Zahl der Diebstähle hat in der Stadt massiv zugenommen

Täglich wird ein Rad in Kassel geklaut

Begehrt: Der Diebstahl von Fahrrädern und E-Bikes hat in Kassel stark zugenommen.
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Begehrt: Der Diebstahl von Fahrrädern und E-Bikes hat in Kassel stark zugenommen.

Die Zahl der Fahrrad- und E-Bike-Diebstähle ist in der Stadt Kassel in den ersten drei Monaten dieses Jahres deutlich angestiegen. Allein seit Anfang April seien deshalb bei der Polizei rund 70 Anzeigen erstattet worden, teilt Polizeisprecher Matthias Mänz auf Anfrage mit. Bereits im vergangenen Jahr waren in der Stadt Kassel insgesamt 759 Diebstähle von Fahrrädern und E-Bikes angezeigt worden (2019: 670 Fälle).

Kassel - Dabei nehme der Anteil der gestohlenen E-Bikes seit Jahren zu. Im Jahr 2018 habe er lediglich bei 8,5 Prozent aller gestohlenen Räder gelegen, 2019 waren es 20 Prozent und 2020 bereits 26,8 Prozent, so der Polizeisprecher. Die Tendenz sei steigend.

Um gegen die Fahrraddiebstähle gezielter vorgehen zu können, würden alle Fälle seit 2020 bei einer Regionalen Ermittlungsgruppe bearbeitet, die deliktorientiert vorgeht. Früher waren verschiedene Reviere für die Diebstähle zuständig. Die Ermittlungsgruppe könne gezielter nach gestohlenen Rädern fahnden und mögliche Absatzwege überprüfen, so der Polizeisprecher.

Ohne auf Details einzugehen, sagt Mänz, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass eine oder mehrere Tätergruppen für den aktuellen Anstieg der Fahrraddiebstähle verantwortlich sind. Momentan würden im Stadtgebiet Kassel täglich Zweiraddiebstähle angezeigt. In der Nacht zum Dienstag wurde zum Beispiel ein E-Bike in der Mönchebergstraße vor dem Klinikum Kassel gestohlen, in der Nacht zum Mittwoch ist das Schloss eines Mountainbikes in der Gräfestraße (Wehlheiden) geknackt worden. Am vorletzten Wochenende hatten Unbekannte Garagen in einem Hinterhof im Kirchweg (Vorderer Westen) aufgebrochen und dort sechs Fahrräder, darunter vier E-Bikes, im Gesamtwert von mehr als 20 000 Euro mitgenommen.

Die Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich sei leider nicht hoch, so der Polizeisprecher. Im vergangenen Jahr seien nur in 8,7 Prozent der Fälle die Räder auch wieder aufgetaucht. Die Polizei appelliere in diesem Zusammenhang an alle Radbesitzer, sich beim Kauf die Rahmennummer zu notieren und das Rad auch zu fotografieren. “ 

Zurück bleibt nur das Schloss

Am vergangenen Freitag war das Fahrrad von Fabian Arend noch da. Der 21-jährige Student aus Kassel hatte es im Hinterhof an der Wilhelmshöher Allee an einer Eisenstange mit einem Schloss gesichert. Am Montagmorgen bemerkte Arend dann bei einem Blick aus dem Fenster, dass sein Rad, ein Pegasus Solero, verschwunden war. Zurückgeblieben war nur das Winkelschloss, das der oder die Täter durchgesägt hatten. Der Student hofft, dass das Rad im Wert von 600 Euro von der Polizei gefunden wird.

Beim Kauf des Rades habe er beim Händler allerdings auch eine Versicherung gegen Diebstahl abgeschlossen. Von daher bekomme er das Geld erstattet, sagt Arend. Schlechter habe es einen Freund von ihm getroffen, dem vor einigen Wochen das Rad am helllichten Tag vor der Elisabeth-Knipping-Schule gestohlen worden war. Der hatte sein Rad nicht versichert und bleibt daher auf dem Schaden sitzen. „Der ist jetzt sehr frustriert, weil er kein Geld hat, sich ein neues Rad zu kaufen“, so Fabian Arend.

Eine Hausratversicherung würde da schon weiterhelfen: Fahrräder sind über diese mit versichert – zumindest gegen Einbruchdiebstahl. Wird das Fahrrad dagegen außerhalb verschlossener Räume gestohlen, besteht bei einer Hausratversicherung meist kein Schutz. Am einfachsten versichert man ein E-Bike über einen Fahrrad-Baustein in der Hausratversicherung. Eine Absicherung ist in Höhe von einem bis fünf Prozent der Versicherungssumme möglich.

Fahrradhändler Rudi Edelmann empfiehlt zudem, einen Chip mit Ortungsfunktion für 99 Euro ins E-Bike einbauen zu lassen. Diese Funktion kann man bei ihm beim Radkauf mitbestellen. Der Chip sei so untergebracht, dass ihn Laien nicht finden könnten. Sollte das Rad gestohlen werden, kann es über den Chip geortet werden. Den Chip könne man auch mit einer Versicherung für das Rad kombinieren.

Natürlich sollte das Schloss auch gut sein. Edelmann beruft sich auf die Polizei, wenn er empfiehlt, dass das Schloss zehn Prozent vom Wert des Fahrrads oder E-Bikes haben sollte. Zudem rät er dazu, Räder auch im Haus und Keller anzuschließen, zum Beispiel an einem Wandanker. Das verhindere, dass Räder, auch wenn sie ein hochwertiges Schloss haben, einfach weggetragen werden.

Tipps der Polizei

. Fahrradschloss: Billigschlösser sind häufig nutzlos. Vor allem Abschreckung schützt vor Fahrradklau. Dafür eignen sich insbesondere stabile Bügelschlösser und Panzerkabel. Für ein passendes Schloss sollten rund zehn Prozent des Fahrradpreises eingerechnet werden. Je teurer und leichter ein Rad ist, umso schwerer und teurer sollte ein Schloss sein. Entscheiden Sie sich bei Ketten, Bügeln und Schlössern in jedem Fall für „geprüfte Qualität“ und für hochwertiges Material wie durchgehärteten Spezialstahl und massive Schließsysteme.

. Art der Sicherung: Häufig werden Fahrräder zwar mit wirksamen Schlössern abgeschlossen, jedoch nicht angeschlossen. Das heißt, sie können mühelos weggetragen werden. Wählen Sie ein Fahrradschloss, das aus durchgehärtetem Spezialstahl hergestellt ist und mit einem massiven Schließsystem ausgerüstet ist. Schließen Sie den Rahmen und beide Räder stets an fest verankerte Gegenstände an.

. Abstellort: Stellen Sie ihr Fahrrad zudem in der Öffentlichkeit nur an belebten und gut einsehbaren Orten ab. Nutzen Sie nachts gut beleuchtete Orte. Lassen Sie Ihr Fahrrad unbeaufsichtigt nur so lange wie nötig an öffentlichen Plätzen stehen.

. Sicherung des Abstellorts: Kellerverschläge, Gartenlauben, Garagen oder andere Abstellorte sollten ausreichend gegen unbefugten Zutritt gesichert werden. Ein billiges Vorhängeschloss bietet beispielsweise kaum einen Schutz.

. Bei verdächtigen Beobachtungen Polizei rufen: Für das Knacken hochwertiger Schlösser benötigen auch professionelle Diebe Zeit. Der Einsatz der Werkzeuge, beispielsweise einer Akku-Flex, verursacht natürlich Geräusche. Zögern Sie bei verdächtigen Wahrnehmungen nicht und rufen Sie über 110 die Polizei. (use)

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