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Kassel verliert täglich 260 Quadratmeter freien Boden

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Von: Bastian Ludwig

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So schützwürdig sind die Flächen in Kassel: Ein Überblick über die Einstufungen.
So schützwürdig sind die Flächen in Kassel: Ein Überblick über die Einstufungen. © Stadt Kassel

Jeden Tag gehen in Kassel statistisch gesehen 260 Quadratmeter Boden durch Bauprojekte verloren. In den vergangenen fünf Jahren belief sich der Bodenverlust auf eine Fläche von etwa 13 Fußballfeldern pro Jahr. Damit verfehlt die Stadt die Ziele des Landes.

Kassel - In Kassel wurde die Obergrenze, die sich das Land Hessen als Ziel bei der Bodenversiegelung gesetzt hatte, zuletzt um 100 Prozent überschritten. Dies ist eine Feststellung des jüngsten Bodenschutzberichtes der Stadt Kassel. Auf dessen Grundlage sollen nun verbindliche Obergrenzen für den jährlichen Flächenverbrauch festgelegt werden.

Der Bericht

Nicht nur Luft und Wasser brauchen Schutz, sondern auch der Boden. Um einen Überblick über dessen Belastung zu bekommen, erstellt die Stadt regelmäßig den Bodenschutzbericht – der letzte war 2010 erschienen. Nun war es Zeit für eine Neuauflage, die jetzt vorliegt. In ihr befinden sich Daten zur unterschiedlichen Bodenqualität der städtischen Gesamtfläche von 10 680 Hektar.

Die Altlasten

Ein Teil des Bodenschutzes ist der nachsorgende Bodenschutz. Dabei geht es vor allem um die Sanierung von Altablagerungsflächen, um etwa Gefahren für das Grundwasser abzuwenden. Ein aktuelles Großprojekt ist die Sanierung des Kleingartenvereins Fackelteich. Bei der Beseitigung früherer Deponien etc. hat die Stadt bereits große Fortschritte gemacht.

Es gibt wenig große Flächen mit Altlasten: Vier sind in der Bearbeitung, sieben stehen noch aus. Allerdings gibt es noch 3323 Verdachtsfälle. Dies sind meist kleinere Grundstücke, auf denen sich früher Reinigungen, Tankstellen, Färbereien etc. befanden. Wer auf diesen Flächen bauen will, muss den Boden vorher zunächst prüfen lassen.

Der Bauboom

Eine größere Herausforderung stellt die Versiegelung dar. Denn der große Bedarf an Wohnraum steht im Spannungsverhältnis zum Bodenschutz. Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) will den Anstieg der Versiegelung zwar beschränken, aber gleichzeitig hält er es für sinnvoll, die Nachverdichtung zu intensivieren. Es sei mit Blick auf die Umweltauswirkungen besser, Wohnungen in dicht besiedelten Gebieten zu schaffen, als sie auf der grünen Wiese zu bauen. In der Stadt gebe es bereits die nötige Infrastruktur. Sie müsse nicht extra bebaut werden – was eine zusätzliche Versiegelung bedeute. Gute Beispiele für Nachverdichtung und Flächenrecycling seien die Bauprojekte auf dem Areal des alten Unterstadtbahnhofs, am Bahnhof Nord, auf dem Molkereigelände am Lindenberg, Magazinhof, Jägerkaserne und Martini-Quartier.

Der Versiegelungsgrad

Nach Zahlen der Stadt sind 27 Prozent der Gesamtfläche Kassels versiegelt. Wobei es zwischen den Stadtteilen große Unterschiede gibt. Den höchsten Versiegelungsgrad haben Mitte (75 Prozent), Vorderer Westen (58 Prozent) und Wesertor (54 Prozent). Am wenigsten versiegelt sind Brasselsberg (8 Prozent), Wolfsanger (12 Prozent) und Harleshausen (13 Prozent).

Die größten Zuwächse bei der Bebauung von Freiflächen gab seit 2016 in Bettenhausen (plus 10 Hektar), Harleshausen (plus 9 Hektar) und Waldau (plus 6 Hektar).

Die Ziele

Ein Ziel ist die Erstellung eines Bodenschutzkonzeptes, so Anja Starick, Leiterin des Umwelt- und Gartenamtes. Dafür sei der Bericht eine wichtige Grundlage. Allerdings fehlten vor allem aus dem Stadtkern (siehe Grafik) noch Bodendaten. Diese sollen noch erhoben werden. Auf der Datenbasis sollen etwa Obergrenzen für die Versiegelung festgelegt werden. Wobei schon jetzt 61 Prozent der noch unversiegelten Flächen ohnehin geschützt sind und eine Bebauung ganz oder nahezu ausgeschlossen ist. Denn diese sind Naturschutzgebiete, Überschwemmungsgebiete, Weltkulturerbeflächen oder Ähnliches. Zusätzlich zu diesen Gebieten hat die Stadt weitere Flächen aufgrund ihrer Qualität als schutzwürdig eingestuft.

Bei der Festlegung von Versiegelungsgrenzen sei eine Abstimmung im Zweckverband nötig, so Nolda. „Wenn wir nicht in der Stadt bauen, wird im Umland gebaut.“ Dies sei dem Bodenschutz nicht zuträglich. Würde man die Ziele des Bundes auf Kassel übertragen, ergäbe sich für die Stadt eine deutliche Einschränkung. Ab 2030 dürften im Schnitt täglich nur 90 statt bisher 260 Quadratmeter bebaut werden. (Bastian Ludwig)

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