunstschau längst Mainstream sind. Und selbst wenn sie legere Sommerkleidung tragen sind alle immer so perfekt angezogen. Vielleicht liegt das daran, dass es nun auch Strapse für Männer gibt.

Mit diesem Produkt sorgt die slowenische Modefirma NV Holders gerade für Aufsehen. Ihr T-Holder (oder auch S-Holder) besteht aus einem elastischen Band, das man sich um den Oberschenkel spannt und an dem sich drei weitere Bänder befinden. Die werden am Hemd befestigt, damit das auch dann gut sitzt, wenn man sich bewegt.

Eher traditionell eingestellte Männer, die Gender Studies für den ganz sicher bald stattfindenden Weltuntergang verantwortlich machen und nun auch noch die erste Schiedsrichterin in der Fußball-Bundesliga verkraften müssen, brauchen keine Angst haben, dass sie nun auch noch Kleidung tragen sollen, die sie eher von Prostituierten kennen. Der erst 21 Jahre alte Firmengründer will mit seiner Innovation vielmehr ein Problem lösen, das seit langem unter dem Namen Maurerdekolleté bekannt ist. Jeder, der schon einmal einen Handwerker in seiner Wohnung hatte, kennt das: Der Mann, der die Wasserleitung reparieren soll, bückt sich, das Hemd rutscht hinten aus der Hose und der Blick fällt unweigerlich auf Körperstellen, die man lieber niemals gesehen hätte.

Man könnte nun einwenden, dass man keine 30 Euro teuren Männerstrapse anziehen muss, um solche Peinlichkeiten zu vermeiden, sondern einfach die Hose hochziehen und den Gürtel enger schnallen. Aber die slowenischen Modemacher haben mit ihrer Idee offensichtlich Erfolg. Als NV Holders im vorigen Jahr per Crowdfunding für das neue Produkt Geld sammelte, kamen schnell mehr als 72.000 Euro zusammen. Und auf Instagram hat die bislang unbekannte Marke stattliche mehr als 22.000 Abonnenten.

Was das alles mit der documenta zu tun hat? Nun ja, auf der Weltkunstschau trat diesen Sommer schon eine Künstlerin auf (sie war wirklich eine Frau und nicht irgendwas mit Trans), die Sex mit der Erde propagierte, also quasi der ganzen Welt Strapse überziehen wollte. Wie beim Maurerdekolleté entdeckt man auch auf der documenta oft Dinge, die man niemals sehen wollte. Und schließlich haben wir unter den Besuchern schon sehr viele Professoren, Intellektuelle und Leute getroffen, die irgendwas mit Kunst machen, aber noch nie einen Handwerker.

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