Tachostände verschönert: Bewährung für 24-Jährigen

Kassel. Wer die Hintermänner sind, sagt er nicht. 24 Jahre jung ist der große Mann auf der Anklagebank. Er ist das erste Mal vor Gericht und immer wieder sieht es aus, als müsse er schwer schlucken über das was da mit ihm passiert ist.

Die Ermittlungen, weil er unter falschem Namen Gebrauchtwagen mit kräftig verkürzten Tachoständen und schöner-gestempelten Service-Unterlagen verkauft hat, die Anklage und der Prozess zehren an dem jungen Mann.

Das Amtsgericht verurteilt den Kasseler am Mittwoch wegen gewerbsmäßigen Betrugs und gewerbsmäßiger Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Zugleich muss der junge Mann je 250 Euro an die sieben Personen zahlen, die über ihn Wagen gekauft hatten. In der Summe, erläutert Richter Leyhe, entspreche das ungefähr dem, was der 24-Jährige bei der Aktion erlöst habe. Die Verfahrenskosten kommen zusätzlich auf ihn zu.

Irgendwer aber hat mehrere tausend Euro an den sieben krummen Deals verdient. Im krassesten Fall, dem Verkauf eines Mercedes-Taxis, war der Tachostand nach Überzeugung des Gerichts um mehr als 600 000 Kilometer zurückgedreht worden. Doch auch in anderen Fällen wurde die Fahrleistung um gut 100 000 Kilometer erleichtert.

Zu Preisen, die für den behaupteten Zustand offenbar sehr attraktiv waren, wurden die Wagen dann im Internet angeboten. „Sie sind ein Rad in einer etwas größeren Maschinerie“, sagt Richter Leyhe über den Angeklagten. Jemand müsse die Service-Hefte mit den falschen Stempeln hergestellt, jemand sich „die Mühe des Tachozurückdrehens“ gemacht haben. Und dann sei der Angeklagte als Verkäufer aufgetreten.

Vom Kaufpreis habe er stets 100 bis 400 Euro behalten dürfen. Den Rest habe er an „denjenigen“ weitergeben - wer auch immer das ist.

Nach einer Verständigung zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht hatte der 24-Jährige gestern alle angeklagten Taten gestanden. Verteidiger Bernd Schubert betont aber, schon bei einem Haftrichter-Termin habe sein Mandant sich geständig gezeigt.

Von Katja Schmidt

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